Ärzte, Pastoren, Pflegende sowie Ehrenamtliche treffen sich in Loccum

Hospiztagung zeigt Facetten von „gutem Sterben“ auf

Studienleiterin Gabriele Arndt-Sandrock: „Gutes Sterben kann viele Gesichter haben. ·

Nienburg - LOCCUM · Was ist gutes Sterben? Die Frage nach dem, was vor dem Tod kommt – nämlich das Sterben – wird in der Evangelischen Akademie Loccum bereits seit 15 Jahren behandelt.

Einzigartig in Deutschland sind die Hospiztagungen, zu denen sowohl Ärzte als auch Pastoren, Pflegende und Haupt- wie Ehrenamtliche, die in Hospizen und auf Palliativstationen arbeiten, zum Austausch zusammenkommen.

Die Pionierphase ist vorbei. Vielen Widerständen zum Trotz hat sich die Hospizbewegung seit den 1980er-Jahren in Deutschland ausgebreitet, hat es geschafft, Hospize und Palliativeinrichtungen zu gründen, ambulante Hospizdienste zu initiieren und arbeitet nicht mehr nur mit ehrenamtlichen, sondern vermehrt auch mit hauptamtlichen Kräften. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Sterben gehört schon fast zum guten Ton, der Wunsch nach „gutem Sterben“ ohnehin.

Das Bedürfnis nach Austausch derjenigen, die haupt- oder ehrenamtlich das Sterben immer wieder erleben, ist über den vielen Errungenschaften aber nicht kleiner geworden. Das merkt Gabriele Arndt-Sand rock Jahr für Jahr, wenn sie zu den Hospiztagungen in der Loccumer Akademie einlädt. 40 Menschen auf der Warteliste ist der Stand wenige Wochen vor Beginn der Tagung – und das, obwohl alle 170 Betten der Einrichtung an diesen Tagen ausschließlich den Gästen dieser Tagung zur Verfügung stehen.

„Der Ursprung der Tagungen war es, den Hospizgedanken zu verankern und allen, die damit beschäftigt waren, zu zeigen, dass sie nicht allein mit ihrem Ansinnen sind“, sagt die Studienleiterin. Das Verankern ist gelungen, die Tagungen dauern an. Und die Fragen sind im Laufe der Jahre nicht weniger geworden.

Was sind die neuen Herausforderungen, die sich jenseits der Pionierarbeit ergeben, quasi im „Alltagsgeschäft des guten Sterbens“? Was, wenn der Sterbende die durch langjährige Erfahrung und Erforschung entwickelten professionellen Hilfen beim Sterben nicht annehmen kann oder will? Und was soll sein, wenn das Sterben trotz aller Bemühungen nicht sanft, schmerzfrei und in Würde vonstatten geht? Entwickelt sich so etwas wie eine Norm für „gutes Sterben“? Ist das Individuelle des eigenen Todes planbar? Oder bemisst es sich an Maßstäben, die von der Gesellschaft festgelegt werden?

„Tod ist nicht schwarz, sondern silbern“

„Gutes Sterben“, sagt Arndt-Sandrock, „kann viele Gesichter haben.“ Als gutes Sterben hat sie die letzten Monate einer Freundin empfunden, bei der nach der Diagnose „Krebs“ alle medizinischen Möglichkeiten ausgeschöpft waren. „Der Tod ist nicht schwarz, sondern silbern“, gab die Freundin ihr mit auf den Weg, als sie bereits im Hospiz lag. Ihre Freundin habe aus dem Gespräch mit einem Seelsorger den Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte…“) für sich als Kraftquelle und Weg zum Tod entdeckt, erzählt die Studienleiterin. Das habe ihr diesen Weg sehr erleichtert.

Abschied, Gehen und Gehenlassen bedeutete für Arndt-Sandrock aber auch das Sterben ihres Vaters. „Damals habe ich erfahren, dass auch mit dem vollen Aufgebot der Apparatemedizin ein würdevolles Sterben möglich ist“, erzählt sie. So, wie das Pflegepersonal sich um ihren Vater gekümmert habe, als er nach einer Operation im Koma lag, sei seine Würde gewahrt geblieben. Und so, wie seine Familie bei ihm sein konnte, als die Ärzte ihm keine Chance mehr gaben und die Maschinen, die seinen Kreislauf unterstützten, abgestellt wurden, sei es ein Sterben eines Menschen gewesen, der altersschwach aus dem Leben scheide. Gutes Sterben ohne Hospiz? Auch das ist eine der Fragen, denen sich die Teilnehmer während der Tagung stellen.

Mit den Fragen nach der Vielfalt des Sterbens, der Notwendigkeit der Hospiz- und Palliativarbeit und den vielen persönlichen Empfindungen, was denn nun wirklich „gutes Sterben“ ist, sind vom 13. bis 15. April alle Teilnehmer der Hospiztagung beschäftigt. Wer im kommenden Jahr die Hospiztagung miterleben möchte, findet Informationen zum Termin und zum Thema ab November diesen Jahres im Internet unter http://www.loccum.de.

Die Dokumentation der Tagung soll in einem Band der „Loccumer Protokolle“ zusammengefasst und unter karin.hahn@evlka.de zu bestellen sein. · ade

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