Aufführung von „Die Physiker“ im Gymnasium Stolzenau

Blicke lassen Böses ahnen

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Die schuleigene Trage wird zur Bahre umfunktioniert und eine der ermordeten Krankenschwestern abtransportiert.

Stolzenau - Nur eine Chance gibt es, Dürrenmatts „Die Physiker“ auf der Bühne des Gymnasiums Stolzenau zu erleben. Für Sonntag, 24. Januar, 19 Uhr, bereiten sich Schüler des Theater-Seminarfachs auf diese Aufführung vor.

„Kann ich diesen Aschenbecher benutzen?“ „Wo steht denn der Cognac?“ „Holt mal jemand die Bahre her?“ Zigaretten, Alkohol und Tote wird es im Gymnasium geben, denn das alles sind schließlich Elemente, die Friedrich Dürrenmatt in sein 1962 uraufgeführtes Stück eingebaut hat.

Dabei versteht es sich von selbst, dass Kriminalinspektor Voß (Rebecca Meier) ein ums andere Glas gefärbtes Wasser in sich hineinkippt, dass Schwester Monika (Gesa Mührwald) nicht auf einer Bahre, sondern auf der schuleigenen Trage von der Bühne transportiert wird, und dass keine Zigarette auf der Bühne zu qualmen beginnt. Auch die Pistolen, die Albert Einstein (Larissa Köpper) und Isaac Newton (Elisa Kalla) zücken, erst aufeinander und anschließend ins Publikum richten, sind selbstverständlich nicht echt. Der Blick, den die beiden dabei aufsetzen, lässt aber Böses ahnen.

Die Geschichte ist im Prinzip bekannt, wird immer noch oft im Unterricht verwendet – und hat doch trotz ihres Alters von mehr als 50 Jahren nichts von ihrer Aktualität verloren mit ihrer Grundfrage der Verantwortung der Wissenschaft: Drei Physiker sitzen als Patienten in einem Irrenhaus. Einer von ihnen meint, Einstein zu sein, und der zweite wähnt sich als Newton, während dem dritten König Salomo erscheint. Was sie zu sein vorgeben, nämlich geisteskrank, sind sie jedoch alle nicht. Vielmehr haben sie sich in die Klinik der Irrenärztin Mathilde von Zahnd (Frederike Donow) begeben, weil jener dritte Physiker, Möbius (Tamara Müller), eine Entdeckung gemacht hat, die die Vernichtung der Welt in sich birgt.

Komödiantische Züge

sind zu finden

„Komödie“ schreibt Dürrenmatt im Untertitel und komödiantische Züge sind in der Geschichte sicherlich zu finden. „Drama“ würde den Kern der Sache aber doch eher treffen. So oder so – die agierenden Schüler leben beide Seiten auf der Bühne aus.

Es wird viel gelacht bei den Proben, ebenso aber auch ernsthaft gearbeitet. Dafür, dass sich beides die Waage hält und schließlich auch das Ergebnis bei der Aufführung ausgezeichnet ist, sorgt Martina Olbrich. Sie ist noch keine zwei Jahre als Lehrerin am Stolzenauer Gymnasium, hat eine Zusatzausbildung in darstellendem Spiel, Erfahrung mit der Inszenierung von Theaterstücken aus ihrer Lehrtätigkeit in Hoya und hatte einfach Lust, solch ein abendfüllendes Stück auch in Stolzenau zu inszenieren.

Schüler, die sich auf dieses Seminarfach einlassen wollten, hat sie gefunden und dass, obwohl der Aufwand den anderer Angebote vermutlich übersteigt. In eine Rolle zu schlüpfen und einen Text auswendig zu lernen, ist nicht alles, was dazugehört – auch mit den Biografien ihrer Charaktere mussten sie sich schriftlich auseinandersetzen. Und natürlich, weil zwei Schulstunden für ein solch ambitioniertes Projekt nicht ausreichen, auch einige Samstage intensiv arbeiten.

Nun stehen alle Akteure kurz vor der Premiere. Zur Generalprobe wollen sie sich am Tag vor der Aufführung noch einmal treffen. Das Lampenfieber dürfte spätestens am Aufführungstag bei allen vorhanden sein. Darauf, dass der Theatersaal voll wird, wenn sie „Die Physiker“ spielen, hoffen sie dennoch alle.

Die Hürden für – zahlreich erhofften – Besucher sind jedenfalls gering: Selbst der Eintritt ist frei.

ade

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