Blick auf die 875-jährige Geschichte Schweringens, seiner Bauern und der Fähre

Minutenurlaub auf der Weser

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Die letzte ihrer Art in der Mittelweserregion: die Hochseilfähre in Schweringen. ·

Schweringen - Von André Steuer. Schweringen feiert im September 875-jähriges Bestehen. Wir begleiten das Jubiläum mit einer Serie über ortsprägende Menschen, Gebäude und Einrichtungen und laden heute ein zu einem Kurzurlaub auf dem Wasser.

Der ist auf der Weserfähre für kleines Geld zu haben  – ein Plausch mit dem Kapitän inklusive. Man kann herrlich auf der kurzen Überfahrt entspannen und trifft bestimmt jemanden für einen Schnack. Die Fährleute sind ein nettes Völkchen und pflegen in Schweringen eine jahrhundertealte Tradition: Seit mehr als 400 Jahren lässt sich der Fährbetrieb im Ort nachweisen.

Die Schweringer leben am linken Weserufer, aber große Teile der Gemeinde liegen auf der anderen Seite, seit der Fluss im 16. Jahrhundert seinen Verlauf binnen eines Winters änderte. So war die Einrichtung einer zuverlässigen Weserquerung notwendig, wenn die Landwirte an ihre ertragreichen Flächen herankommen wollten.

Bereits das Hoyaer Amtslagerbuch von 1583 nennt eine sogenannte Flöte als Fähre. Im Zusammenhang mit dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) erfuhr die Fähre besondere Aufmerksamkeit. An die Weser grenzten das Herzogtum Braunschweig-Lüneburg und das von der Katholischen Liga unter Heerführer Tilly kontrollierte Gebiet. Auf Befehl des Herzogs wurden die Fähren in einer Nacht- und Nebelaktion nach Hoya gebracht, um zu verhindern, dass sich Soldaten der Schiffe bemächtigen und so die Neutralität der Herzöge verletzen. Sechs Boote waren seinerzeit in Gebrauch. Zwei dienten zum Übersetzen von Personen, vier weitere für Wagen.

Damals wurde noch gestakt, was „ganz starke Männer“ erforderte. Um 1774 herum gab es erste Bemühungen zur „Einführung des Linienzuges über die Weser“. Dabei sollte ein Fährseil die beiden Ufer verbinden, an dem sich die Fähre über den Fluss hätte ziehen lassen können. Solche Seile behinderten jedoch die Schifffahrt und waren deshalb an anderen Orten schon von den Schiffern heimlich gekappt worden. Das Schweringer Gesuch wurde 1775 letztlich abgelehnt.

In der „Franzosenzeit“ (1803 bis 1813) mussten die Schweringer ihre Fähre erneut in Sicherheit bringen. In den Berichten von einst wird nur noch ein Schiff erwähnt. Dies lässt den Schluss zu, dass seinerzeit die Fährleine doch eingeführt worden war.

In einem Schreiben des Wasserbaurats Wegener von 1851 taucht erstmals der Begriff der „fliegenden Fähre“ auf. Dabei „hängt“ die Fähre an einem über den Fluss gespannten Seil, und die Strömung drückt das mit dem Steuerruder quer gestellte Schiff ans andere Ufer.

Noch heute nutzen größtenteils Landwirte die Fähre, zunehmend aber auch Touristen, die diese Art der Flussquerung als romantisch empfinden. „Schätzungsweise haben wir pro Jahr 9 000 Fährgäste“, sagt Friedrich Immoor. Er ist Geschäftsführer des Realverbands, der die Fähre seit 1980 unterhält. 15 Landwirte sind darin aktiv. „Die Fähre ist auch heute noch eine ,Bauernfähre‘“, sagt Christian Müller, ebenfalls vom Realverband. „Für sie ist sie eine Notwendigkeit.“ Drei Frauen und vier Männer haben die notwendige Ausbildung und leisten derzeit ehrenamtlich Dienst. Hinzu kommen „Ersatz-Fährleute“ aus den Reihen der Landwirte.

Mit zunehmender Größe Ackermaschinen war ein tragfähigeres Boot notwendig geworden. Seit zwölf Jahren pendelt eine neue Fähre mit 40 Tonnen Tragkraft zwischen den Weserufern. Das Vorgängermodell – 1948 aus U-Boot-Stahl gefertigt – war in die Jahre gekommen. Der aktuelle stählerne Prahm, eine Hochseilfähre, hat einen elektrischen Antrieb, zur Sicherung eine Grundkette und wird an einem Hochseil über die Mittelweser geführt.

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