Erste landesweite Auszeichnungen in Nienburg und Stolzenau

Naturschutzbund würdigt Einsatz für Schwalben

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Peter Siebel schaut verlegen beiseite, als er die von Holger Buschmann (l.) und Klaus Boße (r.) ausgehändigte Urkunde und die Plakette (an der Wand hinter ihm) präsentieren soll.

Nienburg - Von Kurt Henschel„Fast alle mögen sie, aber keiner will sie am Haus haben“ – dieser Satz von Holger Buschmann, promovierter Biologe und Vorsitzender des niedersächsischen Naturschutzbundes (Nabu), spricht Bände und meint Schwalben. Weil der Bestand an Gebäudebrütern wegen weggebrochener Lebensbedingungen rapide abnehme, habe der Nabu in Niedersachsen die Aktion „Schwalben in Niedersachsen“ ins Leben gerufen und damit begonnen, mit Plakette und Urkunde Menschen zu würdigen, die Schwalben und deren Nester an ihren Gebäuden dulden. Gestern gab es landesweit die ersten Auszeichnungen in Nienburg und in Stolzenau.

Zu den Gebäudebrütern zählen Mauersegler, Fledermäuse sowie Rauch- und Mehlschwalben. Letztgenannte fühlen sich in Nienburg bei Peter Siepel sowie in Stolzenau bei Gerhard Michael besonders wohl. Die beiden Männer gehören zu denen, deren Einsatz für Schwalben Holger Busch mann sowie der Nabu-Kreisverband Nienburg gestern würdigten.

An einem der Siepel-Gebäude an der Weserstraße befestigten Buschmann und Klaus Boße, 2. Vorsitzender des Nabu Nienburg, eine Plakette. „Hier sind Schwalben willkommen“, so die Inschrift der Tafel. „Sie soll Leute sensibilisieren, Nester nicht abzuschlagen“, erklärte der Nabu-Chef Niedersachsens. Dieses Ziel verfolgt die gesamte Aktion, die zunächst auf drei Jahre angelegt ist. Mindestens drei Schwalben-Nester müsse jemand vorweisen können, dazu die Bereitschaft, künstliche Nistkästen anzubringen, dann habe er – auf Vorschlag des örtlichen Nabu – die Chance, eine Plakette verliehen zu bekommen. Buschmann: „Schwalben sind inzwischen vom Menschen abhängig. Früher waren sie in Ställen heimisch, die es aber kaum noch gibt. Ihnen fehlen die Lebensräume, deshalb ist es wichtig, sie an Hauswänden zu dulden.“

Siepel und Michael gehörten zu denen, die „aktiven Naturschutz betreiben“, so Buschmann. Sie seien daran beteiligt, den weiteren Rückgang der Schwalben-Population zu verhindern. Siepel räumte ein, früher eher an „weg damit“ gedacht zu haben. Heute freue er sich über die Schwalben, die als „Glücksbringer in Stadt und Dorf“ gelten. „Ich spreche sogar mit ihnen und rufe ihnen zu, dass sie sich nicht vor mir fürchten müssen“, so Siepel. Er, der ein Kenner der Immobilien-Branche ist, erklärte sogar, dass Architekten bei Neubauten entsprechende Einrichtungen für Vögel gleich mit einplanen sollten. Er freue sich über seine annähernd 30 Nester, die weitgehend besetzt seien. Dabei handele es sich auch um künstliche, die sich aber in der Nähe eines von den Schwalben selbst gebauten Nestes befinden sollten. „Sonst gehen sie dort nicht hinein“, weiß auch Klaus Boße. Und gegen den Dreck könnten Schwalben-Freunde Kot-Bretter unter den Nestern installieren. „Dann wäre für die Schwalben alles in bester Ordnung“, so der Nabu-Vize im Beisein weiterer Mitglieder des Kreisverbands Nienburg.

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