Aber: Stadt Nienburg verzichtet auf Unkrautvernichtungsmittel

Keine „Pestizidfreie Kommune“ im Landkreis Nienburg

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Die Zahl der Insekten ist in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten massiv geschrumpft.

Landkreis - Von Leif Rullhusen. Auf einer BUND-Liste mit Städten und Gemeinden, die auf den Einsatz von Pestiziden verzichten, steht nicht eine aus dem Landkreis Nienburg.

Dabei sind die Fakten alarmierend: Verschiedenen Studien zufolge hat die Zahl der Insekten innerhalb von nicht einmal drei Jahrzehnten in Deutschland um 75 Prozent abgenommen. Schrumpfende Lebensräume und extensiver Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln sind daran nicht unbeteiligt. Besonders in der Kritik steht der Einsatz von Glyphosat.

In Deutschland verzichten laut BUND bislang rund 160 Städte und Gemeinden bei der Bewirtschaftung ihrer Grünflächen auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln. In Niedersachsen setzten 14 Kommunen zumindest teilweise keine Pestizide mehr ein.

Gemeinden oder Städte aus dem Landkreis Nienburg sucht man auf dieser Liste des Umweltschutzverbandes allerdings vergeblich. Das bestätigt Landkreissprecher Cord Steinbrecher auf Blickpunkt-Nachfrage. „Ich habe keine Hinweise auf den freiwilligen Verzicht einzelner Kommunen finden können“, erklärt Steinbrecher. Eine Ausnahme gibt es allerdings doch: Die Kreisstadt setzt schon seit Jahren bei der Bewirtschaftung ihrer Wege und Grünflächen keine Pestizide mehr ein. „Wir haben uns statt dessen manuelle Geräte angeschafft, um unerwünschtes Grün zu beseitigen“, berichtet Lutz Scheele, Gärtnermeister beim Baubetriebshof in Nienburg. Die Fugen zwischen Gehwegplatten hält zum Beispiel eine sogenannte Unkrautbiene frei. „Damit wird das Grün abgebürstet. Die Wurzeln bleiben aber erhalten“, erläutert Scheele.

„Jetzt wäre nur ein entsprechender Beschluss des Stadtrates nötig, um auch auf der Landkarte der pestizidfreien Kommunen zu erscheinen“, fordert Lothar Gerner von der Nienburger BUND-Kreisgruppe. Ein solcher Beschluss könne Vorbild für andere Kommunen im Landkreis sein. Gerner hofft zudem, dass diese Initiative im gesamten Landkreis Nienburg umgesetzt wird. „Die ,Pestizidfreie Kommune’ wäre auch bei uns ein erster kleiner Schritt in die richtige Richtung“, betont Gerner. Neben dem Verzicht auf Pestizide bei der Pflege öffentlicher Grünflächen sollen im Rahmen der Initiative mehr Blühflächen angelegt und auch bei der Verpachtung eine entsprechende Pestizidfreiheit vereinbart werden.

Der BUND sieht aber nicht nur die Kommunen in der Verantwortung. „Es wäre schön, wenn dann auch in Privatgärten weniger gespritzt wird, damit wir giftfreien Honig und giftfreie Früchte essen können“, wünscht sich Erk Dallmeyer vom Nienburger BUND. Ein Mehr an Blühflächen helfe darüber hinaus der leidenden Insektenwelt.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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