1. Startseite
  2. Lokales
  3. Landkreis Nienburg

Im Bewusstsein der Schuld: Polizei Nienburg kooperiert mit Gedenkstätte

Erstellt:

Kommentare

Während der Führungskräftetagung der Polizei besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Gelände der Pulverfabrik.
Während der Führungskräftetagung der Polizei besuchten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer das Gelände der Pulverfabrik. © Polizei

Die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg kooperiert mit der Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau. Gemeinsam wollen sie die Demokratie stärken.

Liebenau/Nienburg – Die Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau und die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg wollen in Zukunft gemeinsam die Auseinandersetzung mit den Verbrechen des NS-Regimes fördern und sich für die Stärkung der Demokratie einsetzen. Zu diesem Zweck haben sie eine Kooperationsvereinbarung unterzeichnet.

Gestapo Hannover hat ein „Arbeitserziehungslager“ auf dem Gelände der Pulverfabrik geleitet

„Der im Jahre 1999 gegründete Verein dokumentiert auf eindrucksvolle und denkwürdige Art und Weise die Machenschaften des NS-Regimes rund um die ehemalige Pulverfabrik in Liebenau und leistet mit seinen historischen Recherchen bedeutende Bildungsarbeit, gerade auch zur Rolle der Polizei“, erklärt die Polizeiinspektion Nienburg/Schaumburg in einer Pressemitteilung.

Auf dem Gelände der Pulverfabrik waren während des Nationalsozialismus mehr als 84 Kilometer Betonstraßen, 42 Kilometer Eisenbahnschienen sowie etwa 400 Gebäude errichtet worden. Dort befand sich außerdem ein „Arbeitserziehungslager“, geleitet durch die Gestapoleitstelle Hannover. Tausende Häftlinge sind dort „unmenschlich und grausam behandelt“ worden. Viele Menschen sind sowohl im Lager, als auch der Pulverfabrik zu Tode gekommen.

„Da eine Tatbeteiligung der damaligen Polizei historisch belegt ist, hat sich die Inspektion dazu entschieden, eine Kooperation mit der ,Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V.’ einzugehen“. So soll gemeinsam und langfristig die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Grausamkeiten während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in der Region gefördert werden“, betont Inspektionsleiter Mathias Schröder in der Mitteilung.

Inspektionsleiter Mathias Schröder: Man kann nicht genug auf die Bedeutung der Demokratie hinweisen

Martin Guse, Leiter der Dokumentationsstelle, erläuterte, was es für jeden einzelnen bedeute, aus der NS-Vergangenheit zu lernen: Das Hinterfragen eigener aktueller Vorurteile und Ressentiments und die kritische Selbstreflexion, der sich ihm zufolge insbesondere auch Institutionen wie Polizei und Verwaltung stellen sollten.

In Liebenau erlange das Thema eine besondere Präsenz aufgrund des unmittelbaren räumlichen Bezugs auf Opfer und Täter. So ist in der Kooperationsvereinbarung „die gemeinsame Erkenntnis, dass die Todesopfer der NS-Zwangsarbeit in der Pulverfabrik Liebenau und des ,Arbeitererziehungslagers’ Liebenau zur Wahrung des Friedens und zu unveräußerlichen Menschenrechten mahnen“ festgehalten.

Die Pulverpresse befand sich einst in diesem jetzt verfallenen Gebäude.
Die Pulverpresse befand sich einst in diesem jetzt verfallenen Gebäude. © Polizei

Mathias Schröder blickte weiterhin auf den Status quo in Europa und schloss daraus: „Gerade in der aktuellen Krise mit einem neuen Krieg in Europa kann nach unserer Überzeugung nicht deutlich genug auf die Bedeutung der Demokratie und der festen Verankerung der Polizei darin hingewiesen werden.“

Neubautrakt der ehemaligen Liebenauer Schule wird zur Gedenk- und Bildungsstätte

Die Unterzeichnung fand während der Führungskräftetagung der Polizeiinspektion statt, an der mehr als 50 Führungs- und Fachkräfte teilnahmen. Vorangegangen sei eine Besichtigung des weitläufigen Geländes der ehemaligen Pulverfabrik, geführt von Martin Guse.

Insbesondere die ausführlichen Schilderungen Guses über die grausamen Schicksale verschiedener Zeitzeugen habe tiefe Betroffenheit erzeugt, zum Nachdenken angeregt und zugleich aufgezeigt, wie essenziell die Demokratie für ein friedvolles Miteinander sowie die Wahrung der Menschenrechte ist.

Über den Abschluss der Kooperationsvereinbarung freuen sich Martin Guse (Leiter der Dokumentationsstelle, v.l.), Mathias Schröder (Leiter der Polizeiinspektion) und Walter Eisner (Erster Vorsitzender des Vereins).
Über den Abschluss der Kooperationsvereinbarung freuen sich Martin Guse (Leiter der Dokumentationsstelle, v.l.), Mathias Schröder (Leiter der Polizeiinspektion) und Walter Eisner (Erster Vorsitzender des Vereins). © Polizei

Martin Guse, Mathias Schröder und Walter Eisner, Erster Vorsitzender des Vereins und ehemaliger Bürgermeister der Samtgemeinde Liebenau, unterzeichneten den Kooperationsvertrag im Neubautrakt der ehemaligen Schule in Liebenau, der aktuell als Gedenk- und Bildungsstätte eingerichtet wird.

Schröder überreichte dem Verein einen mit Gravur versehen besonderen Kalksandstein, und setzte nach Aussage der Polizei damit symbolisch den Grundstein für eine fortan bestehende tiefe Verbundenheit und Unterstützung. Walter Eisner dankte für das Geschenk und zeigte sich überzeugt, dass alle Akteure einer „fruchtbaren Kooperation“ entgegenblicken dürfen.

Führungen

Die Dokumentationsstelle Pulverfabrik Liebenau e.V. bietet regelmäßig Führungen auf dem Gelände der ehemaligen Pulverfabrik an. Für Auskünfte steht Martin Guse unter 05023/1575 (AB) sowie per E-Mail an pulverfabrik@martinguse.de zur Verfügung.

Auch interessant

Kommentare