Scharfzüngig und gnadenlos traf Humorist Dietmar Wischmeyer den richtigen Nerv beim Publikum

Lachtränen und Seitenstechen

KleinesGroßes Foto: Dietmar Wischmeyer entführte sein Publikum in eine erschreckend realistische Welt. Fotos: Hustedt

Hoya - WECHOLD (mhu) · Wenn Dietmar Wischmeyer zu Beginn seines satirischen Abends die Zuhörer über fehlende Garantieansprüche und zwingende Rahmenbedingungen aufklärt, sollte er besser auch einen Hinweis auf Risiken und Nebenwirkungen hinzufügen. Es kann nämlich durchaus sein, dass von ihm ausgelöste Kicher- und Lachattacken beim Publikum zu Tränenausbrüchen und schmerzhaftem Seitenstechen führen.

Mit diesen Nebenwirkungen konnte das Publikum in der Wecholder „Bernd-Voss-Arena“ – wie Wischmeyer die Halle liebevoll betitelte – jedoch sehr gut umgehen. Eigentlich waren ja auch alle aus genau diesem Grund gekommen. Und der Humorist aus dem Landkreis Schaumburg blieb seiner begeisterten Fangemeinde am Sonnabend nichts schuldig.

Zwischen Schalbrettern, Dachlatten und Glaswollpaketen, die sich ordentlich gestapelt an den Wänden der Veranstaltungshalle auftürmten, nahm der beliebte Protagonist am schlichten Schreibtisch Platz und entführte das Publikum ohne Umschweife in eine erschreckend realistische Welt aus deutschem Spießertum, intellektueller Finsternis und den aberwitzigen Ritualen unseres Alltags.

„Das Land soll wieder unser sein“, appellierte er inbrünstig, nachdem der 53-Jährige über die gut bürgerlichen Vorzüge der Grandprix-Teilnehmerin (und inzwischen auch Gewinnerin) Lena philosophiert hatte. Medienerfolg schien doch solchen „Casting-Zombies“ vorbehalten, die seit der vierten Zellteilung arbeitslos und mit gepiercten Freundinnen mit Speckrolle über dem Arschgeweih liiert seien..?

Die Frage danach, wann der erste Bundeskanzler Kevin heiße, brachte Wischmeyer weitere Lachsalven ein. „Kevin ist doch im Vordruck des Jobcenters schon eingetragen. Da muss man dann nur noch ankreuzen ob ja oder nein.“

Mit bildhafter Sprache führte der Autor, Kolumnist und Satiriker das Publikum durch die Abenteuer des Bürgertums, wie interkulturelle Waschmaschinen-Auslieferungen, zweifelhafte Telefon-Dienstleistungen und Abenteuerurlaub in der Wohnmobil-„Tupperdose“, dessen Reize im Entleeren des „Porta-Potty“-Campingklos gipfelten.

„Obwohl sie nicht in Gesamtschulen gehen, haben auch Pflanzen Läuse“, wusste der „Kleine Tierfreund“ zu berichten und appellierte außerdem an die Tierfreunde im Publikum, sich abzuwenden von dem ekelerregenden Dasein der drangsalierten Erd ratte „Spargel“. Das „Abstechen der provozierten Erektion“ sei zu verurteilen, der Spargel schützenswert.

Die ebenso derb-amüsanten wie scharfzüngigen Wortspiele ließen dem Publikum kaum Luft zum Atmen und Raum zur Erholung. Viel zu schnell schien der Abend vorbeizugehen. Zwei Zugaben rang das begeistert applaudierende Publikum dem Star des Abends schließlich ab, und die anschließende Signierzeit nutzten viele, um Dietmar Wischmeyer persönlich zu treffen und eine Fortsetzung seiner bevölkerungsnahen Sprach-Kunst in Form eines Buches oder einer CD mit nach Hause zu nehmen.

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