IHK: Aufwendige Dokumentation ist problematisch

Mindestlohn: Mehr Jobs im Landkreis Nienburg

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Besonders betroffen ist die Gastronomie von der Einführung des Mindestlohns. In Nienburg ist die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Branche seit dem leicht rückläufig.

Landkreis - von Leif Rullhusen. Jobmotor oder Konjunkturkiller: Der Mindestlohn war schon vor seiner Einführung ein heiß diskutiertes Thema – und ist es noch immer. Das Pestel-Institut in Hannover veröffentlichte jetzt die Studie „Ein Jahr Mindestlohn“.

Die nimmt unter anderem die regionale Beschäftigungssituation im Landkreis Nienburg unter die Lupe. Das Fazit der Studie, die die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) in Auftrag geben hatte, bescheinigt dem Mindestlohn positive Beschäftigungseffekte für den Landkreis Nienburg. Gut 600 Menschen mehr hätten demnach im vergangenen Sommer einen Job gehabt, als im Jahr zuvor. „Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde hat den Beschäftigten gut getan. Und er hat der Wirtschaft nicht geschadet“, erklärt NGG-Geschäftsführer Thomas Bernhard. Das Lohn-Plus habe dem Landkreis Nienburg vielmehr eine höhere Kaufkraft beschert, von der insbesondere auch die heimische Wirtschaft profitiert habe.

Das trifft allerdings nicht auf sämtliche Branchen in gleichem Umfang zu. Besonders betroffen ist die Gastronomie. Etwa jeder Dritte arbeitete dort bundesweit vor dessen Einführung unter dem Mindestlohn. Trotzdem, so bilanziert die Studie des Pestel-Instituts, habe die Zahl der Beschäftigten insgesamt, wie auch der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zugenommen. Nicht im Landkreis Nienburg: Hier steht ein minimaler Zuwachs der Beschäftigten von etwa einem Prozent einem leichten Rückgang der sozialversicherungspflichtig tätigen Angestellten um 2,3 Prozent gegenüber.

Gestiegene Lohnkosten aufgrund des Mindestlohnes sehen Nienburgs Gastronomen trotzdem nicht als das eigentliche Problem an. „Die halten sich bei uns im Rahmen“, berichtet Jörg Werfelmann, Geschäftsführer des Neuloher Hofes und zweiter Vorsitzender der Kreis-Dehoga. Die habe die Gastronomie auffangen können. Viel kritischer sei die durch die Gesetzesänderung notwendig gewordene Dokumentation. Werfelmann: „Das ist ein enormer zusätzlicher Zeitaufwand.“ Die Argumentation der NGG, das Lohn-Plus beschere der heimischen Wirtschaft eine höhere Kaufkraft, kann er für das Gastgewerbe nicht nachvollziehen. Bei Anfragen stehe fast immer der Preis und nicht die Qualität im Vordergrund.

„Im Handwerk ist der Mindestlohn kein Thema“, erklärt der Vorsitzende Kreishandwerksmeister Thomas Gehre. „Die im Handwerk gezahlten Löhne liegen weit darüber.“ Kein Handwerksbetrieb könne es sich derzeit leisten, eine Fachkraft zu verlieren. Seit Jahren bestimmt hier bereits ein Fachkräftemangel den Arbeitsmarkt.

Der Mindestlohn werde von den Unternehmen in der Sache überhaupt nicht in Frage gestellt, berichtet Andreas Raetsch, Geschäftsstellenleiter der IHK in Nienburg. „Die völlig überzogenen Regeln und Kontrollen aber durchaus“, kritisiert er. Insbesondere die mit dem Mindestlohngesetz verbundenen Dokumentations- und Nachweispflichten seien problematisch, bestätigt Raetsch die Kritik von Werfelmann. „Sie führen in den Unternehmen zu deutlichem Mehraufwand bis zur Einführung neuer Zeiterfassungssysteme. Dabei gibt es bei diesen neuen Pflichten noch viele ungeklärte Fragen und damit Rechtsunsicherheiten“, bemängelt der IHK-Geschäftsstellenleiter. Das erfordere zusätzliche Personalressourcen – auch für Betriebe, die bereits vorab über dem Mindestlohn zahlten. Besonders deutlich würden sich Probleme beim Besetzen von Praktikumsstellen abzeichnen. Über die Hälfte der Unternehmen hätten laut einer IHK-Umfrage erklärt, künftig weniger oder gar keine Praktikumsstellen anbieten zu wollen. Von diesem Problem sei auch das Handwerk betroffen, bestätigt Thomas Gehre.

Quelle: BlickPunkt Nienburg

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