Dreieinhalb Jahre Haft für 30-Jährigen

Nienburg: Vatertagstour endet mit Stichwunde

Nienburg - Von Andreas Wetzel. Ein böses Ende nahm die Vatertagstour im Jahr 2015 für einen 55 Jahr alten Nienburger, der sich an der Jahnstraße in einem Lokal aufgehalten hatte. Um kurz nach Mitternacht hatte der spätere Angeklagte, ein 30 Jahre alter Nienburger, das Lokal betreten. Selbiger ist nun vom Nienburger Amtsgericht zu dreieinhalb Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er dem 55-Jährigen in der Tatnacht mit einer Scherbe eine tiefe Schnittwunde zugefügt hatte.

Vor Gericht ließ die Staatsanwaltschaft den Tathergang noch einmal Revue passieren. Zunächst hatte sich der 30 Jahre alte Angeklagte im Bereich des Tresens aufgehalten. Dabei versuchte er, mit anderen Gästen ins Gespräch zu kommen. Unter anderem sprach er eine Frau an und begann, seine Hand um ihre Taille zu legen. Das jedoch gefiel ihrem Lebensgefährten nicht. Darauf machte er den 30-Jährigen auch „unmissverständlich“ aufmerksam.

Der Wirt des Lokals bat daraufhin den 30-Jährigen, auf der anderen Seite des Tresens Platz zu nehmen. Dort sagte er zu einem Kumpel: „Vatter, heute Abend gibt es hier noch Ärger!“ Auf der anderen Seite des Tresens gab es zunächst eine weitere Unterhaltung, die, wie alle Zeugen bekundeten, in einer aggressiven Grundstimmung endete. 

Nienburger tritt Opfer 

Letztlich forderte der Wirt den auf Krawall gebürsteten 30-Jährigen auf, das Lokal zu verlassen. Um die Tür hinter ihm zu schließen, musste der 55-jährige sich bücken und einen Türstopper lösen. Die Gelegenheit nutzte der Angeklagte und trat dem 55-Jährigen in die Rippen sowie gegen den Kopf. Als sich der 55-Jährige aufrichtete, spuckte ihm der Angeklagte ins Gesicht und flüchtete in Richtung Bisquitstraße. 

Der Geschädigte nahm die Verfolgung auf. Als er den Einmündungsbereich der Straße erreicht hatte, sprang der Angeklagte plötzlich aus einem Geschäftseingang auf den 55-Jährigen zu und fügte ihm mit einem scharfen Gegenstand eine etwa sieben Zentimeter lange Schnittwunde am Hals zu. Das Opfer fing stark an zu bluten, weil der Angeklagte eine Arterie getroffen hatte.

Keine Bewährung

Nach dieser Aktion flüchtete der 30-Jährige in Richtung Stahn-Wall. Da der Geschädigte mittlerweile mit seiner Verletzung zu kämpfen hatte, verfolgte er den Angeklagten nicht weiter. Vielmehr blutete er sehr stark, sein Hemd war binnen kürzester Zeit rot durchtränkt. Er ging in seine in der Nähe befindliche Wohnung und stoppte die Blutung. Er wartete draußen auf einen Krankenwagen.

In der Zwischenzeit hatten sich einige Gäste Sorgen gemacht und waren dem 55-Jährigen gefolgt. Sie fanden ihn schließlich vor seiner Haustür. Eine Zeugin gab bei der Vernehmung an, dass sie den Eindruck gehabt habe, der 55-Jährige habe „unter einer Blutdusche“ gestanden“.

Haftstrafe höher als gefordert

In der Gerichtsverhandlung vor dem Schöffengericht wurden diverse Zeugen vernommen, die alle eine übereinstimmende Schilderung des Geschehensablaufs in der Gaststätte gaben.

Eine wichtige Rolle spielte die Frage, wie stark der Angeklagte alkoholisiert war. Dazu wurde übereinstimmend angegeben, dass er unter Alkoholeinfluss stand, aber letztendlich noch Herr seiner Sinne war. Der 30-Jährige war noch in der Nacht von der Polizei aufgegriffen worden. Eine Blutprobe hatte ergeben, dass der Mann einen Blutalkoholwert von 1,93 Promille hatte. 

2,7 Promille zum Tatzeitpunkt 

Ein Gutachter rechnete zurück, dass der 30-Jährige zur Tatzeit 2,7 Promille gehabt haben müsste. Weiter spielte eine Rolle – so der Gutachter –, dass der Angeklagte Alkohol gewohnt gewesen sei. Durch die Schilderung der Zeugen sei nicht davon auszugehen, dass er gänzlich die Orientierung verloren habe.

Eine Rechtsmedizinerin wurde zu den Verletzungen am Hals befragt. Sie gab an, dass diese Verletzung auch den Tod des 55-Jährigen hätte bedeuten können, wenn nicht sachgerecht Erste Hilfe geleistet worden wäre.

Der Staatsanwalt beantragte für die erste Tat an der Tür – Treten und Spucken – eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu acht Euro und für die zweite Tat, den Schnitt am Hals, eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten, die zu einer Gesamtstrafe von einem Jahr und elf Monaten zusammengezogen werden sollten. Die Verteidigung hingegen argumentierte, dass von einer erheblichen Schuldverminderung auszugehen sei. Eine Geldstrafe sei ausreichend. 

Schnitt geht knapp an Tötungsdelikt vorbei 

Auch bei mildernden Umständen war das Gericht davon ausgegangen, dass der Schnitt in den Hals knapp an einem Tötungsdeliktdelikt vorbeigegangen ist. Das Schöffengericht wertete zugunsten des Angeklagten, dass das Verfahren so lange gedauert hat und er zum Tatzeitpunkt unter Alkoholeinfluss stand, was seine Handlungsfähigkeit beeinträchtigt haben könnte.

Das Gericht verurteilte den Angeklagten schließlich zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten, die nicht zur Bewährung ausgesetzt werden konnten. Mit der Begründung, dass der Angeklagte trotz starker Alkoholisierung zielgerichtet gehandelt habe und allein die Gefährdung des Lebens des 55-Jährigen ausreichend sei, diese Strafe zu verhängen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Rubriklistenbild: © dpa (Symbolbild)

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