Corona-Experiment in den Startlöchern

„Modellkommune“ in Nienburg beginnt am kommenden Donnerstag

Fußgänger in der Langen Straße in Nienburg.
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Bald wieder so lebendig wie vor dem Lockdown? In der Langen Straße dürfen die Geschäfte öffnen.

Am kommenden Donnerstag beginnt in Nienburg das Corona-Experiment „Modellkommune“. Mit einem negativen Corona-Test kann jeder daran teilnehmen.

  • Aufgrund aktueller politischer Entwicklungen verschoben
  • Kostenlose Corona-Schnelltests im Wesavi
  • „Filmpalast am Hafen“ öffnet höchstwahrscheinlich

Nienburg - von Maren Hustedt und Leif Rullhusen. Mit der „Modellkommune“ soll wohl erst am kommenden Donnerstag, 15. April, das vielleicht größte wissenschaftliche Experiment in der Geschichte der Stadt Nienburg starten. Der ursprünglich geplante Termin am Montag, 12. April, wurde aufgrund aktueller politischer Entwicklungen verschoben. „Wir sind startklar, wollen aber gemeinsam mit den übrigen Modellkommunen am Mittwoch beginnen“, erklärt Jan Wendorf, erster Allgemeiner Vertreter des Nienburger Bürgermeisters.

Schrittweise öffnen Gastronomie, Einzelhandel, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen

Als eine von 14 Gemeinden in Niedersachsen soll die Kreisstadt – nach jetzigem Stand – dann schrittweise Gastronomie, Einzelhandel, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen öffnen dürfen. Der Versuch ist zeitlich auf zweieinhalb Wochen und räumlich auf den Innenstadtbereich begrenzt. Einzelhandel und Gastronomie können Mittwoch einsteigen. Kultureinrichtungen, Fitnessstudios und der „Filmpalast“ dürfen nach derzeitigem Stand eineinhalb Wochen später, am 26. April, folgen.

Übersichtliches und gut abgegrenztes Gebiet war Vorgabe

Von Donnerstag an können die Menschen – sofern sie aktuell und nachweislich negativ auf Corona getestet wurden – in den teilnehmenden Geschäften shoppen gehen und sich im Außenbereich der Gastronomie Speisen und Getränke schmecken lassen. „Es war eine Vorgabe des Landes, das Projekt auf ein übersichtliches und gut abgegrenztes Gebiet zu beschränken“, begründet Jan Wendorf die Festlegung der Grenzen zwischen Weser, Meerbach und Stahn-Wall. „Ich kann den Frust von Einzelhändlern verstehen, die außerhalb liegen. Aber durch die Vorgaben des Landes sind uns die Hände gebunden.“

Jan Wendorf ist gespannt auf die Ergebnisse des Modellprojekts.

Nicht alle Gastronomen und Einzelhändler machen mit

Auch innerhalb des Projektgebietes sind nicht sämtliche Gastronomen und Einzelhändler beteiligt. „Einige haben bereits abgesagt. Ihnen sind die Kosten und der Aufwand zu hoch“, berichtet Wendorf. So muss sich natürlich auch jeder Mitarbeiter der Geschäfte täglich auf Corona testen lassen. Um diese Hürde logistisch und finanziell so niedrig wie möglich zu halten, nimmt die Stadt ab Montag im Wesavi ein Testzentrum in Betrieb.

Schnelle und unkomplizierte Tests

Aufwand und Kosten seien „überschaubar“, meint Jörg Kolossa, Vorsitzender der Werbegemeinschaft Nienburg Service. „Im Wesavi sollen die entsprechenden Mitarbeiter einmal im Lauf des Tages schnell und unkompliziert getestet werden.“ Die Kosten für einen solchen Mitarbeitertest beziffert Wendorf auf zwei Euro. Auch die Bürger können sich im Wesavi testen lassen – nach den aktuellen Plänen der Stadt sogar kostenlos. Das gilt auch für bereits vollständig geimpfte Probanden.

Kein großer Run auf die Geschäfte erwartet

Auf die Frage, welche Entwicklung er für kommenden Mittwoch erwarte, antwortete Jörg Kolossa: „Mit einem großen Run auf die Geschäfte rechne ich nicht. Eher damit, dass sich die Lage über mehrere Tage einpendelt.“ Bei dem Projekt stünde der wirtschaftliche Aspekt eher im Hintergrund. Vielmehr ginge es darum, für die Zukunft und vor allem auch bei steigenden Inzidenzen eine „funktionale, dauerhafte Lösung für das gesellschaftliche Miteinander zu erarbeiten“. Darum sei es auch so wichtig, dass möglichst viele Unternehmen und Bürger sich beteiligen, meint Jörg Kolossa. Nur dann könnte man aus den erhobenen Daten und Entwicklungen Trends ablesen, die den Weg in eine möglichst freizügige Zukunft trotz Corona ebnen könnten.

App „Free2pass“ öffnet Türen

Um diesem Ziel näher zu kommen, programmierte ein Nienburger Unternehmen eigens zur Durchführung des Modellprojekts die App „Free2pass“, mit deren Hilfe der Nachweis geführt werden kann, dass ein offizieller negativer Corona-Test vorliegt. Über die App werden ein Selfie-Foto und die persönlichen Daten des potenziellen Teilnehmers erfasst. Mit diesen Informationen geht es dann zum Test ins Wesavi. Das Ergebnis der Testung soll kurze Zeit später direkt auf das Handy gespielt werden. Liegt keine Infektion mit dem Corona-Virus vor, ist der Teilnehmer dazu berechtigt, den Service der entsprechenden Geschäfte und Dienstleister in Nienburgs Innenstadt zu nutzen – über einen Zeitraum von zwölf Stunden.

Auch wenn er sich davon keinerlei wirtschaftlichen Nutzen verspricht, will Kinobetreiber Holger Glandorf den Filmpalast in Nienburg im erlaubten Rahmen öffnen.

„Filmpalast am Hafen“ öffnet höchstwahrscheinlich

Kinobetreiber Holger Glandorf will den „Filmpalast am Hafen“ trotz des großen Aufwandes für die wenigen Tage öffnen. Die endgültige Entscheidung wird er treffen, sobald sämtliche Rahmenbedingungen feststehen. „Finanziell lohnt sich das für mich auf keinen Fall“, verdeutlicht Glandorf. „Ich finde aber die Idee dieser Studie sehr interessant.“ Er werde jedoch nur von Donnerstag bis Sonntag öffnen und wohl auch nicht sämtliche Kinosäle in Betrieb nehmen. Auch neue Filme dürfen die Kinobesucher nicht erwarten. Aufgrund des Lockdowns hätten die Verleiher gegenwärtig keine Neustarts im Angebot, erklärt Glandorf.

Das Ende ist noch offen

Geplant ist das Modellprojekt zunächst bis zum 2. Mai. Die Stadt versucht derzeit, die Medizinische Hochschule Hannover als wissenschaftlichen Begleiter zu gewinnen. „Ob und wie es dann weitergeht, steht noch nicht fest“, berichtet Jan Wendorf. Das sei eine Entscheidung des Niedersächsischen Sozialministeriums. Es könne sein, dass sich das Experiment wöchentlich verlängere. Auch eine Erweiterung des Gebietes sei denkbar. „Vielleicht kommt das Ministerium auch zu dem Schluss, dass es so nicht funktioniert. Schließlich ist es ein wissenschaftliches Experiment.“

Weitere Informationen auf der Homepage der Stadt

Weitere Informationen über das Projekt „Modellkommune“ finden Interessierte auf der Homepage der Stadt unter www.nienburg.de. Telefonisch hilft eine Hotline für Betriebe unter 05021/87540 und für Besucher unter 05021/87530 weiter.

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