Archäologische Ausgrabungen an Burg Wölpe/Ältester Teil noch nicht gefunden

Zeichen aus dem Mittelalter

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Alle Funde auf dem Burghügel in Wölpe werden vermessen, wie diese freigelegte Mauer.

Nienburg/Wölpe - Die Burg Wölpe in der Nähe von Erichshagen spielt in der politischen Geschichte der Region eine wichtige Rolle. Viele Schriftstücke und Funde, die im Rahmen von Grabungsarbeiten ans Tageslicht befördert wurden, zeugen von der Bedeutung der Burg. Jetzt stellten Kristina Nowak-Klimscha, Museumsleiterin in Nienburg, Dr. Tobias Gärtner, Lehrstuhl für Vor- und Frühgeschichte der Universität Regensburg und wissenschaftlicher Projektleiter, sowie Frank Wedekind aus Göttingen als örtlicher Grabungsleiter Ergebnisse der seit 2012 laufenden Grabungen der Uni Regensburg vor.

Mit den Untersuchungen soll unter anderem die Schichtenfolge der Böden des Burghügels geklärt werden. Wie war die Randbefestigung der Burg beschaffen? Gab es im Mittelalter eine steinerne Burgmauer oder nur eine hölzerne? Diese Fragen stellen sich die Wissenschaftler. Doch die wohl wichtigste Frage lautet: Wie alt ist die Burg?

Die Grabungen, für die ein Areal von 46,5 Meter Länge und 2,5 Meter Breite ausgehoben wurde, zeigen laut Forschungsteam, dass der Hügel im Untersuchungsbereich eine längere Geschichte mit wenigstens zwei Umbauphasen aufweist. Die ältesten bislang erfassten Schichten stellen eine Hügelaufschüttung dar, die durch mehrere Balken vor dem Abrutschen gesichert wurde. In diesen Schichten finden sich die Reste eines Steinfundaments. Rund fünf Meter davor legten die Mitarbeiter eine hölzerne Wehrlinie frei, bestehend aus einer Palisade mit Wehrgang. Diese Bau-Strukturen sind nach den bereits bekannten Keramikfunden laut Nowak-Klimscha auf Anfang des 13. Jahrhunderts zu datieren.

„Einen Graben um die Burg hat es zu dieser Zeit wohl nicht gegeben“, mutmaßen Gärtner und Wedekind. Den Grund dafür sehen die Verantwortlichen in der Lage: Die Burg war durch die sumpfige Wölpe-Niederung von Natur aus geschützt.

Weiterhin haben die Grabungen gezeigt, dass im Spätmittelalter die Mauer abgerissen wurde und auch die Holzpalisade verschwand. In der frühen Neuzeit wurden weitere Erdmassen aufgeschüttet und der Hügel erweitert. Die jüngsten Ablagerungen sind mit dem Abriss der Amtsgebäude nach 1876 in Verbindung zu bringen.

Am Rand des Hügelplateaus wurden Reste einer Bebauung des ausgehenden Mittelalters oder der frühen Neuzeit aufgedeckt. Ein Ziegelsteinpflaster bildet die Fußbodenbefestigung eines Gebäudes, das eine Fachwerkwand besaß. „Zu einem noch nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt kam es zu einem Brand, bei dem die Fachwerkwand nach außen wegkippte“, berichtet Kristina Nowak-Klimsach und liefert die Begründung für diese Annahme: „Reste des Fachwerklehms sind als orangerote Verfärbungen klar zu erkennen. Teile des hölzernen Fachwerks sind verkohlt.“

Bezüglich des Alters der Burg geben die Schriftquellen erste wichtige Hinweise, informiert das Grabungsteam. Im Jahr 1150 wurde die Wölper Burganlage erstmals erwähnt. Der Bischof von Minden hielt sich seinerzeit dort auf, weshalb sie als „Burg der Mindener Kirche“ bezeichnet wurde. Auch wenn das Obereigentum beim Bischof lag, wurde die Anlage als Wohnsitz für die Wölper Grafen so bedeutend, dass sie sich nach ihr benannten. 1302 kauften dann Mitglieder des Welfen-Fürstengeschlechts die Burg sowie die Grafschaft Wölpe.

Der Vergleich der archäologischen Befunde und der Schriftquellen macht für die Experten klar: Der älteste Teil der Burg ist noch nicht gefunden. Die Ausgrabungen werden also weitergehen. Finanzielle Förderung und Unterstützung erhält das Projekt-Team bei seiner Kampagne vom Landschaftsverband Weser-Hunte, der Calenberg-Grubenhagensche Landschaft, Wirker-Stiftung, Küchenfachmarkt Meyer und Zander, Lachnitt, dem Deutschen Roten Kreuz Nienburg, der Mittelweser-Touristik, Fundus, Avacon, Landschlachterei Twachtmann, Frischehof Krumwiede, der Freiwilligen Feuerwehr Erichshagen-Wölpe sowie dem Ortsrat von Erichshagen-Wölpe.

abo

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