Band des Maßregelvollzugszentrums tritt in Bad Rehburg öffentlich auf

Ein Stück Freiheit

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Paddy (links) und Krankenpfleger Johann Neufeld bereiten den Auftritt einer Band aus dem Maßregelvollzugszentrum in Bad Rehburg vor.

Bad Rehburg - Von Beate Ney-Janssen. Patienten des Maßregelvollzugszentrum in Bad Rehburg bereiten sich auf einen Auftritt als Band am Sonntag, 16. August, zum Tag des offenen Parks auf dem Gelände der Einrichtung vor. Viele Patienten machen Musik und haben Lust, das auch öffentlich zu tun, sagte Jürgen Rust vom Maßregelvollzugszentrum. Öffentliche Auftritte sind allerdings nicht die Regel im Maßregelvollzug.

Schließlich ist jeder der Patienten dort verurteilt worden und wird in Bad Rehburg aufgrund seiner Sucht therapiert. Da zeigt nicht jeder gerne Gesicht. Jetzt wollen aber alle mitmachen, sagt Krankenpfleger Johann Neufeld. Weil er selbst Musik macht, bietet er in der klinischen Einrichtung auch eine Musik-Therapie an. Bis zu sieben Männer sind es momentan, die in einem Probenraum mit Akustik- und E-Gitarren, Mundharmonikas, einem Schlagzeug und ihren Stimmen Musik machen. Die Vorlieben der Männer sind ganz unterschiedlich – und passen doch irgendwie zusammen.

Farez etwa liebt die ruhigeren Töne. Bob Dylan, Eric Clapton, die Beatles – das ist seine Musik. Seinen Gesang begleitet er auf der Gitarre. Sehr schön klingt das. Beruhigend, zum Zurücklehnen. Ein guter Ausgleich zum strukturierten Tagesablauf der Klinik sei die Musik für ihn, findet er. Und Musik habe er schon immer gerne gemacht – damals schon, als er noch Medizin in Berlin studierte und in der Uni-Band mitspielte.

Besonders gerne musiziert Farez mit Paddy. Das scheint erstaunlich, denn sowohl von den musikalischen Stilrichtungen als auch vom Äußeren scheint die beiden nichts zu verbinden. Paddy hat Straßenmusik gemacht. Deutsch-Punk ist seine Welt, viele Texte und Kompositionen schreibt er selbst und oft kommen dort Teile seiner Lebensgeschichte zum Ausdruck.

Dass Paddy ganz selbstverständlich die Noten von einem Beatles-Song mitspielt und Farez im Gegenzug bei Punk einstimmt, hat wohl auch etwas mit der besonderen Situation der beiden zu tun und mit dem Stück Freiheit, das die Stunden mit Musik für sie in der Klinik sind. So wollen sie auch beim Tag des offenen Parks miteinander und mit weiteren Patienten spielen. Sanft und leise – aber auch hart und laut.

Was die Öffentlichkeit angeht, sind beide trotz des geplanten Auftritts etwas vorsichtig. So legt Farez nur seine Gitarre ins Bild – sein Gesicht möchte er nicht in der Zeitung sehen. Und auch im Bezug auf ihre Namen legen die Musiker ein wenig Scheu an den Tag: „Vorname genügt“. Maßregelvollzug ist eben doch ein Stempel, der einem Menschen aufgedrückt wird und der nicht so leicht abzuwaschen ist.

Ungeachtet dessen oder vielleicht auch deshalb, hat Paddy mittlerweile einen weiteren Auftritt zugesagt. Ein selbst geschriebenes Lied wird er während einer Veranstaltung des Rehburg-Loccumer Arbeitskreises Stolpersteine singen. Jugendliche haben dafür eine szenische Lesung zur Euthanasie in der NS-Zeit vorbereitet (wir berichteten).

Der Punk-Song soll einen eindringlichen Bogen von der Psychiatrie heute zu der Psychiatrie damals schlagen. Von der Klinik in Bad Rehburg zu dem Euthanasie-Programm der Nazis. Er ist am Donnerstag, 9. Juli, um 19 Uhr im Rehburger Rathskeller zu hören. Der Eintritt kostenlos.Weitere Infos gibt‘s auch im Internet.

www.stolpersteine-rehburg-loccum.de

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