Schuldenfalle Fastfood / Schuldnerberatung im Kreis lässt 2011 Revue passieren

Jugendliche: Dabeisein kann teuer werden

Nienburg - Von Katrin PliszkaArbeitslosigkeit ist im Landkreis Nienburg die wesentliche Ursache für Überschuldung von Männern und Frauen. Das ist einer der Ergebnisse des Jahresberichts 2011, den jetzt die Schuldnerberatung des paritätischen Wohlfahrtsverbandes in Nienburg veröffentlicht hat.

„Das Niveau der Überschuldung ist seit vielen Jahren gleichbleibend hoch“, ist in dem Zahlenwerk zu lesen. Der Verband spricht von rund drei Millionen Haushalten, die landesweit überschuldet sind, das entspricht acht Prozent aller Haushalte. Die Anzahl der Verbraucher-Insolvenzen ist im für Nienburg zuständigen Insolvenzgerichtsbezirk Syke stark gestiegen. Trotz guter Arbeitsmarktdaten sind die Arbeitslosigkeit und ihre Folgen wesentliche Ursachen für die Überschuldung, so der Verband.

Die Schuldnerberatung im Kreis ruht auf den Schultern von Wolfgang Lippel, der 2011 insgesamt 139 Personen (2010: 141) aus dem Stadtgebiet und dem Landkreis beraten hat. Diese Zahl sei im Vergleich zu den Vorjahren konstant geblieben, so der Schuldnerberater. Lippel ist damit nach eigenem Bekunden voll ausgelastet, was eine Ausweitung der Beratungen unmöglich mache.

Ratsuchende vor allem aus dem Stadtgebiet

Die Ratsuchenden auf der anderen Seite des Schreibtisches kommen dem Bericht zufolge vor allen Dingen aus dem Stadtgebiet (65 Personen), Mittelweser (16) und Hoya (15). Männer und Frauen haben gleichermaßen Lippels Rat gesucht. Diese Tendenz ist neu. „In den Vorjahren suchten mehr Männer als Frauen unsere Beratungsstelle auf“, sagt Lippel. Die Gründe für diese Entwicklung kennt er nicht, er könne kein unterschiedliches Konsumverhalten ausmachen, so der Experte.

Der Löwenanteil der Klienten ist zwischen 40 und 50 Jahre alt. „Wie in den Vorjahren“, ordnet der Schuldenberater das Zahlenwerk ein. Lippels Aufzeichnungen zeigen zudem, dass junge Menschen nur selten den Weg in die Beratungsstelle finden, in 2011 waren es fünf Personen unter 20 Jahren. „Hier ist die Hemmschwelle einfach groß. Was nicht heißt, dass es hier keine Schulden gibt“, betont Lippel.

Schulden würden aber in diesem Alter meist noch in der Familie geregelt. Es handele sich meist zunächst um überschaubare Summen, die sich aber im Laufe der Jahre häuften. Bei Jugendlichen sind Lippel zufolge meist Mobilfunkanbieter, Internetanbieter oder auch mal Modeunternehmen wie H&M unter den Gläubigern.

Im Laufe seiner Beratung hat er festgestellt, dass auch Fastfood-Ketten zur Schuldenfalle werden können. „Die Kids wollen natürlich mit ihren Leuten zu Pizzahut und so. Sie wollen dazugehören“, weiß Lippel. Gerade die Fastfood-Anbieter in der Stadt Nienburg seien wie Magnete für die Jugendlichen.

Ein weiteres Thema, das Lippel am Herzen liegt, ist das in 2010 eingeführte Pfändungsschutz-Konto, kurz P-Konto. „Seit 2011 gibt es keinen Pfändungsschutz mehr auf regulären Girokonten“, so Lippel. Das bescherte den Geldinstituten eine Nachfrage nach P-Konten und Lippel zahlreiche Nachfragen nach entsprechenden Bescheinigungen für die Banken. So habe er nach insgesamt 222 Nachfragen 185 P-Konto-Bescheinigungen ausgestellt.

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