Acht Aktivisten müssen sich für Aktion auf dem „Wiesenhof“-Gelände in Wietzen verantworten

Schlachthof-Gegner am Donnerstag vor Gericht

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Szenen von der „Wiesenhof“-Blockade am 12. Juli 2013: Aktivisten stören den Betriebsablauf, Polizisten schreiten ein.

Wietzen/Nienburg - Von Kurt Henschel. Der Vorwurf lautet Hausfriedensbruch. Dem sehen sich morgen vor dem Amtsgericht in Nienburg insgesamt acht Aktivisten ausgesetzt, die am 12. Juli vergangenen Jahres als Schlachthof-Gegner auf dem „Wiesenhof“-Gelände in Wietzen den Betriebsablauf gestört hatten.

Sie protestierten gegen eine geplante Erweiterung von 140.000 auf 250.000 geschlachtete Tiere pro Tag. Etwa sechs Stunden lang waren (wie seinerzeit ausführlich berichtet) Fleischtransporter daran gehindert worden, die Tiere auszuliefern und damit in den Verkauf zu bringen. Mehrere Aktivisten hatten mit Transparenten die Dächer der Transporter besetzt, andere saßen vor den Lastwagen, die so nicht losfahren konnten.

Örtliche und überörtliche Einheiten der Polizei waren damals in den Wietzer Ortsteil Holte geeilt, um das Verhalten der Schlachthof-Gegner zu beobachten und auch einzuschreiten. Das taten die Ordnungshüter, die einige der Blockierer – zum Teil in Handschellen – zur Feststellung der Personalien mit zur Wache nahmen.

Auf die morgigen Verhandlungen wegen des Vorwurfs des Hausfriedensbruchs haben die Schlachthof-Gegner in einer Pressemitteilung selbst hingewiesen. Sie erhoffen sich, wie es darin heißt, „viel Aufmerksamkeit“, weil ihrer Ansicht „erneut ein Agrarkonzern in Kooperation mit dem Staat gegen seine politischen Gegner vorgeht“.

„Interessant“, so namentlich nicht bekannte Initiatoren der sogenannten „Wietze/n-Kampagne“, könne der Prozess auch dadurch sein, dass möglicherweise auch ein vermeintlicher Spitzel des Landeskriminalamts (LKA), der sich unter die Aktivisten gemischt habe, als Zeuge erscheine.

Tierschützer protestieren vor Schlachthof in Wietzen

Tierschützer protestieren vor Schlachthof in Wietzen

Die Gegner der Schlachthof-Erweiterung erklären in ihrer jüngsten Pressemitteilung, in der sie auf den morgigen Prozess hinweisen, erneut die Absicht der Blockade-Aktion am 12. Juli vergangenen Jahres: „Die Aktion fand damals statt, um das alltägliche Töten zu stören und die Verwertungsmaschine ins Stocken zu bringen, die so viel Gewalt und Leid verursacht.“ Der Prozess, so heißt es aus Sicht der Aktivisten weiter, zeige auf, „mit welchen Mitteln die Interessen der Tierausbeutungsindustrie durch den Staat verteidigt“ würden.

Der vermeintliche LKA-Spitzel, der „den Widerstand in Niedersachsen gegen Schlachtfabriken ausgespäht“ habe, sei durch die morgen vor Gericht stehenden Aktivisten enttarnt und als Zeuge benannt worden. Eineinhalb Jahre lang, so die Schlachthof-Gegner, die sich auch Tierbefreiungs-Aktivisten nennen, habe der LKA-Mann gewirkt. Dieses Verfahren sei „Teil der Repression von Staat und Kapital gegen die Tierbefreiungsbewegung“. Deshalb wollten die Aktivisten „diesen politischen Prozess“ in ihre „gesellschaftspolitische Arbeit integrieren“. Abschließend erklären die Schlachthof-Gegner in ihrer Pressemitteilung zu den morgigen Gerichtsterminen: „Wir werden versuchen, vor Gericht die Möglichkeiten zu verteidigen, die Gesellschaft politisch mitzugestalten und die Schlachthofgesellschaft in eine friedliche und freie Gesellschaft umzuwandeln.“

In zwei Verhandlungen stehen morgen nach Informationen der „Wietze/nKampagne“ jeweils vier Aktivisten vor Gericht und müssen sich für ihre Blockade-Aktion am 12. Juli 2013 verantworten.

Eine Bestätigung der Verhandlungen gab es gestern weder vom Amtsgericht noch von „Wiesenhof“.

Wir berichteten im Sommer über den Fall:

Schlachtbetrieb-Gegner blockieren „Wiesenhof“

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