Umfangreiche Restaurationsarbeiten in der St.-Georg-Kirche

Neuer alter Klang für die Orgel in Eitzendorf

Ohne diese unscheinbaren „Winkel“ könnte man keinen Ton auf der Orgel spielen, denn sie halten die Tasten der Klaviatur, die der Organist betätigt. ·
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Ohne diese unscheinbaren „Winkel“ könnte man keinen Ton auf der Orgel spielen, denn sie halten die Tasten der Klaviatur, die der Organist betätigt. ·

Eitzendorf - Von André Steuer„Dieses Instrument ist etwas ganz Besonderes“, sagt Orgelbauer Sascha Faber. „Kirche und Orgel sind als ein Ensemble geplant und gebaut worden. Das ist eher die Ausnahme.“ Gemeinsam mit seinem Kollegen Lukas Neumann restauriert er derzeit die Orgel in der Eitzendorfer St.-Georg-Kirche.

Wer heute die neugotische Kirche besucht, sieht von der Orgel aus dem Jahr 1868 nicht viel. Die Pfeifen befinden sich zur Restauration in der Werkstatt, alle weiteren Teile sind ebenfalls ausgebaut. Es steht nur noch das Gerüst. „Einen Bauplan haben wir nicht“, sagt Sascha Faber. Bei ihren Arbeiten sind die Fachleute auf originale Kontrakte, Aufzeichnungen, Rechnungen und mündliche Überlieferungen angewiesen. „Holz, Leder, Messing und Filz“, zählt Sascha Faber die Materialien auf, mit denen er und Lukas Neumann überwiegend arbeiten. „Wir versuchen, so nah am Original zu bleiben, wie es geht.“ Die althergebrachten handwerklichen Techniken sind aus der Sicht der beiden Orgelbauer immer noch die besten.

In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg wurden an vielen Orgeln Deutschlands Änderungen vorgenommen. „Durch Einkürzen der Pfeifen passte man den Ton an den damaligen Geschmack an. Dies ist auch hier passiert. In unserer Pfeifenwerkstatt bringen wir die Pfeifen wieder auf die ursprüngliche Länge, um die alte Klangvielfalt wieder herzustellen“, sagt Sascha Faber.

Um eine Orgel zum Klingen zu bringen, bedarf es viel Luft. Denn das Instrument funktioniert – vereinfacht ausgedrückt – ähnlich wie eine Blockflöte. Die Luft erzeugt den Ton, der durch die Pfeifen strömt. Dabei hilft eine Art Gebläse, dessen Funktion der eines Blasebalgs gleicht.

Früher betätigten die Helfer des Organisten, die sogenannten Kalkanten, das Gebläse. Heute übernimmt diese Aufgabe eine Mechanik. Der Luftstrom, den man bei der Orgel Wind nennt, wird über Windkanäle in die Windlade geblasen. Die Windlade ist das eigentliche Herzstück des Instruments. Sie stellt die Verbindung zwischen der Mechanik der Tasten und Pedale, der Luft und den Pfeifen her. Wenn der Organist zum Beispiel eine Taste drückt und gleichzeitig ein Register zieht, erklingen die entsprechenden Pfeifen. Dafür öffnet sich in der Windlade ein Ventil, das die Luft zu der gewünschten Pfeife durchlässt und sie zum Klingen bringt.

In Eitzendorf sind insgesamt fünf dieser Windladen installiert. „Knapp fünf Monate hat es gedauert, die Windladen zu restaurieren“, erzählt Sascha Faber. Die umfangreichen und zeitintensiven Maßnahmen sind natürlich nicht ganz günstig. „Dank vieler Spender und Sponsoren kann das Projekt verwirklicht werden“, sagt Pastorin Friederike Werber. „Das ist fantastisch.“

Am 14. Oktober geht das Abschlusskonzert des Projektes „Orgelschätze“ in Eitzendorf über die Bühne. „Bis zu diesem Termin wird die Orgel wieder vollständig sein“, sagt Sascha Faber. Zuvor möchten er und Lukas Neumann dem Instrument bei der sogenannten Into-nation den endgültigen, richtigen Klang einhauchen, damit die Orgel sich im Oktober in einem neuen alten klanglichen Gewand präsentiert.

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