„Nettigkeit wieder ins Gedächtnis rücken“

Chancengebertag des CJDs war erfolgreich

+
Einige Mitarbeiter des CJDs fuhren am Mittwoch im Stadtbus mit und halfen den Menschen.

Nienburg - Von Max Brinkmann. Ute Merx wünscht einer älteren Dame beim Aussteigen aus dem Bus „noch einen schönen Tag“. Als Reaktion darauf fängt die verwunderte Frau an zu Lachen. Soviel Nettigkeit und Hilfe von fremden Personen hat sie wohl schon lange nicht mehr erlebt.

„Sowas sollte eigentlich normal sein“, sagt Sven Kühtz, Leiter des Jugendmigrationsdienst (JMD) beim Christlichen Jugenddorfwerk (CJD). „Durch diesen Tag wollen wir das den Menschen wieder ins Gedächtnis rücken“. Die Rede ist vom Chancengebertag des CJD. Ein Tag, der innerhalb des JMDs fest verankert ist und den das CJD ins Leben gerufen hat, um Menschen zu helfen – mittlerweile seit acht Jahren.

Und so gab es auch am Mittwoch wieder verschiedene Gruppen die in Nienburg unterwegs waren. Auch regionale Firmen waren mit dabei. Die Spedition Göllner aus Nienburg beispielsweise, half mit einigen Jugendlichen des CJDs im Tierheim Drakenburg mit. Die Gruppe rund um Daniel Lübbering vom Landkreis war in der Kita Spatzennest in Liebenau tätig. Wieder andere liefen durch die Stadt, verteilten Schokolade und sammelten Spenden für Tierheime.

Viele verschiedene Projekte

Die Teilnehmer aus den Ausbildungsstätten Rahn teilten sich auf das Naturfreundehaus, das Sprotte und die Tagespflege Lichtblick auf. Die Mitarbeiter des CJDs waren ebenso tatkräftig dabei: Die Tischler arbeiteten in der Kinderwildnis vom BUND an einem Bauwagen, die Gärtner machten dort den Garten winterfest und die Maler strichen in der Kita Drachenburg in Drakenburg.

Auch außerhalb von Nienburg wurde fleißig geholfen: Die CJD Tagesgruppe in Hoya räumte das Bücker Bürgerholz auf und die Stolzenauer Tagesgruppe half auf dem Esel- und Ziegenhof Bult. Neben diesen geplanten Projekten gab es am Mittwoch auch eine Hotline, bei der Leute anrufen konnten, die spontan Hilfe – zum Beispiel bei der Gartenarbeit – brauchten.

Die Meisten sind verwundert

Ute Merx hilft einer älteren Frau beim Aussteigen.

Ute Merx aus der Perfakt Maßnahme hatte am Chancengebertag gemeinsam mit Heike Schepp, Projektleiterin des BAMF-Projekt Will-iN, sowie Hardam, Faiz und Zeri, die beim CJD normalerweise im Garten arbeiten, die Aufgabe im Nienburger Stadtbus mitzufahren. Das Ziel: älteren Personen beim Ein- und Aussteigen behilflich sein, Kindern mit Süßigkeiten und Ballons den Tag versüßen sowie das Gespräch mit Menschen suchen, die alleine Bus fahren. „Die Schwierigkeit ist, dabei nicht zu aufdringlich zu sein“, sagt Merx. In der Theorie sieht es ganz einfach aus: Jeder lässt sich gern bei schwierigen Dingen helfen, lässt sich aufmuntern und isst gern Süßigkeiten. In der Praxis ist es dann aber doch anders als gedacht. Was die Helfer am meisten als Reaktion bekommen ist kein „Danke“ oder „Das ist ja nett“, sondern Verwunderung. Wenn Faiz einer älteren Person dabei unterstützen will, den Rollator in den Bus zu heben, wird sich selten bedankt. „Ich schaffe das schon alleine“, heißt es oft. Auch die Gutscheine, mit denen man anderen seine Hilfe anbieten kann, werden nicht gut angenommen.

Insgeheim freuen sie sich

Einige lehnen sogar die Süßigkeiten ab, die ihnen angeboten werden. Vermutlich weil sie zu perplex sind. „Vielleicht ist es auch die falsche Zeit“, gibt Merx zu. Kurz vor dem Mittag sind die meisten wohl auf dem Wochenmarkt und nur wenige fahren zurück. Etwas früher hätte man wahrscheinlich mehreren Menschen eine Freude machen können.

Gegen Mittag kamen dann alle Teilnehmer zu einem gemeinsamen Essen zusammen. Bevor es wieder an die Aufgaben ging, wurde sich noch über die Erfahrungen ausgetauscht. Alle sind sich einig: „Selbst wenn man es ihnen nicht direkt ansieht, freuen die Personen sich wahrscheinlich doch über kleine Aufmerksamkeiten.“

Ein positiver Tag 

Auch wenn das Busprojekt zumindest anfangs nicht so richtig ins rollen kommen wollte – am Ende des Tages konnte Sven Kühtz ein positives Fazit ziehen: „Das wieder so viele helfende Hände zusammengekommen sind, ist einfach unglaublich und ohne die zahlreichen Partner wäre der Chancengebertag nicht das, was er mittlerweile ist – ein Tag der unbezahlbaren Augenblicke. Denn neuste Studien belegen, dass Lebenserfahrungen wie Weltoffenheit, Solidarität und Selbstwirksamkeit auf den Menschen zurück strahlen und sich so positiv auf dessen Selbstachtung, Selbstwert und persönliches Engagement auswirken, nicht zuletzt auch bezogen auf das eigene Lernverhalten.“

Vielleicht hat die verwundert lachende Frau im Laufe des Tages nochmal über die Situation nachgedacht, sich gefreut und war im Anschluss ähnlich nett. „Durch den Chancengebertag können wir die Menschen auf solche Dinge, die früher selbstverständlich waren, aufmerksam machen“, ist sich Sven Kühtz sicher.

Reaktionen auf den Chancengebertag

Heike Schepp (CJD, Projektleiterin des BAMF-Projekt Will-iN): „Ich mag die Idee, sich gegenseitig wieder mehr zuzuhören, anderen mehr Aufmerksamkeit zu schenken und wertschätzend miteinander umzugehen.“ 

Christopher Michaelis (Firma Comp Pro) wunderte sich: „Ich hätte nicht gedacht, dass so viele externe Menschen mitmachen.“ 

Felix Janzen (Firma Comp Pro): „Der Chancengebertag ist eine super Idee, warum sollten wir alle nicht etwas weitergeben?“ 

Fabian Sasse (Spedition Göllner) fasste zusammen: „Es ist wichtig, gegenseitig wieder aufeinander zu achten, das haben wir bei dem Chancengebertag gemacht, eine voll schöne Idee und wichtig dazu.“ 

Aenne Heinzelmann (Azubi bei dem Landkreis Nienburg): „Sich gegenseitig helfen, das passiert leider immer noch viel zu wenig.“

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Das könnte Sie auch interessieren

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Israels Armee riegelt Gazastreifen nach Raketenangriffen ab

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Tödlicher Unfall zwischen Clues und Heiligenfelde

Altpapiercontainer gerät in Brand

Altpapiercontainer gerät in Brand

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

„Helene Fischer Show“ 2017: Alle Infos zu Gästen, Sendetermin und Live-Stream

Meistgelesene Artikel

Nikolaus-Baby hatte lange Anreise 

Nikolaus-Baby hatte lange Anreise 

Neue Busfahrpläne im Landkreis Nienburg

Neue Busfahrpläne im Landkreis Nienburg

Vandalismus auf Golfplatz in Rehburg

Vandalismus auf Golfplatz in Rehburg

Stadtrat Hoya: B-Pläne mehrheitlich beschlossen

Stadtrat Hoya: B-Pläne mehrheitlich beschlossen

Kommentare