Fünfjährige aus Duddenhausen leidet an Diabetes

Hund „Svip“ riecht Mias Zuckerspiegel

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„Svip“ und Mia im Garten. Der Golden-Retriever-Welpe ist in Ausbildung zum Diabetiker-Warnhund und soll nach seiner Prüfung ständiger Begleiter der Fünfjährigen sein.

Duddenhausen - Von Kurt Henschel · Mia ist fünf Jahre alt. Seit knapp einem Jahr steht fest, dass sie an einer schweren Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt ist. Die Krankheit veränderte Mias Leben enorm: Ständig muss sie ihre Blutzuckerwerte kontrollieren – vor den Mahlzeiten, im Kindergarten und auch nachts.

Sie kann nicht mehr ohne Unterbrechungen spielen, keine Nacht durchschlafen oder sich ohne Aufsicht eines Erwachsenen mit Freunden verabreden.

Ihre Eltern, Nadine und Torsten Kielmann aus Duddenhausen, müssen Mia ständig daran erinnern, ihre Blutzuckerwerte zu prüfen. Sie ist mit ihren fünf Jahren viel zu jung, um selbst an die Kontrollen zu denken oder erste Anzeichen einer lebensgefährlichen Unterzuckerung rechtzeitig zu erkennen.

„Selbst für die meisten Erwachsenen ist das schon sehr schwer“, sagt Mutter Nadine. Und sie weiß: „Für ein Kind ist das ein richtiger Einschnitt ins Leben.“ Selbst dann, wenn es ihr gutgehe, könne Mia nicht so unbekümmert Kind sein wie gleichaltrige Mädchen, da ihre Diabetes durch die ständigen Kontrollen ihren Alltag bestimmt.

Ohne regelmäßige Messungen kann Mia nicht feststellen, ob sie zusätzliches Insulin benötigt oder Kohlehydrate essen muss. Besonders zu Beginn der Erkrankung sei Mia sehr unsicher gewesen.

Am meisten leidet die Fünfjährige darunter, dass ihre Freiheit eingeschränkt ist. „Vor der Erkrankung hat sie viel mit anderen Kindern im Freien herumgetobt. Das geht jetzt kaum noch“, so ihre Mama, die nicht ständig als Aufpasserin mitkommen könne.

Das soll bald alles anders sein: Mia hat über die „Aktion Kinderwunsch“ in Hannover einen Hund bekommen – und zwar einen mit besonderen Fähigkeiten. Es ist „Svip“, ein zehn Wochen alter Golden-Retriever-Welpe. Seine Berufung: Diabetiker-Warnhund. Er kann nach Abschluss seiner Spezial-Ausbildung, bei der Expertin Kati Zimmermann (Eckernförde) „Svip“ den für Menschen nicht wahrnehmbaren Unterzuckerungs-Geruch antrainiert, Mias Zuckerspiegel riechen und warnen, sobald Hilfe nötig ist. Eine deutliche Entlastung für die Eltern sowie die Geschwister Elisa (zwölf Jahre alt) und den dreijährigen Erik.

„Am 4. November vergangenen Jahres haben wir die Diagnose erhalten“, erklärt Nadine Kielmann. „Seitdem ist alles auf Mia fixiert“, so die 35-Jährige, die mit ihrem 39-jährigen Mann zunächst einmal den Diagnose-Schock zu verarbeiten hatte. Nadine Kielmann steht in der Nacht alle zwei Stunden auf, um den Zuckerspiegel ihrer Tochter zu überprüfen und entsprechend zu handeln. „Das ist sehr anstrengend und belastend“, sagt die ausgebildete Krankenschwester. Ihr Beruf nütze ihr allerdings recht wenig: „Beim eigenen Kind ist alles anders.“

Ja. Alles anders. Nadine Kielmann kann nirgends allein hingehen, Mia muss immer mit. Wenn Mia zum Kinder-Geburtstag geht, muss Mama ebenfalls dabeisein, um zu schauen, was es dort zu essen gibt.

Wenn „Svip“ ausgebildet ist, begleitet er Mia ständig. Er trägt dann eine Weste, die ihn als ausgebildeten Diabetiker-Warnhund ausweist. Er darf dann auch offiziell dorthin, wohin Hunde sonst nicht dürfen. Mia ist wegen ihrer Erkrankung schwerbehindert – und auf „Svip“ angewiesen. Das macht beide zu einem unzertrennlichen Paar.

Mia kennt ihre Erkrankung, wollte sie anfangs allerdings nicht akzeptieren: „Warum habe ich das?“, hat sie ihre Eltern immer wieder gefragt. „Inzwischen geht sie ganz toll damit um – mit ihrer Insulin-Pumpe und auch mit dem häufigen Pieksen“, freut sich Nadine Kielmann über ihr aufgewecktes und temperamentvolles Kind, dem eigentlich nichts von seinem Schicksal anzumerken ist.

Nadine und Torsten Kielmann würden sich freuen, wenn sich „mehr Menschen über diese Krankheit informierten“. Und sie hoffen auf ein Ende bestimmter „Sprüche“ wie beispielsweise: „Na, da habt ihr euer Kind wohl völlig falsch ernährt.“ „Alles Quatsch“, sagt Nadine Kielmann. Diabetes könne jeden treffen. Entweder sei es erblich oder durch eine Infektion ausgelöst. Die Ursache bei Mia ist unbekannt. Mit ihr muss sie nun leben. Und „Svip“ soll auf sie aufpassen.

Mehr über die „Aktion Kindertraum“ sowie das Spendenkonto gibt es im Internet unter

http://www.aktion-kindertraum.de

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