Fünf Fragen an Landtagskandidaten in Nienburg/Schaumburg

Martina Broschei (Piraten): „Gute Bezahlung – faire Entlohnung“

Landkreis Nienburg - „Einfach aufgeben ist nun wirklich keine Option“, lautet die Maxime von Martina Broschei. Genau deshalb kandidiert die 52-Jährige im Wahlkreis Nienburg/Schaumburg, zu dem Wagenfeld und Kirchdorf gehören, für den Landtag. „Ich bin authentisch mit eigener Meinung“, beschreibt sie ihre Stärke. Und ihre Schwäche? „Meine Meinung ein wenig zu oft auch zu sagen.“ Deshalb hat sie Angst davor, „dass ich meine Meinung nicht mehr öffentlich sagen kann ohne Angst vor Verfolgung zu haben, weil das Grundgesetz komplett ausgehebelt wird.“

Im Interview vor der Landtagswahl am 15. Oktober nimmt sie Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Martina Broschei (Piraten)

Martina Broschei: Piraten fordern Ende falscher Sparsamkeit und eine deutliche Anhebung – mindestens auf OECD-Durchschnitt. Bildung ist Aufgabe für die gesamte Gesellschaft, deshalb Aufhebung des Kooperationsverbotes. Der Bund muss die Bildungseinrichtungen finanzieren dürfen, dazu Lehrkräfte angemessen entlohnen.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wie viele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Broschei: Es fehlen wohl 2 000 bis 3 000 Stellen, genau wird sich das erst sagen lassen wenn, wir alle Unterlagen haben. Wenn Verwaltungsarbeiten von anderen getan werden, könnten mehr Beamte auf die Straßen. Gute Bezahlung, vernünftige Einsatz- und Arbeitszeiten sollten zu mehr Zufriedenheit und auch Personal führen.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Broschei: Kameras und Massenüberwachung verhindern keine Verbrechen oder Anschläge. Deshalb wollen wir eben deutlich mehr gut ausgebildete Polizeikräfte auf den Straßen haben, in den letzten Jahren wurde da deutlich zu wenig getan. Die Grundrechte der Bürger dürfen hingegen nicht eingeschränkt werden.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Broschei: Warum nutzt man nicht endlich all die vielen Mediatoren, die es nach dem Willen und Beschluss der EU (u. einem gültigen Mediationsgesetz in Deutschland) längst gut ausgebildet auch in Niedersachsen gibt? Dadurch lässt sich die Justiz deutlich entlasten, Verfahren lassen sich beschleunigen.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Broschei: Es ist bedenklich, wenn Obst und Gemüse teilweise mehr kosten als Fleisch. Faire Entlohnung der Landwirtschaft fördert eine deutlich tierfreundlichere Haltung und ist gut für die Verbraucher.

Kleine Betriebe sollten besser geschützt werden. Verstösse gegen Tierschutzgesetze müssen erheblich härter bestraft werden.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Broschei: Stromführende Zäune zum Beispiel, wo sie aufgestellt werden können. Nicht jeder Wolfsriss ist übrigens auch einer, es könnten auch mal Hunde gewesen sein. Problemwölfe eventuell umsiedeln in Gehege und wenn es nicht anders geht, dann Geburtenkontrolle durch Sterilisation. Früher gab es übrigens große Hütehunde, warum nicht wieder?

Landtagswahl-Kandidaten im Porträt

In unserer Reihe „Kandidaten im Porträt“ stellen sich die Bewerber um ein Landtagsmandat vor. Martina Broschei tritt für die Piraten an, die 2013 im

Wahlkreis Nienburg/Schaumburg

690 Stimmen und damit Platz sechs errungen hatten. Martina Broschei ist Mediatorin, Mitglied im Ortsrat Stolzenau, im Samtgemeinderat Mittelweser und Kreisvorsitzende der Piratenpartei Nienburg-Schaumburg.

Rubriklistenbild: © Piraten

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