Geladene Notärztin erscheint nicht

Prozess um totgeschütteltes Baby: Angeklagte war womöglich sozial isoliert

Nienburg - Von Wiebke Bruns. Nach knapp dreiwöchiger Pause ist gestern am Landgericht Verden der Totschlagsprozess gegen eine 25 Jahre alte Angeklagte aus der Gemeinde Raddestorf fortgesetzt worden. Sie soll am 5. Oktober 2018 ihren knapp vier Monate alten Sohn geschüttelt und ihm damit tödliche Verletzungen zugefügt haben.

Außerhalb der Hauptverhandlung wurden zwei Befangenheitsanträge der Verteidigung zurückgewiesen. Diese richteten sich gegen die gesamte 1. Große Strafkammer und zusätzlich separat gegen einen beisitzenden Richter. Dieser war bereits kurz nach dem Tod des Babys als zuständiger Richter am Amtsgericht Verden mit dem Fall befasst und hatte unter anderem über den Erlass des Haftbefehls zu entscheiden. Seitdem sitzt die gelernte Altenpflegerin in Untersuchungshaft.

Vorher lebte die Frau laut zwei Polizeibeamten zusammen mit ihrem Ehemann und zwei gemeinsamen Söhnen in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Laut Anklageschrift soll die 25-Jährige dort in den Mittagsstunden des 5. Oktobers ihr Baby so kräftig geschüttelt haben, dass der Kopf vor- und zurückgeschleudert sei.

Nach einem Notruf des Kindsvaters war der Junge in eine Mindener Klinik eingeliefert worden. Dort war der Hirntod festgestellt und abends um 21.25 Uhr die Beatmung abgestellt worden. Gegen fünf Uhr am Folgetag führte die Polizei in der Wohnung eine „objektive Befundaufnahme“ durch. Die Polizisten beschrieben gestern als Zeugen die Wohnung als sauber und relativ ordentlich, aber recht spärlich eingerichtet. Es habe zwei Kinderzimmer gegeben, eines habe noch nicht fertig und wie ein Abstellraum gewirkt. Aufgestapelte Autoreifen hätten dort gelegen. Auffällig sei im Badezimmer ein „beißender Geruch von Reinigungsmitteln“ gewesen.

Die eingesetzte Notärztin sollte gestern vom Gericht befragt werden. Doch wie schon bei einem ersten Termin wartete das Gericht vergebens auf die Zeugin. Die Ärztin bekam deshalb ein Ordnungsgeld von 300 Euro aufgebrummt.

Der Prozess soll am 29. April mit weiteren Zeugenbefragungen fortgesetzt werden. Es soll unter anderem um die Auswertung des Handys der Angeklagten gehen. Laut dem Vorsitzenden Richter Volker Stronczyk waren nur sieben Whatsapp-Kontakte vorhanden. „Ungewöhnlich wenig für eine solch junge Frau“, stellte er feste. „Das könnte für eine ziemliche Isolierung der Angeklagten sprechen.“

Es sind nie Familienangehörige oder Freunde im Gerichtssaal. Der Ehemann hat in dem Prozess die Aussage verweigert. In einer früheren Aussage soll er erklärt haben, dass er eine neue Partnerin habe, die unmittelbar nach der Festnahme seiner Frau bei ihm eingezogen sei.

Die Angeklagte schweigt zur Tat und macht auch keine Angaben zu ihrer Person. „Gewisse Dinge, die eventuell zu Gunsten der Angeklagten sprechen könnten, können wir nur berücksichtigen, wenn die Angeklagte etwas sagt“, gab der Vorsitzende zu bedenken.

Rubriklistenbild: © dpa

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