Mehrere Sitze frei / Stipendien für Studierende

Nienburg: Rund 15 Hausärzte fehlen

Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand.
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Im Landkreis Nienburg gibt es rechnerisch noch 15,5 freie Stellen für Hausärzte. Mit einem Stipendiatenprogramm möchte der Landkreis für junge Mediziner aufs Land locken.

Landkreis – Der Rücken schmerzt, der Husten plagt oder der Fuß ist verstaucht: klassische Fälle für den Hausarzt. Doch was, wenn der gar nicht mehr im Ort sitzt, sondern kilometerweit entfernt? Dieses Szenario ist in einigen ländlichen Räumen Deutschlands bereits Realität. Im Landkreis Nienburg ist die Lage derzeit stabil – allerdings gibt es noch Luft nach oben. Denn junge Mediziner sind auch hier gefragt.

Der Trend zeigt bereits seit Längerem, dass ländliche Regionen nicht zu den Favoriten der jungen Ärzte-Generation gehören. Sie bevorzugen Stellen in der Stadt. Die Folge: Auf dem Land wird die Patienten-Versorgung immer schwieriger. Zu diesem Ergebnis kommt eine kürzlich veröffentlichte Studie im Auftrag der Robert-Bosch-Stiftung. Bundesweit fehlen dieser Prognose zufolge bis 2035 etwa 11 000 Hausärzte, rund 40 Prozent aller Landkreise dürften betroffen sein.

KVN-Sprecher: „Versorgung insgesamt gut“

Detlef Haffke, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung (KVN), sieht die Lage im Kreis gelassen: „Im Landkreis Nienburg ist die Versorgung insgesamt gut“, stellt er auf Nachfrage fest. Es fehlen allerdings auch hierzulande Mediziner, das zeigt das Zahlenwerk: Nach Haffkes Angaben sind im Kreis derzeit 15,5 Stellen für Hausärzte nicht besetzt. „Hausärzte sind immer gesucht“, bestätigt auch Michael Duensing, Sprecher des Landkreises. Es sei kein Geheimnis, dass viele Landärzte keine Nachfolger fänden, ergänzt er.

Die KVN orientiert sich bei der Berechnung der erlaubten Arzt-Sitze im Kreis an zwei „Mittelbereichen“: Nienburg und Stolzenau. Zu Nienburg zählen die Gemeinden Balge, Bücken, Drakenburg, Eystrup, Gandesbergen, Hämelhausen, Haßbergen, Hassel, Heemsen, Hilgermissen, Hoya, Hoyerhagen, Marklohe, Nienburg, Rodewald, Rohrsen, Schweringen, Steimbke, Stöckse, Warpe, Wietzen und Linsburg. In den Kommunen leben derzeit insgesamt 70 204 Menschen. „Ein Hausarzt soll 1 647 Menschen versorgen“, erläutert Haffke und ergänzt: „Es praktizieren 40 Hausärzte. Der Versorgungsgrad liegt bei 93,8 Prozent. Sieben Hausärzte könnten sich noch niederlassen.“

Zum Bereich Stolzenau gehören Binnen, Diepenau, Estorf, Husum, Landesbergen, Leese, Liebenau, Pennigsehl, Raddestorf, Rehburg-Loccum, Steyerberg, Stolzenau, Uchte und Warmsen mit 51 436 Einwohnern. Dort soll ein Hausarzt 1 553 Menschen versorgen. Derzeit praktizieren in der Region 28 Hausärzte. „Der Versorgungsgrad liegt damit bei 84,6 Prozent. 8,5 Hausärzte könnten sich noch niederlassen“, erläutert Haffke. Demnach herrsche noch keine Unterversorgung, so Haffke. Sinke der Versorgungsgrad bei den Hausärzten unter 75 Prozent und bei Fachärzten unter 50 Prozent, dann handele es sich um Unterversorgung. „Dann muss die KVN dort einen Arzt etablieren, da sie den Versorgungsauftrag hat“, so Haffke.

Zwei Kinder- und Jugendärzte fehlen

Bei den Fachärzten betrachtet die KVN den gesamten Landkreis als Grundlage. Der höchste Bedarf besteht bei Kinder- und Jugendärzten (2 Stellen frei) sowie bei Nervenärzten (1,5 Stellen unbesetzt). Rechnerisch steht der Landkreis demnach recht gut da. „Grundsätzlich muss man aber Bedarf und Bedürfnisse unterscheiden“, betont Haffke. Der Bedarf weiche oft von den Bedürfnissen der Menschen ab. Auch die Corona-Pandemie habe bislang nichts an der Versorgungslage im Kreisgebiet geändert, ergänzt der Sprecher. „Es bleibt aber abzuwarten, ob einzelne Praxen aufgrund der hohen Belastung während der Pandemie aufgeben. Das gilt in erster Linie für die ältere Ärztegeneration“, meint Haffke.

Bei der Kreisverwaltung hat man bislang auch keine Auswirkungen der Pandemie festgestellt. Duensing würde es allerdings begrüßen, wenn sich weitere Mediziner in der Region niederlassen würden.

Einen Anreiz für den Nachwuchs, auf dem Land zu arbeiten, wolle man mit dem Stipendiaten-Programm „Ärztlich willkommen“ bieten. Darauf bewerben können sich Personen, die ihre Allgemeine Hochschulreife erworben haben, als auch Personen, die bereits Medizin studieren. Die Stipendiaten bekommen ab Beginn des Studiums 300 Euro monatlich. Derzeit haben es sieben angehende Mediziner in das Programm geschafft.

Der Kreis lobt jährlich drei Plätze aus. „die wichtigsten Voraussetzungen sind ein Studium der Humanmedizin und die Bereitschaft, später im Landkreis Nienburg zu arbeiten“, sagt der Kreis-Sprecher. Explizite „Starthilfe“ für Ärzte, die sich im Kreis niederlassen möchten, gebe es so nicht, meint Duensing auf Nachfrage. Allerdings werde jeder Fall individuell betrachtet. „Man schaut hin, man kann miteinander reden“, so Duensing.

Weitere Informationen

Details zum Stipendiatenprogramm:

www.lk-nienburg.de/politik-verwaltung/gesundheit/aerztlich-willkommen/stipendienprogramm/

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