Landkreis Nienburg will eine Krebscluster-Untersuchung für die Samtgemeinde Steimbke beantragen / Zusammenhang mit Erdgasförderung?

Häufung von Leukämiefällen in Rodewald

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Knochenmarkproben: Für Leukämiekranke ist das Finden der passenden Stammzellen die einzige Heilungschance.

Nienburg/Rodewald. Gibt es einen Zusammenhang zwischen Erdgas- oder Erdölförderung und höheren Krebsraten? In Rodewald könnte genau das der Fall sein.

Diese Frage beschäftigt den Landkreis Rotenburg seit Bekanntwerden der ersten Zahlen vor einem Jahr in der Samtgemeinde Bothel. Nun gibt es nach NDR-Angaben ähnliche Vermutungen im Landkreis Nienburg. In Rodewald sind demnach auffällig viele Menschen an Leukämie erkrankt - in der Nähe einer mit Benzol verseuchten Betriebsanlage.

In Bothel und Rotenburg sind vor allem ältere Männer öfter als normal von Leukämie- und Lymphomerkrankungen betroffen. Ein Zusammenhang mit der Erdgasförderung wird immer wieder angeführt, doch nachgewiesen ist nichts. Die Zahlen aus dem Landkreis Nienburg, über die der NDR in der Sendung "Markt" berichtet, könnten die Vermutung untermauern. Denn es gibt eine neue "Qualität" des Zusammenhangs: Noch mehr als in Rotenburg und Bothel drängt sich in Rodewald der Verdacht auf, dass die Förderung die Krankheiten ausgelöst haben könnte - es gibt laut NDR nicht nur eine auffällige Häufung von Leukämien sondern auch erhöhte Benzol-Messwerte. Der Anteil des krebserregenden Stoffes in der Luft sei vom TÜV nahe eines Erdöl-Betriebsplatzes des "ExxonMobil"-Vorgängers BEB Erdgas und Erdöl im Jahr 1988 als hundertfach über den Grenzwerten klassifiziert worden. Auch die Werte für Benzol im Boden und Grundwasser an der Betriebsstelle, die seit 2014 saniert wird, sind laut NDR "teilweise stark erhöht".

Mindestens fünf Menschen unter 40ß Jahren sind nach NDR-Recherchen in Rodewald innerhalb von zehn Jahren an Leukämie erkrankt. Statistisch erwartbar wäre in diesem Zeitraum maximal eine Neuerkrankung gewesen. Das bestätigte ein Statistiker des Landesgesundheitsamtes: "Es handelt sich hier um eine auffällige Erhöhung, der man nachgehen müsste."

Viele der an Leukämie erkrankten Dorfbewohner leben oder lebten laut NDR in der Nähe des ehemaligen Betriebsplatzes. Auf dem Platz sei das gesammelte Öl gereinigt und wieder abtransportiert worden. Über ein Ausblasrohr sei im Öl enthaltenes Gas in die Umgebung abgegeben worden.

Der Landkreis Nienburg will aufgrund der NDR-Recherche beim Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen (EKN) eine Krebscluster-Untersuchung für die Samtgemeinde Steimbke zu der Rodewald gehört, beantragen. Der Landkreis, so berichtet Landkreissprecher Torsten Rötschke, schließt sich damit der Einschätzung des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) an, das im Hinblick auf die vom NDR dargestellten Erkrankungsfälle eine Krebscluster-Untersuchung empfiehlt. „Wir nehmen den Hinweis auf die erhöhte Zahl an Leukämie-Erkrankungen sehr ernst“, betont Landrat Detlev Kohlmeier, „eine weitergehende Untersuchung ist daher unabdingbar.“ Zunächst gelte es, eine konkrete Auswertung des Epidemiologischen Krebsregisters zu erhalten, ob und in welchem Ausmaß eine auffällige Häufung von entsprechenden Krebs-Erkrankungsformen in der Samtgemeinde Steimbke tatsächlich gegeben ist. Der Landkreis werde daher in enger Abstimmung mit dem Niedersächsischen Landesgesundheitsamt, dem Epidemiologischen Krebsregister Niedersachsen und der Samtgemeinde Steimbke eine entsprechende Anfrage an das Krebsregister abstimmen und die Untersuchung beantragen.

Nach einer ersten Rückmeldung des EKN ist eine Auswertung der erfassten Leukämie- und Lymphom-Erkrankungen in der Samtgemeinde im Zeitraum von 2005 bis 2013 möglich. Für diesen Zeitraum verfügt das EKN über entsprechende Daten. Außerdem soll eine Anfrage an das deutsche Kinderkrebsregister gestellt werden, so Rötschke im Auftrag des Landrats.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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