Amt für Landesentwicklung stellt präzise Pläne vor

Trasse soll 2023 fertig sein

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Die Karte zeigt den überarbeiteten Trassenverlauf der neuen 380-kV-Leitung im Landkreis Nienburg.

Landkreis - Von Robin Grulke und Regine Suling. Das Amt für regionale Landesentwicklung (ArL) Lüneburg hat das Raumordnungsverfahren für eine neue 380-kV-Höchstspannungsleitung zwischen Dollern (Landkreis Stade) und Landesbergen abgeschlossen. Auf 800 Seiten beschreibt deren Studie, wo die Trasse entlanglaufen und wo das neue, zusätzlich benötigte Umspannwerk im Nordkreis gebaut werden soll.

Viele Interessierte waren am Donnerstag ins Gasthaus Hünecke nach Nordholz gekommen, um sich über den Stand der Planungen für die neue Stromtrasse von Stade nach Landesbergen zu informieren. Am gestrigen Freitagmorgen war ein weiterer sogenannter Infomarkt im Mühlengasthof in Landesbergen vorgesehen.

„In Reaktion auf die Beteiligungsverfahren konnte der Trassenverlauf an verschiedenen Stellen noch optimiert werden“, berichtet Dr. Stefano Panebianco vom ArL Lüneburg in einer Pressemitteilung. „Die vom ArL Lüneburg festgelegte Trasse folgt im Wesentlichen der Antragstrasse der Tennet.“ Im Bereich der Weseraue bei Landesbergen weicht das ArL aber von der Trassenführung von Tennet ab. 

Auch bei der Standortfrage für das neue Umspannwerk weicht das ArL Lüneburg vom Standortvorschlag von Tennet ab: „Der von TenneT beantragte Standort südlich von Magelsen weist eine vergleichsweise hohe Eignung auf, aber der im Beteiligungsverfahren von Landkreis Nienburg und Samtgemeinde Hoya zur Prüfung vorgeschlagene Standort östlich von Mehringen (Standort E) hat sich nach genauer Überprüfung der Standortvoraussetzungen als vorzugswürdig erwiesen“, schreibt Panebianco in seiner Mitteilung.

Der Standort E bei Mehringen habe größere Abstände zu Wohngebäuden. Der Netzbetreiber Tennet ersetzt mit der Leitung die bestehende 220-kV-Leitung und hatte das das Verfahren schon vor über vier Jahren eingeleitet. Aufgrund von Gesetzesänderung können jetzt einzelne Abschnitte als Erdkabel ausgeführt werden. Für die Stromleitung Stade-Landesbergen kommen diese für einen zwei Kilometer langen Streifen nördlich von Hoya und einen rund zweieinhalb Kilometer langen Abschnitt westlich von Wietzen in Frage. Dort quert die Hochspannungsleitung die Bundesstraße 6. Im Bereich Pennigsehl soll es eine 4,5 Kilometer lange Erdverkabelung geben. Für die Übergabestationen, an denen das Erdkabel auf eine Freileitung geführt wird und umgekehrt, werden immer rund 3 500 Quadratmeter benötigt. In Pennigsehl soll solch eine Station möglichst nicht ins Waldgebiet Binnerloh gelegt werden. 

Weitere Schritte 

Tennet plant, noch in diesem Jahr für den ersten Trassenabschnitt – nördlch von Sottrum – das Planfeststellungsverfahren einzuleiten. Zuständig für das Verfahren ist die Niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr (NLStBV) in Hannover. Für die anderen Abschnitte, auch die im Landkreis Nienburg, soll das Verfahren anschließend eingeleitet werden. Die Inbetriebnahme ist für 2023 geplant.

Für Landwirte und Grundstückseigentümer gibt es Entschädigungen, wenn Erdkabel auf ihren Grundstücken verlaufen oder Masten für Freileitungen gebaut werden. Allerdings warnt das Landvolk Mittelweser davor, die Entschädigungsverträge ungesehen zu unterschreiben.

Empfehlung: TenneT-Verträge nicht unterzeichnen

Einmalig entschädigen – und die betroffenen Flächen anschließend praktisch kostenfrei für 30 Jahre nutzen: Das schwebt dem Übertragungsnetzbetreiber, der TenneT TSO GmbH, vor, der aktuell zwei Stromleitungstrassen im Verbandsgebiet des Landvolk Mittelweser plant.

Dabei geht es um die Leitungstrassen Ganderkesee-St. Hülfe und Stade-Landesbergen. Aktuell suchen Planungsbüros die Eigentümer auf und bieten Verträge zur Entschädigungsregelung an. In einer Pressemitteilung warnt das Landvolk Mittelweser alle betroffenen Eigentümer davor, diese Verträge unbesehen zu unterschreiben.

In der Vergangenheit sei es üblich gewesen, dass die Energieversorger mit den zuständigen Landvolk-Kreisverbänden einen Rahmenvertrag für alle Entschädigungsfragen der Grundeigentümer abgeschlossen hätten, sagt Olaf Miermeister, Geschäftsführer des Landvolk Mittelweser. „TenneT hat uns ein Rahmenangebot unterbreitet. Die Entschädigung für die Eintragung einer Grunddienstbarkeit zu Gunsten von TenneT orientiert sich üblicherweise an den Verkehrswerten der betroffenen Grundstücke. Bei Freileitungen werden 20 Prozent des Verkehrswerts als Entschädigung angeboten, bei Erdkabeln 30 Prozent. 

Dazu kommen noch ein Beschleunigungszuschlag und eine Aufwandspauschale für Eigentümer und Bewirtschafter. Des Weiteren erfolgt ein Ausgleich für Flur- und Aufwuchsschäden“, so Miermeister. Im Bereich Ganderkesee-St. Hülfe bietet TenneT bei einem pauschalen Verkehrswert von acht Euro je Quadratmeter eine Entschädigung für eine Freileitung von 1,60 Euro je Quadratmeter (entspricht 20 Prozent) und für die Erdverkabelung 2,40 Euro je Quadratmeter (entspricht 30 Prozent) Schutzstreifen an.

Im Bereich Stade-Landesbergen offeriert TenneT zwei Entschädigungsvarianten: eine Zone mit einem Verkehrswert im Bereich bis 4,50 Euro und eine Zone mit einem Verkehrswert im Bereich bis 6,25 Euro, davon jeweils 20 Prozent als pauschale Entschädigung für Freileitungen. Die Entschädigungsregelungen für Erdkabel sind noch nicht bekannt.

Bei beiden Stromtrassen werde noch ein Zuschlag von jeweils 30 Cent je Quadratmeter Schutzstreifen als Energiewendebeschleunigungszuschlag angeboten, wenn der Vertrag innerhalb von acht Wochen unterschrieben werde. Die Bundesnetzagentur gewährt Energieversorgern dagegen für den Neubau von Leitungen aktuell eine Eigenkapitalrendite von etwa sieben Prozent.

Kommunen, auf deren Flächen Energieleitungen verlaufen, erhalten pro durchgeleiteter Kilowattstunde Strom eine Konzessionsabgabe von 1,32 Cent pro Kilowattstunden. Eine Abgabe, die vom Endverbraucher bezahlt wird.

„Vor diesem Hintergrund halten wir eine einmalige Entschädigung für die Eintragung einer Grunddienstbarkeit mit einer Laufzeit von rund 30 Jahren nicht mehr für angemessen und fordern einen wiederkehrenden Nachteilsausgleich für den dauerhaften Rechtsverlust am Grund und Boden“, macht Olaf Miermeister deutlich.

Der Schutzstreifen der Leitungstrassen wird etwa 25 Meter breit sein. Daraus würde sich dann im Fall der Leitung Ganderkesee – St. Hülfe eine einmalige Zahlung von 47,50 Euro je laufenden Meter Freileitung und je laufenden Meter Erdkabel 67,50 Euro ergeben. „Das Landvolk Mittelweser fordert einen wiederkehrenden Nachteilsausgleich für die dauerhafte Eintragung einer Grunddienstbarkeit von umgerechnet jährlich zehn Euro je laufenden Meter Leitungstrasse. Dies entspräche Energiekosten von weniger als 0,05 Cent je Kilowattstunde durchgeleiteten Stroms“, macht Olaf Miermeister deutlich.

Da TenneT dieser Forderung bis heute nicht nachgekommen sei und aufgrund dessen keine Rahmenvereinbarung zwischen TenneT und dem Landvolk Mittelweser geschlossen wurde, könne der Verband keine Empfehlung für den Abschluss einer Entschädigungsvereinbarung aussprechen.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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