Vorbeugen: Experten geben Tipps zum Schutz

Kaum ein Tag ohne Einbruch

Landkreis - Von Nikias Schmidetzki. Kaum ein Tag vergeht, an dem die Polizei nicht über wenigstens einen Einbruch berichtet. Die Schäden sind häufig immens, nicht nur aufgrund des Diebesgutes, zerstörte Türen und Fenster tun ihr Übriges, ganz zu schweigen vom unangenehmen Gefühl der Bewohner.

Mehr als 220 Einbrüche registrierte die Polizei schon in diesem Jahr im Landkreis Nienburg. Gefühlt schlagartig stiegen die Fälle in den vergangenen Wochen an – seit es ebenso gefühlt viel mehr dunkel ist. Dabei kommen die Täter längst nicht immer am späten Abend oder gar in der Nacht. Im Schutz der Dunkelheit fühlen sie sich dennoch oftmals sicherer, die anonymen Besucher. So war es der frühe Abend, an dem ungebetene Gäste am Dienstagabend der vergangenen Woche in ein Wohnhaus in Eystrup einstiegen. Gerademal zwei Stunden waren die Bewohner außer Haus – nur eben zum Einkaufen. Nur einen Tag später bekam die Polizei gleich drei Einbrüche gemeldet. In der Nacht in Rohrsen an der Fritz-Reuter-Straße, im Laufe des Tages in Oyle an der Bornbruchsheide und, das lässt sich recht gut einschätzen, zwischen 10.50 und 12.20 Uhr an der Nienburger Wilhelmshöhe. Schmuck und Bargeld fehlt, wie in den meisten Fällen. Gar von 120 000 Euro Schaden sprach ein Geschädigter aus Hassel Mitte Oktober. Besonders dreist: Die Täter hätten im Haus noch Bier getrunken.

Aber auch Betriebe sind nicht sicher. Beute in Höhe von 20 000 Euro machten Einbrecher in einer Werkstatt an der Hannoverschen Straße in Nienburg Anfang der Woche. Vom Nord- bis in den Südkreis meldet die Polizei Fälle, mal mit mehr Diebesgut, mal mit weniger. Bei einem Einbruch ins Berufsschulgebäude etwa ergatterten die Täter Bargeld aus Automaten, während der verursachte Schaden mit rund 15 000 Euro deutlich über dem des Diebesgutes liegt. Gleiches gilt in der Regel auch für die Einbrüche in andere Schulen und Kindergärten. Die Polizei jedenfalls ermittelt in diversen Fällen und setzt zusätzlich vermehrt auf Prävention.

Die gehäuften Fälle nimmt sie zum Anlass, über Einbruchschutz zu informieren. Am Dienstag, 17. November, im Begegnungszentrum Sprotte in der Nienburger Lehmwandlung und am Mittwoch, 25. November, in Vogelers Haus in Holtorf wollen Kriminalhauptkommissarin Heike Huguenin und Polizeihauptkommissar Dietmar Scholz, Beauftragter für Kriminalprävention, referieren. Darüber hinaus können unter Tel. 05021/ 9778 108 individuelle Beratungen zum Einbruchsschutz in Wohnungen und Gebäuden vereinbart werden.

Zu einigen wichtigen grundsätzlichen Verhaltensweisen rät die Initiative „Nicht bei mir!“, die unter anderem von der Polizeilichen Kriminalitätsprävention der Länder und des Bundes unterstützt wird: Wer etwa Anwesenheit vortäuscht, hat schon mal einen guten Schritt getan. Aber auch Bewegungsmelder, die im optimalen Fall so hoch angebracht sind, dass sie nicht manipuliert werden können, enttarnen mit Licht am Hauseingang, Kellerabgang und auf Wegen.

Zudem sollten Türen und Fenster abgesichert sein. Die Initiative empfiehlt sogenannte Zylinder- oder Einsteckschlösser mit Mehrpunktverriegelung, deren Riegel mindestens 20 Millimeter tief in das Schließblech greifen. Das Schloss sollte sich weder durch Gewalt noch durch falsche Schlüssel öffnen lassen. Auch Fenster lassen sich gesondert sichern. Das gilt auch für vermeintlich unwichtige, etwa zum Keller.

Bei Warnanlagen berichtet die Initiative über zwei Varianten. Die Einbruchmeldeanlage soll Einbrecher mit einem lauten Alarm abschrecken und einen Notruf absetzen. Möglich ist auch das Auslösen eines stillen Notrufs, der der Polizei die Möglichkeit gibt, Täter noch vor Ort zu schnappen. Laut „Nicht bei mir!“ gelang die Verhaftung in etwa drei Viertel der Fälle, in denen durch diese Technologie der Einbruch verhindert wurde. Die Gefahrenwarnanlage als Alternative schützt nicht nur vor Einbrechern, sie löst auch Alarm etwa bei Bränden oder Wasserschäden aus.

Mit Kameras lassen sich Grundstück und Gebäude überwachen. Moderne IP- oder Netzwerk-Kameras kommen sogar ohne Kabel klar. Selbst per Smartphone oder Tablet-Computer lassen sich die Bilder von überall verfolgen. „Die kleinen Geräte sind recht günstig in der Anschaffung und bieten im Vergleich zu vollwertigen Überwachungskameras viele Komfortfunktionen“, erklärt Moritz Wanke von der Zeitschrift „Chip“. Das fängt bei der Installation an: So genügt es, die Kamera per Netzwerk-Kabel oder WLAN an den Router zu koppeln, schon lässt sich das Videobild weltweit abrufen. Steht im Außenbereich keine Steckdose zur Verfügung, ist die Anschaffung einer IP-Kamera sinnvoll, die ihren Strom über das Netzwerkkabel bezieht.

Und noch was: Wer Fenster offen stehen lässt, lädt Einbrecher nicht nur geradezu ein. Er riskiert zusätzlich seinen Versicherungsschutz. Die Hausratversicherung kommt unter Umständen nicht für den Schaden im Einbruchsfalle auf. Eine Ausnahme kann es jedoch sein, wenn Versicherte in einem Mehrfamilienhaus in einem oberen Stockwerk leben. Aber auch da warnt Bianca Boss vom Bund der Versicherten (BdV): „Egal in welchem Stockwerk man wohnt, letztlich müssen Versicherte prüfen, ob Diebe beispielsweise über einen Baum oder den Balkon des Nachbarn leicht einsteigen können.“ Sei das der Fall, könne die Versicherung im Zweifel die Zahlung mit dem Hinweis auf grobe Fahrlässigkeit reduzieren. Deshalb ihr Hinweis: „Achten Sie darauf, dass die Versicherungsgesellschaft auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichtet.“

Wer der Polizei in Nienburg Hinweise zu Einbrüchen oder zu Verdächtigen geben kann, sollte das unter Tel. 05021/ 9 77 80 tun.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

Rubriklistenbild: © dpa

Korallen und Wesen aus der Tiefsee in Berlin zu sehen

Korallen und Wesen aus der Tiefsee in Berlin zu sehen

So bereitete sich Washington auf Trumps Vereidigung vor

So bereitete sich Washington auf Trumps Vereidigung vor

Selbstversuch unseres Redakteurs an Schwebebalken und Barren

Selbstversuch unseres Redakteurs an Schwebebalken und Barren

Das ist der BVB

Das ist der BVB

Meistgelesene Artikel

Feuer im Wohnhaus - Schaden von 250.000 Euro

Feuer im Wohnhaus - Schaden von 250.000 Euro

46-Jähriger aus Nienburg vermisst

46-Jähriger aus Nienburg vermisst

Mordprozess gegen verurteilten Sexualstraftäter wird fortgesetzt

Mordprozess gegen verurteilten Sexualstraftäter wird fortgesetzt

Vermisster Nienburger tot aufgefunden

Vermisster Nienburger tot aufgefunden

Kommentare