Das Ende einer zähen Debatte? Politik sprach sich für den Neubau und Umzug aus

Nun also wirklich: Bibliothek und Archiv sollen umziehen

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An Stelle dieses Gebäudes soll ein neues entstehen, das Archiv und Bibliothek beheimaten soll.

Nienburg - Von Nikias Schmidetzki. Aller letzter Einwände und Appelle zum Trotz sollen sowohl die Nienburger Bibliothek als auch das Stadt- und Kreisarchiv in einen Neubau an der Langen Straße umziehen. So entschied der Rat nach fast einstündiger Auseinandersetzung am Ende mit 23 zu zwölf Stimmen.

Das Gebäude dafür muss allerdings erst noch entstehen. Dafür soll die städtische Tochter GBN verantwortlich zeichnen, und selbst in den Fraktionen herrschte nicht immer Einigkeit bei dem Thema, mit dem sich die Politik nun schon seit knapp 15 Jahren beschäftigt. Dabei war durchaus Konsens, dass beide Einrichtungen in ihren derzeitigen Gebäuden so nicht bleiben können. Und auch die Grundidee, den lange leerstehenden Komplex Lange Straße 31 bis 33 auf diese Weise neu zu beleben, stand in keinster Weise zu Debatte. Allein das liebe Geld drückte einigen arg aufs Gemüt.

So war es Hans-Peter Rübenack (CDU), der als erstes das Wort ergriff, um gegen die Umsetzung in der geplanten Form zu mobilisieren: „Das Projekt über zehn Millionen Euro passt nicht in diese Zeit und ist auch nicht für diese Stadt passend.“ Vor allem das Archiv verteuere das Vorhaben. Er plädierte daher dazu, bloß die Bibliothek im Plan zu lassen. Zu unsicher sei die Haushaltssituation. Es werde sicher einen Nachtragshaushalt geben, meinte Rübenack. Wie der jedoch geschaffen werden solle, sei noch nicht bekannt. Das Thema Schule mit all seinen Änderungen berge zudem Kosten in unbekannter Höhe.

Andere Töne schlug Hedda Freese (Grüne) an. Ihre Fraktion unterstütze den Vorschlag mehrheitlich. Mehrheitlich, weil Heike Möhlmann explizit dagegen ist. Freese aber konnte keine bessere Variante finden. So seien zwei Bildungseinrichtungen an einem Ort zusammengefasst. „Das hat höchste Priorität“, meinte sie.

Heike Möhlmann hingegen fehle eine Lösung der Finanzierungs-Frage. Von einer Mogelpackung sprach sie gar angesichts einer Abschreibung von 90 Jahren. So lange soll der Bau in den Büchern auftauchen. Eine Tatsache, die Dr. Ralf Weghöft (CDU) als Taschenspielertrick bezeichnete. Nicht nur die anderen Fraktionen wollten Bildung, sehr wohl auch seine. Aber: „Wir rechnen es nicht schön“, erwiderte er. Zu den Kosten kämen ohnehin, so sagte es Dr. Weghöft voraus, weitere für Sanierungen hinzu.

Hier ist noch das Archiv untergebracht.

Was soll passieren? Da sowohl die alte Villa an der Verdener Landstraße, in der sich das Archiv befindet, als auch das Fachwerkgebäude auf dem Posthof mit der Bibliothek marode sind und Sanierungen ebenfalls große – jedoch bislang unklare – Kosten bedeuten würden, hatte sich die Politik in der Vergangenheit für eine gemeinsame Lösung ausgesprochen. Zudem stoßen beide Einrichtungen mit der Kapazität an ihre Grenzen. Allein im Posthof lagern aktuell etwa doppelt so viele Medien wie ursprünglich vorgesehen, trug Rolf Warnecke (SPD) vor. Nach langen Jahren der Überlegungen, des Diskutierens und des Vertagens schien eine Lösung gefunden zu sein. Die GBN sollte bauen. Die Stadt sollte mieten. Büros hatten bereits Pläne eingereicht, ein Sieger des Wettbewerbs war ausgemacht. Allen voran im Kulturausschuss war Erleichterung zu vernehmen, waren doch zwei Sorgenkinder zu gleich vom Tisch. Doch weit gefehlt: Nun gab es ein neues Sorgenkind namens Kosten. Weitere Fragen waren offen. Baut die GBN und die Stadt kauft? Soll die Stadt Mieterin sein? Kauft die Stadt das Gelände und lässt bauen? Bisherige Eigentümerin ist die GBN, die den Komplex vor einigen Jahren der Gagfah abgekauft hatte – schon damals mit der Absicht, das Gebäude von Grund auf zu erneuern. Und schließlich: Beteiligt sich der Landkreis an der Investition? Schließlich handelt es sich ja nicht nur um das Stadt- sondern eben auch um das Kreisarchiv. Zahlreiche Sitzungen folgten, obgleich es zwischenzeitlich schien, als seien die Planungen fast in trockenen Tüchern. So sicher hatten sich Planer schon präsentiert. Nun will die Stadt also kaufen, alles in allem für jene weit mehr als zehn Millionen Euro.

Froh, einen Schlussstrich unter dieses Kapitel ziehen zu können, waren die meisten Befürworter des Projektes. Rolf Warnecke, dienstältester Ratsherr, erinnerte sich zurück an die Sanierung des Posthofs vor 40 Jahren. Auch damals habe es Kritik gehagelt; am Ende waren alle froh über den Schritt. Bei einem solchen Großprojekt gelte es, abzuwägen, ob es finanziell tragbar ist, und welche Bedeutung es für die Stadt habe. Und die sei groß. An Alternativen fehle es, vor allem an möglichen Kosten. „Das ist eine Chance, einen Schandfleck zu beseitigen“, lautete sein Appell an die Politik der Stadt. Das hatte auch Warneckes Fraktionskollegin Anja Altmann im Sinn. Sie sieht in einer Umsetzung nicht nur eine Investition in die Bildung, sondern auch in die Attraktivität der Innenstadt.

Viktoria Kretschmer (Linke) erinnerte an die soziale Funktion einer Bücherei, die jedem Zugang zu Medien ermöglichen solle. Und besonders der Posthof sei aus Sicherheitsgründen zu schließen. Sie selbst sei wenigstens einmal in der Woche dort, gab sie an und wisse um den Zustand des historischen Gebäudes. Es brauche also dringend Ersatz: „Diese Stadt braucht etwas liebenswertes“, sagte sie.

Kritisch äußerte sich indes auch Jens Borcherding der neuen „Unabhängigen Liste Nienburg“ (ULN). Auch er meinte zwar, inhaltlich seien alle nicht weit von einander entfernt. Aufgrund der Wichtigkeit sollte der Rat aber nicht jetzt darüber entscheiden. Denn auch ihm machten die Kosten Probleme, zumal er dem Verkauf des alten Hauses am Posthof für eine „vergleichsweise geringe Summe“ sehr skeptisch gegenüber stand. Sehr deutlich wurde Heiner Werner (FDP). „Wer dem zustimmt, der kann nicht mit Geld umgehen“, haute er den politischen Gegner um die Ohren. Er schlug vor, oben kleine Wohnungen zu bauen. Auch so würde die Stadt belebt werden, zudem komme Geld rein.

Der Posthof ist stark sanierungsbedürftig.

Zwei Einrichtungen – beide dem Kulturbereich der Stadt zuzurechnen – in einem dann nagelneuen Gebäude sollen also die Attraktivität von Bücherei – die ja schon lange weit mehr als nur Bücher und andere gedruckte Medien hat – und von Archiv steigern. Sozialdemokratin Sabine Hartung sieht in dieser Kombination „eine riesen Chance“. Die Stadt, so meint sie, würde ja sogar Geld einsparen, wenn sich zwei Institutionen ein Gebäude teilten. Vieles könnten sie gemeinsam nutzen. Das sahen nicht alles so. Tatsächlich galt das aber das Kriterium für diese Doppelnutzung. Und wirklich haben beide ähnliche oder gar gleiche Funktionen und können sich ergänzen, arbeiten schon heute teilweise zusammen.

Aber es waren nicht nur Kultur und Bildung, die Politik und Verwaltung umtrieb. Auch die viel beschworene Steigerung der Attraktivität der Innenstadt sollte mit dem Großprojekt gefördert werden. Der Leerstand von Immobilien – speziell im südlichen Bereich der Fußgängerzone – bereitet nicht nur dem zuständigen Arbeitskreis Sorgen. Als zuständiger Dezernent für Finanzen gab so auch Erster Stadtrat Professor Dr. Bernd Rudolph an, das Projekt sei wunderschön und höchst wünschenswert. Aber: „Für eine freiwillige Leistung so viel Geld auszugeben, kommt mir vor, als stünden wir am Abgrund, aber morgen sind wir schon einen Schritt weiter.“

Ein Stück zur Chefsache gemacht zu haben, scheint Bürgermeister Henning Onkes (parteilos) das Doppel-Projekt Stadt-Bibliothek und Archiv. „Irgendwann müssen Entscheidungen her“, sagte der Chef der Verwaltung, selbst mit einem baufachlichen Hintergrund und einst Baudezernent. Die Stadt habe eine Verantwortung für ihre Liegenschaften. Und die GBN sei schließlich eine 100prozentige Tochter. Das Projekt werde sich für die Stadt auszahlen, meint er. Und viel bequemer gehe es gar nicht. So bringe die Stadt die Nutzer für das neue Gebäude doch direkt mit.

Die Verwaltung erhält nun, so heißt es im Beschluss, den Auftrag, die Verhandlungen mit der GBN bezüglich der Überlassung des Grundstückes mit der dort derzeit vorhandenen Bebauung mit dem Ziel, das Stadt- und Kreisarchiv und die Stadtbibliothek im umgebauten Gebäudekomplex unterzubringen, zielführend fortzuführen – und die notwendigen haushaltsrechtlichen Voraussetzungen herbeizuführen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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