18-Jährige aus Nienburg triumphiert bei Geschichtswettbewerb

„Wilde Ehe“ bringt Schülerin Jasmin Hiller den Sieg

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Jasmin Hiller hat mir ihrer Geschichte „‚Wilde Ehen‘ im Kaiserreich“ beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten einen Landespreis gewonnen.

Nienburg - Von Vivian Krause. „So führte der interessante Fall des Verhältnisses zwischen Minna Dangers und Hermann Schröder in Nienburg um die Jahrhundertwende im deutschen Kaiserreich zu großem Aufsehen unter den Nachbarn. Höchstwahrscheinlich brachte dies die Menschen des Umfelds von Minna Dangers und Hermann Schröder dazu, diese als Außenseiter zu betrachten.“

Die von Jasmin Hiller beschriebene „Wilde Ehe“ im Kaiserreich hat die Schülerin auf 38 Seiten unter der Leitfrage „Was hat die Personen zu Außenseitern gemacht?“ untersucht. Die Geschichte hat einen mit 250 Euro dotierten Landespreis beim Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten abgestaubt.

„Anders sein – Außenseiter der Geschichte“ ist der Leitgedanke des aktuellen Geschichtswettbewerbs des Bundespräsidenten. In der Geschichte von der Schülerin Jasmin Hiller geht es nicht um das „Wer“, sondern darum, „was“ die Gesellschaft dazu gebracht hat, Leute als Außenseiter zu behandeln.

Im Seminarfach Geschichte am Marion-Dönhoff-Gymnasium machte der Lehrer Ralf Werner den Schülern den Vorschlag, an dem Wettbewerb teilzunehmen. Gesagt, getan. Jasmin Hiller hat die zwei vorgesehenen Wochenstunden des Seminarfachs für die Recherche und Ausarbeitung ihrer Geschichte genutzt. „Ich habe auf jeden Fall freie Zeit reingesteckt“, stellt Hiller rückblickend fest.

Der Reiz an diesem Projekt war vor allem die Recherche und das eigenständige Ausarbeiten des vergangenen Falles einer „wilden Ehe“. „Geschichtsunterricht besteht sonst eher nur aus Büchern“, schmunzelt die Schülerin. „So konnte ich eigenständig nachforschen“, begründet sie ihr Engagement für den Geschichtswettbewerb.

Der erste Anlaufpunkt war das Nienburger Stadtarchiv. Aus den vorgeschlagenen Fällen suchte Jasmin Hiller ihren Erstwunsch heraus. Trotz tiefgehender Recherche war die Ausarbeitung jedoch nicht möglich, da über den Fall schlichtweg zu wenige Informationen vorlagen. So kam das Thema „‚Wilde Ehen‘ im Kaiserreich“ zustande.

Durch eine Anzeige von Sophie Schröder (der Frau von Hermann Schröder) rückte das Verhältnis zwischen ihm und Minna Dangers überhaupt erst in den Mittelpunkt. Zuvor hatten sich die Nachbarn nicht daran gestört. Nach einer Verhandlung mit Zeugenanhörungen wurde letztlich vom Bezirksausschuss Hannover eine polizeiliche Verfügung festgesetzt, die besagte, dass sich die zwei nicht mehr sehen dürfen. Außerdem wurde eine Strafe von 1 000 Mark verhängt.

Zwei Monate recherchierte Jasmin Hiller. Sie las die Akte, kopierte Seiten und entzifferte Teile in Sütterlinschrift. Im Februar schrieb sie schließlich in drei Wochen ihre Geschichte. Recht knapp, denn bereits am 28. Februar war die Abgabefrist. „Ich war spät dran, aber es hat geklappt“, so die Schülerin.

Ausarbeitung zählt für das Abitur

Für die 18-Jährige erleichtert die Ausarbeitung den bevorstehenden Abi-Stress ein wenig, denn die Geschichte wird ihr als sogenanntes viertes Prüfungsfach als schriftlicher Teil anerkannt. „Ich muss diese wohl in 20 Minuten vorstellen und verteidigen“, so Hiller. Damit hat der Wettbewerb noch eine weitere positive Seite.

Mitte Juni war ihre Mutter ganz aufgeregt und hielt einen Brief in der Hand, erzählt Jasmin Hiller lächelnd. „Dann habe ich den Briefkopf gesehen und darunter stand ‚Herzlichen Glückwunsch‘“, strahlt sie. Grund genug dafür gibt es, denn die Schülerin hat sich unter 5 000 Teilnehmern in ganz Deutschland durchgesetzt und ist eine von insgesamt 250 Landessiegern.

Der Familie scheint der Erfolg in den Schoß gelegt worden zu sein, denn bereits 2011 hat Jasmin Hillers ältere Schwester ebenfalls den Geschichtswettbewerb gewonnen. Das Oberthema damals war „Ärgernis, Aufsehen, Empörung: Skandale in der Geschichte“.

Hintergrund des Wettbewerbes ist, dass sich Jugendliche mit einer Geschichte auseinandersetzen, die sich vor der eigenen Haustür ereignet hat. Ausrichter sind das Bundespräsidialamt und die Körber-Stiftung, die 550 Geldpreise auf Bundes- und Landesebene vergeben.

Voraussetzung für die Teilnahme: Der Autor muss unter 21 Jahre sein. Zwischen September und Februar bleibt den Bewerbern Zeit, eine Geschichte zu einem Thema mit lokalem Bezug zu ihrem Wohn- oder Schulort anzufertigen. Anschließend sind die Arbeiten der Schüler online in einem Archiv gespeichert und abrufbar.

Beim Thema „Außenseiter“ liegt die Frage nahe, ob sie sich auch selbst für Integration und Schwächere engagiert? Ja, denn sie war nicht nur Mitglied in der DLRG (Deutschen Lebensrettungs-Gesellschaft), sondern hat auch während ihres einjährigen Chile-Aufenthalts ehrenamtlich in einem Kinderheim gearbeitet. „Es gibt immer wieder Außenseiter“, sagt Hiller abschließend. „Aber in diesem Fall wurden die zwei vom Staat zum Außenseiter gemacht.“

Morgen werden im Landtag in Hannover die Landessieger von Landtagspräsidenten Bernd Busemann und Anja Paehlke, Vorstandsmitglied der Körber-Stiftung, ausgezeichnet. Dafür ist Jasmin Hiller vom Unterricht freigestellt. „Mich interessiert vor allem, welche anderen Themen noch gewonnen haben“, sagt Hiller mit Blick auf den morgigen Tag in der Landeshauptstadt.

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