Abfallwirtschaftsbetrieb richtet neue Sammelstellen ein

Der Müll verschwindet in Nienburg unter der Erde

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Anwohner der Fichtestraße in Nienburg öffnen die Mülltonnen mit einem Chip. Der Abfall landet unter der Erde.

Nienburg - Von Vivian Krause. Vier Metallbehälter mit den Aufschriften „Restmüll“, „Altpapier“ und zweimal „Wertstoff“ reihen sich an der Fichtestraße in Nienburg hintereinander. Zwar handelt es sich bei den Behältern um Mülltonnen, aber mit ihren gewöhnlichen Kollegen haben sie wenig gemein. Sie sind nicht nur so groß wie Altglas-Container, sondern es sind auch sogenannte Unterflursysteme – sprich der Müll wird oberirdisch eingeworfen, aber in unterirdischen Behältern gesammelt. Durch das Projekt soll das Stadtbild verschönert werden.

Denn die oft nicht sonderlich schönen Mülltonnen verschwinden quasi unter der Erde. Dabei handelt es sich um ein Projekt der städtischen Gesellschaft für Bauen und Wohnen (GBN) und des Abfallwirtschaftbetriebs Nienburg (BAWN).

Drei der fest installierten Mülllsysteme sind schon in Betrieb, vier weitere sollen noch dieses Jahr folgen. Die Unterflursysteme befinden sich neben der Fichtestraße, an der Neißestraße sowie am Bärenfallgraben in Nienburg. Der BAWN hat gemeinsam mit der GBN vor etwa zwei Jahren das erste System an der Neißestraße in die Erde gesetzt. Die Anlagen können sich laut Arne Henrik Meyer, stellvertretender Leiter der BAWN, nur bei Häusern mit vielen Bewohnern rechnen.

Mindestens 140 Personen sollten an das System gekoppelt sein, erklärt Meyer. Der maximale Laufweg von einer Wohnung zur Müllanlage solle dabei 130 Meter nicht überschreiten, ergänzt der technische Leiter der GBN, Manfred Adam. Das System deckt also zwei Straßenzüge ab.

Ein Behälter unterhalb der Erde fasst zwischen vier und fünf Kubikmeter Müll, je nach Gewicht des Abfalls. So kann Wertstoff-Müll beispielsweise nicht das maximal zulässige Gewicht erreichen. Aber wenn zu viel Restmüll oder Altpapier im Behälter liegt, könnte allerdings der Kran des Abholfahrzeugs umkippen, erklärt Meyer.

Die neue Technik hat nicht nur äußerliche Vorteile. Das Abhol-Fahrzeug spart Wege und kann zwei Müll-Sorten auf einmal transportieren.

Auch die Unterflursysteme werden, ähnlich der Altglascontainer, von einem Kran an zwei „Ösen“ eingehakt, dann aus dem Betonboden gezogen und auf einem Lkw abgeladen, indem die am Boden befindliche Klappe geöffnet wird. Dies erfolgt alle sieben bis 14 Tage, so Meyer.

Die Unterflursysteme kosten etwa 18 000 Euro pro Jahr. Je nach Standort und zusätzlicher Baukosten fallen noch weitere Einmal-Ausgaben an, so Meyer. Im Preis inbegriffen sind neben den Anschaffungskosten auch die Wartung und die Pflege. Im Vergleich dazu kostet eine „normale“ Mülltonne zwischen 150 und 300 Euro pro Jahr.

Auf die Müllgebühren habe das System allerdings keine drastischen Auswirkungen. Diese würden ohnehin pro Quadratmeter abgerechnet werden, erklärt Katja Wesemann (GBN). Sie spricht von einem Unterschied von zwei bis vier Cent im Monat – nach oben oder unten.

Die Anwohner bekommen einen Chip. Mit diesem können sie die Tonnen öffnen und den Müll loswerden. Dieser Chip speichert keine Daten von den Mietern und kontrolliert auch nicht, wie häufig der Müll weggeschmissen wird, sondern dient lediglich der Freischaltung der Tonnen, versichert Arne Henrik Meyer. So können nicht irgendwelche Personen ihren Müll abladen.

Die Hausmeister, unter ihnen Heiko Schubert, händigen den Anwohnern den Chip aus und erklären oder zeigen ihnen auch bei Bedarf, wie er funktioniert. „Wenn man einmal weiß, wie es geht, ist es auch kein Problem mehr.“

Schubert sieht in dem System eine klare Verbesserung. Es würde gut angenommen und eine Verschönerung stelle es auch da. „Die ganzen Tonnen, die vorher herumstanden, das sah ja schrecklich aus“, stellt er fest.

Sogar die Kleinsten geben ihr bestes in Sachen Müllentsorgung. Manfred Adam erzählt, dass er dabei kürzlich einem Kind geholfen hat. „Die Klappe hat es aufbekommen, aber bei der Mülltrennung haperte es noch“, schmunzelt er.

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