Streit unter Cousins eskaliert 

21-Jähriger nach Messerangriff freigesprochen

Nienburg - Von Wiebke Bruns. Freigesprochen vom Vorwurf des versuchten Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung wurde am Donnerstag am Landgericht Verden ein 21 Jahre alter Angeklagter aus Nienburg. Er hatte im Dezember 2017 seinen Cousin mit mehreren Messerstichen verletzt. Verteidiger, Staatsanwalt Jürgen Pleuß und die Erste Große Strafkammer waren sich einig, dass zu Gunsten des Angeklagten von einer Notwehrhandlung auszugehen ist.

Vieles hatte sich relativiert in dem Prozess. Laut Anklageschrift sollte der 21-Jährige achtmal auf seinen Cousin eingestochen haben, der anschließend notoperiert werden musste. Die rechtsmedizinische Untersuchung konnte allerdings nur fünf Stich- oder Schnittverletzungen sicher feststellen. Diese seien alle oberflächlich gewesen, so die zuständige Medizinerin. Die übrigen Schnitte könnten im Rahmen der Operation entstanden sein, die jedoch vielmehr der Kontrolle auf schwerwiegende innere Verletzungen gedient haben soll – solche bestanden aber nicht.

Berücksichtigung fand zudem, dass sich das Opfer zusammen mit einem weiteren jungen Mann gegen den Willen des Angeklagten Zutritt zu dessen Wohnung verschafft hatte. Zu dritt hatten die Männer die Nacht zum 10. Dezember 2017 durchgezecht und -gefeiert und dabei auch Joints geraucht. Während der unbeteiligte Dritte auf der Toilette seinen Mageninhalt entleerte, waren die beiden Cousins in Streit geraten. Einmal konnte der Angeklagte die beiden der Wohnung verweisen, doch sie kehrten zurück.

„Sein Cousin sei ihm als gefährlich unter Alkoholeinfluss bekannt gewesen“, sagte Staatsanwalt Pleuß in seinem Plädoyer über den Angeklagten. In dem Prozess und bei einer psychiatrische Sachverständigen hatte sich der 21-Jährige schwergetan, dies näher zu erläutern. „Er hat sich sehr bemüht, nichts Negatives über seinen älteren Cousin zu sagen“, berichtete die Sachverständige. Besagter Cousin soll zu den Ultras aus Hannover gehören oder gehört haben.

Verteidiger: „Die Stiche waren gerechtfertigt“

Aus Angst vor dem, was passieren würde, will der Angeklagte dann zu den Messern gegriffen haben. „Das ist natürlich immer das letzte Mittel“, betonte der Staatsanwalt. Zu berücksichtigen sei, dass der nicht vorbestrafte 21-Jährige nicht wahllos auf den 22-Jährigen eingestochen hat. Alle Stiche seien von vorne geführt worden.

„Vom versuchten Tötungsdelikt ist nichts übrig geblieben“, betonte Verteidiger Olaf Pehl. Außerdem habe sich sein Mandant anschließend um den verletzten Cousin gekümmert. Ein Mitbewohner hatte von Schlägen des älteren gegen den jüngeren Cousin berichtet. „Die Stiche waren durch Notwehr gerechtfertigt“, stellte Pehl fest.

So sah es auch die Kammer: Freispruch auf ganzer Linie. Nur das einst fast brüderliche Verhältnis zwischen den Cousins ist seit jener Nacht zerbrochen.

Rubriklistenbild: © dpa

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