Archäologen suchen ein Grab, eine Burg und eine Siedlung im Kreis Nienburg

Akademiker machen sich die Hände schmutzig

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Ein Steingrab ähnlich dem in Stöckse (Foto) vermuten Archäologen im Grinderwald.

Nienburg - Von Ove Bornholt. Im Landkreis Nienburg wühlen dieses Jahr Studenten von drei Unis an drei Orten in der Erde. Sie suchen nach einem Grab, einer Burg und einer frühmittelalterlichen Siedlung. Dass sie etwas finden werden, ist für den Kommunal-Archäologen Dr. Jens Berthold klar, der gestern die Grabungen vorgestellt hat.

Pressegespräch im Kreishaus Nienburg: Landrat Detlev Kohlmeier verliert ein paar einleitende Worte, lobt Berthold („Energischer Mann an der Spitze“) und dann ist es soweit: Berthold, ungefähr 1,80 Meter groß, Bart, schwarzes T-Shirt und schwarze Jeans, nimmt die Hände unter dem Tisch hervor, rückt die Brille zurecht und legt los. Voller Begeisterung berichtet der 46-Jährige über die archäologischen Projekte im Landkreis Nienburg.

Und damit hat er eine Weile zu tun, denn mit „seit 2010 jedes Jahr drei, vier Uni-Projekten hat der Landkreis eine Art Alleinstellungsmerkmal in Deutschland, würde ich fast behaupten“, sagt Berthold und erläutert, dass er ja nicht jeden Landkreis kennt, das Alleinstellungsmerkmal also nicht mit Sicherheit bestätigen kann.

Was er allerdings bestätigen kann, ist dass seit gestern Studenten der Uni Hamburg im Grinderwald an der B6 bei Borstel und Linsburg graben. Und zwar nach Gräbern. „Es sieht schon sehr, sehr verdächtig nach einem Megalithgrab aus“, sagt Berthold. Fünf, sechs riesengroße Findlinge lägen dort mitten im Wald. „Das kann eigentlich kein Zufall sein“, so Berthold.

Sollte es ein vorgeschichtliches Steingrab sein, wäre es erst das zweite im Landkreis. Reste des ersten befinden sich in der Nähe des Giebichensteins in Stöckse. Der Landkreis liegt auf der Ausbreitungsgrenze dieser Gräber-Art, erklärt der Archäologe, die sich über Norddeutschland erstrecken.

Bauern hätten derartige Gräber im vierten Jahrtausend vor Christus als Zeichen ihrer Sesshaftigkeit gebaut. Nach dem Motto: „Unser Land, unsere Ahnen.“

So begeistert Berthold über die für vier Wochen angesetzte Grabung ist, was die Ergebnisse angeht, übt er sich in Tiefstapelei. „Es kann sein, dass die Anlage sehr stark gestört ist, der wissenschaftliche Wert könnte gering sein.“

Ganz anders sieht es bei der in vier Wochen startenden Grabung von Studenten der Uni Regensburg nach der Burg Wölpe in Erichshagen-Wölpe aus. Hier machen sich künftige Akademiker schon seit vier Jahren die Finger schmutzig. Bisher haben die Archäologen einen Querschnitt des Hügels erstellt, nun soll deutlich werden, wie weit die vermutete Burg (womöglich stand dort auch nur ein Turm) in die Fläche geht.

Dieses Jahr markiert jedoch das Ende der Grabung. Und dazu soll es einen Paukenschlag geben, kündigt Berthold an: Am 16. September (10 bis 17.30 Uhr) versammelt sich eine Reihe von Historikern im Museum Nienburg und hält unter anderem Vorträge über das Schloss Hoya, dem Burgenbau im Elbe-Weser-Dreieck und der Burgenforschung in den Landkreisen Nienburg und Schaumburg.

Die dritte Grabung ist bereits auf den letzten Metern. Studenten der Uni Göttingen holen Perlen, Keramikscherben und Eisenschlacke einer frühmittelalterlichen Siedlung zwischen Liebenau und Steyerberg ans Licht des Tages. Hier hatte die Öffentlichkeit bereits die Gelegenheit, die Grabung zu besichtigen.

Auch für die beiden Projekte im Grinderwald und bei der Burg Wölpe soll es „Tage der öffentlichen Grabung“ geben, deren Termine vom Landkreis noch bekannt gegeben werden.

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