Gericht geht bei Brandstifter von Suizid aus

Angeklagter wollte sich umbringen

Verden/Liebenau - Von Wiebke Bruns. Stark betrunken war der Angeklagte als er im November 2013 seine gemietete Wohnung in Liebenau in Brand setzte. Nicht auszuschließen war, dass er in Suizidabsicht handelte.

Weil er jedoch in einem Mehrfamilienhaus lebte, brachte er auch andere Menschen in Gefahr. Auf seine Rettung folgte später eine Verurteilung. Einsicht zeigte der 62-Jährige erst am Montag am Landgericht Verden, wo der Fall in einem Berufungsverfahren neu aufgerollt wurde.

Angefochten wurde von dem Angeklagten ein Urteil des Amtsgerichts Nienburg vom 21. April 2015. Das Schöffengericht hatte den 62-Jährigen wegen schwerer Brandstiftung zu einer 18-monatigen Bewährungsstrafe verurteilt. Zu Unrecht fanden der Verteidiger und der Angeklagte. Es seien keine wesentliche Teile des Gebäudes in Mitleidenschaft gezogen worden und Ursache der von der Polizei festgestellten drei Brandherde könne auch sein, dass der Angeklagte bei seinem Löschversuch eines Brandes in der Küche die Glut mit seinen Schuhen in der Wohnung verteilt habe. Der Verteidiger meinte, ein Gutachten zur Brandursache sei erforderlich. Dies hatte bereits das Amtsgericht abgelehnt und auch Michaela Brunssen, Vorsitzende Richterin der 5. Kleinen Strafkammer des Landgerichts Verden, sah dafür keine Notwendigkeit. Der Verteidiger ließ erkennen, dass er andernfalls die Berufung gar nicht durchgeführt hätte, denn wenn sich alles so bestätigen sollte, wie vom Amtsgericht festgestellt, sei sein Mandant mit dem Urteil noch gut weggekommen.

„Wenn es sich nicht verschlechtern soll, gibt es nur eine Möglichkeit“, merkte die Vorsitzende an und signalisierte die Möglichkeit der Berufungsrücknahme. Denn die Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus sei nicht fernliegend, so Brunssen. Jedoch sah ein psychiatrischer Sachverständiger die Voraussetzungen dafür als nicht erfüllt an.

In dem Urteil des Amtsgerichts fand ein früherer Vorfall Erwähnung, bei dem der scheinbar sehr einsame Mann mit einer Schreckschusswaffe hantiert hatte. Die alarmierte Polizeibeamten soll er aufgefordert haben, ihn zu erschießen. Bei dem aktuellen Fall ging man davon aus, dass er in Suizidabsicht den Brand gelegt hatte, um sich durch Einatmen von Rauchgas das Leben zu nehmen. Dabei soll er 1,73 Promille gehabt haben. Oberstaatsanwalt Thomas Löding machte deutlich, dass es sich bei Brandstiftung um eine gemeingefährliche Straftat handelt. Zwar konnte die Feuerwehr einen größeren Brand verhindern, aber die Schäden an der Wohnung durch die Rauch- und Hitzeentwicklung waren nicht unerheblich. Menschen kamen Dank des schnellen Löscheinsatzes nicht zu schaden.

Nach der Anhörung von insgesamt drei Zeugen, den deutlichen Worten der Vorsitzenden und des Oberstaatsanwaltes zeigte der Angeklagte insoweit Einsicht, dass er seine Berufung zurückgenommen hat.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Rubriklistenbild: © dpa

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