Im Kreis Nienburg sinkt Zahl der Inobhutnahmen – entgegen dem Landestrend

Jugendamt nimmt weniger Kinder aus ihren Familien

Nienburg - Von Daniel WiechertDie Zahlen des Landesbetriebes für Statistik aus Hannover ließen aufhorchen: 3 561 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren wurden 2011 durch die Jugendämter in Obhut genommen. Das bedeutet einen Anstieg von 15 Prozent in nur einem Jahr. Bereiten diese Zahlen Sorgen, umso ermutigender ist der Trend im Landkreis Nienburg.

Eine Inobhutnahme ist eine kurzfristige Maßnahme der Jugendämter, die Kinder aus den Familien zu holen, um sie vor akuten, sie gefährdenden Situationen zu beschützen.

Nach Zahlen des Landkreises nahm das Jugendamt 2011 60 Kinder und Jugendliche aus ihren Familien, und brachte sie in stationären Jugendhilfe-Einrichtungen oder bei Pflegeeltern unter. Das sind 1,68 Prozent von den landesweiten Inobhutnahmen. Was zunächst wenig erscheint, relativiert sich dadurch, dass der Landkreis auch nur 1,55 Prozent der niedersächsischen Bevölkerung ausmacht.

Es sind aber andere Zahlen, die Hoffnung machen. Denn während landesweit innerhalb eines Jahres ein Anstieg von 15 Prozent zu verzeichnen ist, gehen die Fallzahlen im Landkreis Nienburg stetig zurück. Waren 2009 noch 89 Inobhutnahmen zu verzeichnen, gingen die Zahlen von 71 in 2010 schließlich auf die 60 im vergangenen Jahr zurück.

„Die Gründe für eine Inobhutnahme sind immer auf eine höchst individuelle Situation zurückzuführen. Daher lassen sich aus der Fallzahlentwicklung derzeit keine verlässslichen Tendenzen, Prognosen oder Rückschlüsse ziehen“, teilt der Landkreis Nienburg mit. Tatsächlich ist die Bandbreite der Gründe lang: Anzeichen für Misshandlung oder für sexuellen Missbrauch, Vernachlässigung, Überforderung der Eltern, Kriminalität oder Suchtprobleme können ausschlaggebend sein, dass das Jugendamt eingreifen muss. Im Landkreis Nienburg seien es zumeist familiäre Probleme oder Gewalt, seltener Abhängigkeitsprobleme bei den Kindern und Jugendlichen, teilt das Büro des Landrates mit.

Auffällig ist, dass sich bei den Zahlen ein klares „Risikoalter“ herauskristallisiert. Von den 45 Kindern und Jugendlichen, die in Nienburg in diesem Jahr bisher aus ihren Familien genommen wurden, sind 27 zwischen 13 und 18 Jahre alt. Spannungsverhältnisse zwischen Eltern und Kind während der Pubertät und zunehmende schulische Probleme oder der erste Kontakt mit Drogen seien in diesem Alter die Gründe für eine eskalierende Situation, die ein Zusammenleben in der Familie erschweren.

Hinweise, die dazu führten, dass das Jugendamt die Betroffenen aus den Familien holte, gaben im Landkreis vor allem die Polizei (48 Prozent) sowie die Kinder und Jugendlichen selbst (44). Lediglich zwei Prozent der Betroffenen, die schließlich aus den Familien geholt werden, wurden von „Dritten“ (zum Beispiel: Nachbarn) gemeldet.

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