Fünf Fragen an Landtagskandidaten in Nienburg/Schaumburg

Grant Hendrik Tonne (SPD): „Niedersachsen kann sehr stolz sein“

Landkreis Nienburg - „Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten“, davon ist der SPD-Landtagsabgeordnete aus Leese fest überzeugt. Politik mache ihm Spaß, so betont der 41-Jährige. „Ich bin belastbar und habe Freude am Umgang und an der Debatte mit Menschen“, beschreibt er seine Stärke. Und seine Schwäche? „Ich sage zu selten Nein.“ Angst hat der Vater von vier Kindern vor Krieg, Gewalt und Armut.

Im Interview vor der Landtagswahl am 15. Oktober nimmt der Sozialdemokrat Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Grant Hendrik Tonne

Grant Hendrik Tonne: Aktuell fehlt es nicht an genügend Stellen, sondern es fehlt bundesweit an genügend Lehrkräften. Wir sorgen für mehr Plätze an den Studienseminaren, für eine bessere Bezahlung der Lehrkräfte und für einen leichteren Zugang zum Lehrerberuf. So werden wir bereits im nächsten Jahr die Unterrichtsversorgung deutlich verbessern.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen – politisch unstrittig. Wieviele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Tonne: Der Stellenbestand bei der Polizei befindet sich auf einem noch nie dagewesenen Höchststand von mehr als 21 000 Stellen. Trotzdem werden wir weitere 1 000 Stellen schaffen und zusätzliche 3 000 Beförderungsmöglichkeiten. Als Zeichen der Wertschätzung sollen die Zulagen für den Dienst zu ungünstigen Zeiten erhöht werden.

Haben Sie Sorge um die Innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Tonne: Nein, ich sorge mich nicht um die innere Sicherheit, weil dieses Land sicher ist. Unsere Polizei leistet hervorragende Arbeit. Wir werden die Polizeikommissariate in der Fläche deshalb auch erhalten. Ich freue mich, dass die Einbruchszahlen spürbar zurückgehen. Hieran werden wir weiter intensiv gemeinsam arbeiten.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Tonne: Niedersachsen kann stolz sein, dass wir eine sehr gut aufgestellte Justiz haben. Innerhalb der Justiz gibt es ein Personalbedarfsberechnungssystem.

Hieran orientieren wir uns. Es muss solange Personal eingestellt werden, bis wir bei einer Quote von 1,0 sind. In den letzten Jahren sind wir diesem Ziel deutlich nähergekommen.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Tonne: Ich werbe für ein gemeinsames Vorgehen in der Tierwohldebatte. Praxis, Forschung und Tierwohl sollen übereinandergelegt werden und dadurch von allen Seiten akzeptierte Tierwohlstandards festgelegt werden. All das passiert auf Basis des niedersächsischen Tierschutzplans. Mit Förderprogrammen wird der Bau/ Umbau von Ställen gefördert.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Tonne: Ich nehme die Ängste der Menschen sehr ernst, daher ist ein Mix an Maßnahmen erforderlich. Zum einen müssen auffällige Wölfe entnommen werden dürfen. Zum anderen bedarf es klarer Vorgaben, welche Schutzmaßnahmen Nutztierhalter vorzuhalten haben. Kommen Nutztiere zu Schaden, muss es eine schnelle Entschädigung geben.

Landtagswahl-Kandidaten im Porträt

In unserer Reihe „Kandidaten im Porträt“ stellen sich die Bewerber um ein Landtagsmandat vor. Grant Hendrik Tonne ist Landtagsabgeordneter der SPD, der 2013 im Wahlkreis Nienburg/Schaumburg 16.247 Stimmen und damit das zweitbeste Ergebnis errungen hatte. Tonne ist seit 1996 Mitglied im Gemeinderat Leese, seit 2006 ehrenamtlicher Bürgermeister der Gemeinde und seit 2011 stellvertretender Landrat im Landkreis Nienburg,

Rubriklistenbild: © SPD

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