Lehrgrabung zwischen Steyerberg und Stolzenau gibt frühmittelalterliche Geheimnisse preis

Lebendige Geschichte, die den Forschergeist weckt

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Die Beteiligten an dem Projekt „Altsächsisches Gräberfeld Liebenau/Steyerberg“: Wirtschaftsförderer Christian Alvermann, Steyerbergs Bürgermeister Heinz-Jürgen Weber, Liebenaus Samtgemeindebürgermeister Walter Eisner und Grabungsleiter Tobias Scholz (v.l.).

Liebenau/Steyerberg - von Leif Rullhusen. Ganz vorsichtig dringt Henning Dormann mit einer kleinen Kelle ins Erdreich vor – Sandschicht für Sandschicht etwas tiefer. Der Hobbyarchäologe sucht Spuren einer frühmittelalterlichen Siedlung.

Und er hat schon einige gefunden. Seine spektakulärste Beute bislang: Eine Perle. „Die könnte zu einem Halsband gehört haben“, vermutet Tobias Scholz. Bisher haben seine ausnahmslos ehrenamtlichen Teilnehmer vor allem Keramikscherben und Eisenschlacke ans Tageslicht befördert.

Hobbyarchäologe Henning Dormann hat schon einige Funde aus dem Erdreich gezogen. Sein größter war bislang eine Perle.

Scholz ist Leiter einer archäologischen Lehrgrabung auf einer Sanddüne zwischen Liebenau und Steyerberg. Die hat das Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen gemeinsam dem Projekt Ehrenwert der Klosterkammer Hannover initiiert. Es findet in enger Kooperation mit den Gemeinden Steyerberg und Liebenau sowie in Zusammenarbeit mit dem Kommualarchäologen Dr. Jens Berthold statt.

In einem Waldstück zwischen den beiden Nachbargemeinden graben die Teilnehmer nach Spuren einer frühmittelalterlichen Siedlung. „Sie stammt aus dem achten Jahrhundert, zur Zeit Karl des Großen“, berichtet der Grabungsleiter. Der Erfolg ist ihnen sicher. Direkt nebenan gab es nämlich vor gut 40 Jahren bereits eine Grabung, die auf Spuren sogenannter Grubenhäuser stieß. „Deren Reste wollen wir jetzt freilegen“, erklärt Scholz. Zwei bis drei Wochen hat sein Team dafür Zeit. So lange sind die Grabungsarbeiten angesetzt, schließlich opfern die Teilnehmer dafür oft einen Großteil ihres Urlaubs, um im Waldboden nach Scherben und Schlackeresten zu wühlen. Letztere seien der Beweis, dass hier Eisen verhüttet worden sei, erläutert Scholz.

Die Rahmenbedingungen sind ideal, da Sandverwehungen den Platz über die Jahrhunderte mit einer etwa 20 Zentimeter dicken Schicht zudeckten und ihn damit quasi konservierten. Anschließend wuchs dort Wald und der Boden blieb von Ackerbau unberührt.

Die Grabung gehört zur Seminarreihe „Altsächsisches Gräberfeld Liebenau/Steyerberg“ im Rahmen des Projektes Ehrenwert. Im vergangenen September starteten der Flecken Steyerberg und die Samtgemeinde Liebenau mit weiteren Projektpartnern eine entsprechende Programmreihe, um Archäologie lebendig werden zu lassen und die Menschen für die heimische Geschichte zu interessieren. Praktische Veranstaltungen, wie die aktuelle Grabung, sind dabei das Salz in der Suppe. Sie aktivieren den Forschergeist.

Dieser Virus ist bei Henning Dormann bereits überaus aktiv. Der selbstständige Landschaftsplaner aus Bad Nendorf ist ein alter Hase. Schon als Schüler entdeckte er auf einem Feld in seinem Heimatort Horsten eine fast 3000 Jahre alte Pfeilspitze und erst vor zwei Jahren ein Steinbeil aus der vorrömischen Eisenzeit, das noch einmal rund tausend Jahr älter ist. Doch auch das frühe Mittelalter ist für ihn eine Herausforderung.

Am kommenden Donnerstag, 30. Juli, laden die Teilnehmer übrigens zu einem Tag der offenen Grabung ein. Von 15 bis 18 Uhr führen sie Interessierte über das Grabungsgelände und tauchen mit ihnen in die Zeit der Altsachsen ein.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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