Fünf Fragen an Landtagskandidaten in Nienburg/Schaumburg

Bernd Leweke (FDP): „Für den Anfang 1000 neue Polizisten“

Landkreis Nienburg - Dr. Bernd Leweke hat eine Aversion gegen Selbstüberschätzung: „Wenn einer, der mit Mühe kaum gestiegen ist auf einen Baum, schon denkt, dass er ein Vogel wär, so irrt sich der“, zitiert er Wilhelm Busch.

Der 70 Jahre alte Industriekaufmann und promovierte Diplom-Geologe im Ruhestand kandidiert für die FDP um ein Landtagsmandat. Er ist verheiratet und wohnt in Husum. Als seine Stärke beschreibt er „Zielstrebigkeit und Durchhaltevermögen“, und als Schwäche „Ungeduld“. Angst hat Leweke vor einer schweren Erkrankung. Im Interview vor der Landtagswahl am 15. Oktober nimmt er Stellung zu aktuellen landespolitischen Themen. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Wenn landesweit mindestens 300 Lehrer an den Schulen fehlen, weil es nicht genügend Bewerber gibt, dann ist das ein Kardinalproblem im Bildungsbereich. Denn Bildung schafft die Grundlagen für eine erfolgreiche Zukunft – persönlich, gesellschaftlich und wirtschaftlich. Wie wollen Sie das akute Lehrermangel-Problem lösen und wie wollen Sie das finanzieren?

Bernd Leweke: Der Landeshaushalt bietet jede Menge Möglichkeiten der Optimierung, sodass genügend Mittel für Bildungsausgaben bereitgestellt werden können. Bereits an Gymnasien und Gesamtschulen sollte der Lehrerberuf beworben werden. Die Lehrergehälter sollten bundeseinheitlich gleich sein.

Dass die Polizei in Niedersachsen verstärkt werden muss, ist – wie Wahlprogramme beweisen -– politisch unstrittig. Wieviele neue Kräfte wollen Sie einstellen – auch mit Blick auf die bevorstehende Pensionierungswelle? Und vor allem: Wie wollen Sie diese Polizisten in Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen?

Leweke: Wir von der FDP stellen uns für den Anfang 1000 neue Polizeistellen vor. Auch mit einem Realschulabschluss muss der Eintritt in die Polizeiausbildung möglich sein. Die Polizeiakademie Nienburg bietet bereits einen solchen Ausbildungsgang mit einer vorgeschalteten Ausbildung am Fachgymnasium.

Haben Sie Sorge um die innere Sicherheit in Niedersachsen? Wenn ja, was muss dann sofort umgesetzt werden?

Leweke: Die innere Sicherheit besorgt mich in der Tat. Die geringe Aufklärungsquote bei Einbruch-, Fahrraddiebstahl und Gewaltdelikten ist alarmierend und kann nur durch mehr Polizeipräsenz, sowohl auf der Straße als auch bei der Kriminalpolizei, bekämpft werden. Gewisse kriminelle Gruppen tanzen den Bürgern und auf der Nase herum. Das geht gar nicht.

Die Klagen über eine überlastete Justiz scheinen kein Ende zu nehmen. Der Niedersächsische Richterbund fordert 250 neue Stellen für Gerichte und Staatsanwaltschaften. Wie stehen Sie zu dieser Forderung?

Leweke: Diese Forderung unterstützen wir mit Nachdruck. Es gibt einen enormen Bearbeitungsstau, insbesondere bei Asylverfahren. Es kann nicht sein, dass viele Strafverfahren eingestellt werden, weil Richter und Staatsanwälte überlastet sind. Das untergräbt das Vertrauen der Menschen in den Rechtsstaat.

Niedersachsen hat Schwein – sprich mit 8,01 Millionen Borstentieren mehr Schweine als Bürger (7,7 Millionen Einwohner). Der Tierschutz in der Landwirtschaft hat deshalb – nicht nur für Schweine – enorme Bedeutung. Was würden Sie sofort verbessern?

Leweke: Ich habe vielfach vor Ort feststellen können, dass so viele Schweine nicht unbedingt mit Massentierhaltung gleichzusetzen sind. Viele Mastbetriebe betreiben hochprofessionelle Anlagen, deren Platzverhältnisse und hygienische Bedingungen vorbildlich sind. Verbessern würde ich die Förderung kleinerer Betriebe zur Optimierung des Stallbetriebs.

Die schätzungsweise 120 Wölfe in Niedersachsen haben laut Landesjägerschaft in neun Jahren 500 Nutztiere gerissen. Der Konflikt zwischen Nutztierhaltern und Wolfsanhängern wird immer schärfer. Haben Sie eine Lösung?

Leweke: Wir Freien Demokraten fordern die Aufnahme des Wolfes ins Jagdrecht, mit einer klaren Abschussquote und Besenderung, um die Wege der Rudel verfolgen zu können.

Es kann nicht sein, dass Viehhalter in zunehmendem Maße dem Risiko von Wolfsrissen wehrlos ausgesetzt sind. Der Wolfsbestand ist nicht ausrottungsgefährdet und hat in besiedelten Gebieten nichts zu suchen.

Landtagswahl-Kandidaten im Porträt

In unserer Reihe „Kandidaten im Porträt“ stellen sich die Bewerber um ein Landtagsmandat vor. Dr. Bernd Leweke kandidiert für die Liberalen erstmals im Wahlkreis Nienburg/Schaumburg, zu dem aus dem Landkeis Diepholz Wagenfeld und Kirchdorf gehören. Die FDP hatte bei den Landtagswahlen 2013 exakt 3 795 Stimmen und damit das viertbeste Ergebnis erzielt.

Rubriklistenbild: © SPD

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