Hilgermisser möchten gemeinsam nach Orientierungsmöglichkeiten suchen

Rat lehnt Straßennamen ab

Straßenschilder kommen in Hilgermissen nicht zum Einsatz. ·
+
Straßenschilder kommen in Hilgermissen nicht zum Einsatz. ·

Hoya - Von Marvin KöhnkenHILGERMISSEN · Der Gemeinderat Hilgermissen hat die Einführung von Straßennamen abgelehnt. Die Mitglieder handelten augenscheinlich allerdings größtenteils gegen ihre eigene Überzeugungen und entsprachen damit dem Willen der Einwohner, die sich in einer Bürgerbefragung am 20. Januar mit 59,44 Prozent gegen diese Neugestaltung entschieden hatten. Während die Wählergemeinschaft Hilgermissen (WGH) dieses Votum als Maßstab für ihre Entscheidung nahm und gegen Straßennamen stimmte, enthielten sich die Mitglieder der Wählerinitiative für Hilgermissen (WfH). Einzig WfH-Fraktionsmitglied Dirk Prange sprach sich trotzdem für Namen aus.

„Mit einer solchen Klarheit haben wir nicht gerechnet“, sagte Tim Stegemann (WGH) während der Sitzung im Eitzendorfer Gasthaus „Zur Linde“. Nun gehe es darum, produktiv daran weiterzuarbeiten, dass in Hilgermissen alle Grundstücke beispielsweise von Rettungsdiensten und Lieferanten ohne Probleme auffindbar gemacht werden. „Wir können nun nicht die Hände in den Schoß legen“, betonte er.

Auch Lüder Görtmüller (WGH) möchte dem „Wunsch und dem Willen“ der Wähler entsprechen: „Das Ergebnis der Befragung ist ein deutliches Signal.“ Allerdings machte er deutlich, das Votum der Hilgermisser nicht nachvollziehen zu können. Dass die WGH trotzdem gegen die Einführung von Straßennamen stimmte, begründete er damit, das wichtigste Gut – die Glaubwürdigkeit der Politik  – erhalten zu wollen.

Im Vorfeld der Bürgerbefragung hatten sich mehrere Experten, unter anderem von Polizei und Feuerwehr, über die Schwierigkeiten geäußert, einzelne Häuser im Notfall ohne Probleme ausfindig machen zu können. Für die Befürworter von Straßennamen war der Sicherheitsaspekt das stärkste Argument zur Einführung von Straßenschildern als Orientierungshilfe.

Aus Respekt vor dem Bürgervotum enthielt sich die Mehrheit der WfH-Fraktion bei der Abstimmung. „Wir freuen uns, dass immerhin 40 Prozent der Wähler unseren Argumenten für eine Einführung folgen konnten“, sagte Lars Grotheer. Er machte deutlich, dass die Entscheidung gegen Straßennamen nicht seiner Überzeugung entspreche.

Während der Einwohnerfragestunde im Rahmen der Sitzung äußerten sich einige der zehn Zuhörer zu der Entscheidung, die das Ende einer jahrelangen Diskussion über das Thema Straßennamen darstellen soll.

Der Wecholder Rainer Fellermann etwa betonte die Notwendigkeit, das vorhandene Sicherheitsrisiko für die Bürger möglichst bald zu beenden. Seine Bitte an die Politiker war es, bei der Suche nach neuen Orientierungsmöglichkeiten auch die örtlichen Rettungskräfte einzubeziehen.

Vorschläge, um die Situation in Hilgermissen zu verbessern, trug Michael Linke aus Wechold vor. Der Landwirt hatte sich gegen die Straßennamen eingesetzt, nicht zuletzt, um die Identität der Ortsteile zu erhalten. „Ich möchte nicht alle Dinge mittragen, nur weil die Technik mitunter nicht ausreicht, um sich in der Gemeinde zu orientieren“, sagte der Landwirt im Anschluss an die Sitzung und sprach damit vielen seiner Mitbürger aus dem Herzen. Über die Grenzen Hilgermissens hinaus habe er viele positive Rückmeldungen bekommen, dass die Gemeinde sich gegen Straßennamen entschieden habe.

Mit Unverständnis reagierte Claudia Brüggemann aus Hilgermissen auf eine Aufforderung mehrerer Bürger, gegen Straßennamen zu stimmen. Diese war kurz vor der Befragung in den Briefkästen der Einwohner gelandet. „Das war eine problematische Form der Beeinflussung“, ist sie sich sicher.

Dass die Diskussion Spuren im Zusammenleben in der Gemeinde hinterlassen werde, glauben die Diskussionsführer nicht. „Es gibt keine unüberwindbaren Gräben“, sagte Linke. Und auch Rainer Fellermann und Claudia Brüggemann äußerten nach der Sitzung sich auf ähnliche Weise.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Politik appelliert: Anti-Corona-Maßnahmen einhalten

Trump rät zu Masken - will sich aber nicht daran halten

Trump rät zu Masken - will sich aber nicht daran halten

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Erfolgsgeschichte: Mit dem Octavia begann Skodas Aufstieg

Der Blauregen hat viel Kraft

Der Blauregen hat viel Kraft

Meistgelesene Artikel

Feuer in Rehburg-Loccum durch Brandstiftung 

Feuer in Rehburg-Loccum durch Brandstiftung 

Heemsen: Stiefonkel missbraucht Siebenjährige 

Heemsen: Stiefonkel missbraucht Siebenjährige 

Wohnungsbrand in Bücken: Mann bringt sich verletzt in Sicherheit

Wohnungsbrand in Bücken: Mann bringt sich verletzt in Sicherheit

Am Klavier durch den Ort: Mister Piano hilft Menschen mit Musik

Am Klavier durch den Ort: Mister Piano hilft Menschen mit Musik

Kommentare