Neuer Präsident: Konrad Volger

Neues und seltenes Amt: Konrad Volger ist Präsident der Hoya-Diepholz’schen Landschaft.  
Foto: Volger
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Neues und seltenes Amt: Konrad Volger ist Präsident der Hoya-Diepholz’schen Landschaft. Foto: Volger

Sein Herz schlägt für den ländlichen Raum – und die Ziele der mehr als 500 Jahre alten Hoya-Diepholz’schen Landschaft: Konrad Volger tritt als Präsident die Nachfolge von Werner von Behr an.

Diepholz/Nienburg – Für Konrad Volger ist es Neuland, aber er ist kein Neuling. Schon seit 2002 ist er in der Hoya-Diepholz’schen Landschaft vertreten – als Mitglied der ersten Kurie, zu der die Landwirtschaft gehört. Doch die Aufgabe des 48-jährigen fünffachen Familienvaters hat sich seit dem 26. Februar von Grund auf gewandelt. Denn Konrad Volger ist jetzt Präsident der Hoya-Diepholz’schen Landschaft. Einer Institution, die im Mittelalter gegründet worden war und sich bis heute sozialen und historischen Projekten widmet.

Während des „Landtags“ in Stolzenau, der jährlichen Zusammenkunft der Kurien, war der 48-Jährige an die Spitze der Landschaft gewählt worden – als Nachfolger von Werner von Behr, der mit der Übergabe des Ritterguts an seinen Sohn Alexander das Amt abgeben musste. Denn es ist nicht an die Person, sondern an das Gut oder das landwirtschaftliche Anwesen gebunden.

Bei Konrad Volger ist es an die Domäne Schäferhof geknüpft. Geblieben ist der Name, aber der 48-Jährige bewirtschaftet als moderner und zeitgemäßer Landwirt seinen eigenen Hof.

„Wenn ich nicht Landwirt geworden wäre, dann hätte es mich vielleicht in ein historisches Studium gezogen“, verrät Konrad Volger. Er beschreibt sich als einen „interessierten Betrachter des Zeitgeschehens – auch des historischen“. In dem Wissen, dass die Reflexion der Vergangenheit wichtig ist für die Gestaltung von Gegenwart und Zukunft. „Weil man sich viele Entwicklungen sonst nicht erklären kann“, sagt er.

Die Wahl an die Spitze der Hoya-Diepholz’schen Landschaft kam für Konrad Volger nicht überraschend. Er sei gefragt worden, erläutert er. Dass gerade er die Chance erhalten habe, das Präsidentenamt einer mehr als 500 Jahre alten Institution übernehmen zu dürfen, „das erfüllt mich schon mit Stolz“. Einmütig wählten ihn die Landschaftsmitglieder in dieses Amt – mit der Option, es über Jahrzehnte ausüben zu können. Weil die Präsidentschaft an den Betrieb geknüpft ist, kann er sie bis zum Ende seines Berufslebens, sprich bis zur Hofaufgabe, ausüben. So ist es in den Statuten der Hoya-Diepholz’schen Landschaft festgeschrieben.

Auch wenn er erst seit wenigen Wochen im Amt ist, kennt Konrad Volger zumindest eine Aufgabe des Präsidenten aus jahrelangem Erleben: „Ich vertrete den Landschafts-Präsidenten seit vier Jahren im Vorstand des Museumsvereins Nienburg.“ Denn die Landschaft ist Eigentümerin des Quaet-Faslem-Hauses im Herzen von Nienburg, in dem sich sowohl zwei Museen als auch der Sitz der Hoya-Diepholz’schen Landschaft befinden. Die kulturellen Werte in den ehemaligen Grafschaften bewahren sowie historische Zusammenhänge erforschen und publizieren: Das hat sich die Landschaft zur Aufgabe gemacht und fördert auch Orts-Chroniken. Genau die sind für Konrad Volger „hoch unterstützenswert“, denn gerade in ländlichen Bereichen seien oft wenig finanzielle Ressourcen für solche Projekte vorhanden.

Die Hoya-Diepholz’sche Landschaft unterstützt aber genauso soziale Projekte. So fördert sie beispielsweise den Bau eines ganz besonderen Spielplatzes des Kinderheims „Kleine Strolche“ auf dem Rittergut Ovelgönne in Bücken (wir berichteten). Kirchliche Projekte fördere die Landschaft hingegen nicht: „Das schließen unsere Statuten aus, dafür gibt es andere Fördertöpfe.“

Der neue Präsident der Landschaft lässt keinen Zweifel aufkommen: Er steht voll und ganz hinter dem ländlichen Raum – und betont: „Wenn wir es schaffen, die Identität des ländlichen Raums zu stärken, dann fände ich es toll, wenn die Hoya-Diepholz’sche Landschaft dazu einen Beitrag leisten könnte.“

Als Präsident wirkt Konrad Volger ebenso in den Gremien der VGH mit. Denn die sechs historischen Landschaften in Niedersachsen tragen die landschaftliche Brandkasse, die heute ein enorm wichtiger Teil der VGH-Versicherung ist. Mit ihren finanziellen Erträgen speisen sie zum Beispiel die Landschaftsverbände, deren Aufgabe die regionale Kulturförderung ist. Kraft seines Amtes ist der Landschaftspräsident Beisitzer im Vorstand.

In dieser Funktion hatte Konrad Volger direkt nach Amtsantritt an einem parlamentarischen Abend in Hannover teilgenommen. „Das war sehr beeindruckend“, berichtet er über ein preisgekröntes plattdeutsches Theater, das von Jugendlichen aufgeführt worden sei: „Toll, dass es eine solche Szene in den ländlichen Räumen Niedersachsens gibt.“

Beeindruckt hat ihn aber genauso der Kontakt zu wichtigen Funktionären im Bereich der Museen und Theater aus ganz Niedersachsen an diesem Abend, an dem auch Landtagsabgeordnete teilnahmen. Ausgerichtet habe ihn die Arbeitsgemeinschaft der Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen (ALLVIN).

Der neue Landschaftspräsident gestaltet sein Amt zurzeit unter ungewöhnlichen Bedingungen. Denn wegen der Corona-Krise kann er viele Menschen, mit denen er von Amts wegen zusammenarbeitet, nicht persönlich kennenlernen. Als Landschaftsvertreter in der VGH hat Konrad Volger bereits an zwei Telefonkonferenzen teilgenommen. „Das ist sehr spannend“, sagt er über seine Mitwirkung dort. Es sei ein völlig anderer Bereich als in seinem Berufsleben als Landwirt. Jetzt hofft er, dass eine für Ende des Monats geplante, persönliche Zusammenkunft möglich sein wird. Immer begleitet von seinem persönlichen Leitspruch, den Konrad Volger auf Nachfrage dieser Zeitung nennt: „Was immer du auch tust: Tue es gut und denke an das Ende.“

Von Anke Seidel

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