Bernd Rehling ist Webmaster der Gehörlosen-Internetplattform taubenschlag.de

Manchmal schlagen sie zu

Bernd Rehling in seinem bestens ausgestatteten Büro in Schierholz. ·

Hoya - SCHIERHOLZ · Der Name ist ein Wortspiel – die meiste Zeit. Doch in besonderen Situationen macht Bernd Rehling auch mal Ernst. Der pensionierte Lehrer aus Schierholz ist Chefredakteur und Webmaster der meistbesuchten Internetplattform für Hörgeschädigte im deutschsprachigen Raum: www.taubenschlag.de. Wenn Rehling und seine Mitstreiter das Gefühl haben, irgendwo gehe es nicht mit rechten Dingen zu, „dann können die Tauben auch mal zuschlagen“, schmunzelt Rehling nicht ohne Stolz.

Etwa 6 000 Besucher klicken täglich auf die Homepage. „Wir veröffentlichen Informationen zum Sommerfest eines Ortsvereins ebenso wie wissenschaftliche Untersuchungen von Universitäten oder Termine von Museen-Führungen für Gehörlose“, erzählt Rehling.

Er hält das Internet für eine großartige Möglichkeit für Menschen, die nicht oder nur sehr schlecht hören können. Bis zum Aufkommen des Internets seien diese nahezu völlig abgeschnitten gewesen von der Kommunikation. Den Zugang zu Nachrichten etwa bietet ein Portal aus Österreich, das Videos mit Neuigkeiten aus aller Welt ins Internet stellt, in denen die Beiträge mit Gebärdensprache dargestellt werden. Zudem biete das „World Wide Web“ große Lernmöglichkeiten. „Sprachen oder Themen aus Politik und Geschichte können sie dort aufarbeiten“, sagt Rehling.

Rehling selbst wurde mit einem gesunden Gehör geboren. Schwerhörig wurde er in den 1970er-Jahren, als während seines Englandbesuchs irische Terroristen einen Bombenanschlag auf den Tower of London verübten. Die Explosion zerfetzte ihm beide Trommelfelle und beschädigte die Hörnerven. Rehling arbeitete damals an einer Grund-, Haupt- und Realschule in Bremen und sattelte nach dem Vorschlag des Schulleiters ein Aufbaustudium zum Hörgeschädigten-Lehrer ‘drauf. 20 Jahre lang unterrichtete er an der „Schule an der Marcusallee“ für Gehörlose und Hörgeschädigte in Bremen. Obwohl man meinen sollte, er sei bestens für diesen Job geeignet, war es gar nicht so leicht, ihn zu bekommen. Denn zu der Zeit war man in Deutschland der Meinung, Gehörlose sollten nicht mit Gebärden sprechen, sondern sich so weit es ihnen möglich war, den Hörenden annähern. Für Rehling war das Quatsch und er damit bei seinen Kollegen „das schwarze Schaf“. Unter anderem wegen seines Einsatzes für die Anerkennung der Deutschen Gebärdensprache (DGS) wurde er schließlich sogar aus dem „Bund Deutscher Taubstummenlehrer“ ausgeschlossen – eine Tatsache, auf die er von Anfang an stolz war.

Die ständigen Querelen mit Kollegen sorgten schließlich dafür, dass Rehling sich 1995 pensionieren ließ. Als mit dem Internet die ersten Websites für Hörbehinderte aufkamen, arbeitete er zunächst an einem bereits bestehenden Projekt mit. Doch nach Meinungsverschiedenheiten mit dem Begründer stieg er aus, um eine Homepage nach seinen Vorstellungen zu gestalten. Ronald lIenborg, Gehörlosenseelsorger in Bremen, und Jacques Bruch, ein schwerhöriger Informatiker aus Luxemburg, halfen ihm 1997 dabei. Später stießen weitere Helfer dazu. Einen großen Teil der Arbeit macht Rehling jeden Morgen. Er liest E-Mails und stellt die Informationen auf die Seite. Zudem arbeitet er die Daten und Artikel durch, die ein Computerprogramm zum Thema Gehörlose und Gehörgeschädigte aus dem Internet filtert. Seine Mitarbeiter helfen zwar auch mal aus, aber in den Urlaub nimmt der Schierholzer seinen Laptop immer mit, „um nicht bei der Rückkehr überflutet zu werden“, wie er schmunzelnd sagt.

Und auch, um jederzeit „zuschlagen“ zu können. Das letzte Mal geschah das, als ein in der Gehörlosenwelt sehr bekannter Moderator und Schauspieler als Werbeträger für ein fragwürdiges Nahrungsergänzungsmittel auftrat. „Taubenschlag“ warnte vor dem dubiosen Mittel und seinen Verkäufern – mit Erfolg. Die Werbeträger haben sich mittlerweile alle von dem Produkt losgesagt. · ike

http://www.taubenschlag.de

http://www.gebaerdenwelt.at

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