Zwei Tankstellen überfallen

Hohe Strafe für 21-jährigen Räuber

Wegen besonders schwerer Raubes hat das Landgericht Verden einen jungen Tankstellenräuber verurteilt. 
Foto: dpa
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Wegen besonders schwerer Raubes hat das Landgericht Verden einen jungen Tankstellenräuber verurteilt. Foto: dpa

Nienburg – Keine 24 Stunden nachdem das Amtsgericht Nienburg einen 21 Jahre alten Angeklagten zu einer Bewährungsstrafe verurteilt hatte, überfiel er zwei Tankstellen in der Hannoverschen Straße. Am Mittwoch wurde der Mann am Landgericht Verden wegen besonders schweren Raubes zu vier Jahren und drei Monaten Haft verurteilt und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet.

Das Strafmaß war eine Überraschung, denn es liegt deutlich über den Anträgen des Verteidigers und des Staatsanwaltes. Zweieinhalb beziehungsweise drei Jahre hatten diese gefordert. „Die Höhe der Strafe ist für Sie nur von Bedeutung, falls Sie die Maßregel nicht erfolgreich durchstehen sollten. Sie haben es also in der Hand“, erklärte der Vorsitzende Richter Dr. Andreas Ortmann dem Angeklagten zu Beginn der Urteilsverkündung.

Kurz nach 6 Uhr am Morgen des 16. Januar 2020 hatte der 21-Jährige erst die Inhaberin der Star-Tankstelle mit einem Messer bedroht und Geld gefordert (wir berichteten). Doch die Frau hatte den Kasseneinsatz an sich gerissen und dem Räuber gedroht, ihn damit zu schlagen. Der Angeklagte hatte daraufhin den Verkaufsraum verlassen und sich direkt auf den Weg zu einer Classic-Tankstelle gemacht, wo er wenige Minuten später 206 Euro erbeutete. Doch noch am selben Morgen wurde er mit dem Geld vor der Wohnung eines Freundes festgenommen.

Dort hatte er vor der Tat mit mehreren Personen die Nacht durchgemacht. Erstmalig will er sich dabei „Benzos“ eingeworfen haben. 16 Tabletten mit dem Wirkstoff Benzodiazepin. Dies habe ihn „unruhig“ werden lassen, hieß es im gestrigen Urteil. Die Anwesenden mussten den damals Obdachlosen mehrfach zurückhalten, als er sich aufmachen wollte, um Geld „zu holen“. Als alle auf dem Balkon rauchen waren, habe er sich ein Messer aus der Küche geschnappt und sich auf zur Tankstelle gemacht.

Eine verminderte Schuldfähigkeit ließ die Kammer auf Grund der Tabletten und Alkoholisierung gelten. Positiv wurden seine Reue gewertet und dass er das Messer nicht in Verletzungsabsicht mitgenommen habe. Doch erschwerend fielen seine Vorstrafen ins Gewicht. Insgesamt vier Stück. Wegen Diebstahls und versuchter Brandstiftung war er nur einen Tag zuvor verurteilt worden – unter Einbeziehung vorheriger Jugendstrafen zu 22 Monaten auf Bewährung. Diesbezüglich droht dem Angeklagten nun ein Bewährungswiderruf.

Zur Überzeugung der Kammer besteht bei dem 21-Jährigen ein chronischer Alkoholismus und eine Polytoxikomanie. Im Maßregelvollzug soll er davon befreit werden. Als „dringend therapiebedürftig“ bezeichnete ihn der Vorsitzende. „Ansonsten sind weiterer erhebliche Taten zu erwarten.“

Ein Vorwegvollzug von drei Monaten wurde angeordnet, die bereits mit der Untersuchungshaft abgegolten sind. Bis zum Beginn der Therapie, die in der Regel zwei Jahre dauert, bleibt der Angeklagte jedoch in Haft. „Wenn sie die Therapie dann durchhalten und erfolgreich sind, dann haben sie keine weitere Freiheitsstrafe zu verbüßen“, erklärte ihm der Vorsitzende. Andernfalls muss er die gestern verhängte Freiheitsstrafe plus die 22 Monate absitzen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Von Wiebke Bruns

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