Land und Landeskirche bekunden bei Epiphaniasempfang im Kloster Loccum Willen zur Zusammenarbeit

Von Härtefällen und Gnadenlosigkeit

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Nicht zum ersten Mal tauschen David McAllister (l.) und Horst Hirschler gute Wünsche für ein neues Jahr aus.

Nienburg - Von Beate Ney-JanßenLOCCUM · In drangvoller oder – je nach Betrachtungsweise – kuscheliger Enge haben Landeskirche und Kloster Loccum ihren Neujahrsempfang im altehrwürdigen Refektorium des Klosters begangen. Kirchenvertreter sind dort erneut mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Kultur Niedersachsens zusammengetroffen.

Kirche und Politik, Politik und Kirche – sie können nicht ohne einander. Das zumindest haben sowohl Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister als auch der Bischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers, Ralf Meister, in ihren Neujahrsansprachen gesagt.

McAllister habe bereits Erfahrung mit diesem traditionellen Empfang, meinte Meister, immerhin sei er bereits zum zweiten Mal der Redner. Für ihn, Meister, sei es hingegen eine Premiere – und ein Novum, das innerhalb von drei Jahren drei unterschiedliche Bischöfe die Neujahrsansprache beim Epiphaniasempfang gehalten hätten.

Hatte 2010 noch Margot Käßmann diese Aufgabe, so redete 2011 Bischofsvikar Hans-Hermann Jantzen – dem nun Meister folgte. Er werde versuchen, mehr Kontinuität in diesen Ablauf zu bringen, sagte der Bischof. So wie nahezu alle Redner in den vergangenen Jahren, enthielt auch er sich nicht eines Wortes zu dem zum Kaffee gereichten Butterkuchen, der eines der Markenzeichen des Empfangs ist. Als Kind habe er sich zum Geburtstag stets dieses Gebäck gewünscht, bekannte Meister. Dass er diesen nun immer einen Tag nach seinem Geburtstag bekomme, empfinde er als großes Glück. Meister hatte am 5. Januar seinen 50. Geburtstag gefeiert.

Danach ging es an die ernsten Themen, dem Ministerpräsidenten stand das Erstrederecht zu. McAllister thematisierte Schuldenkrise und Schuldenbremse und sprach seine Hoffnung auf einen breiten Konsens bei der Endlagersuche für radioaktive Abfälle ebenso aus wie die Hoffnung darauf, dass Niedersachsen einen konkreten Beitrag zum Gelingen der Energiewende leisten könne.

Für eine tariflich festgesetzte Lohnuntergrenze plädierte er wie auch für die Beibehaltung von „Religion“ als ordentliches Unterrichtsfach. Ein Deutschland ohne NPD wäre ein besseres Land, sagte der Ministerpräsident, und rückte zudem die aktuellen Christenverfolgungen in Nigeria in den Fokus. Keine Religionsgemeinschaft sei weltweit so vielen Verfolgungen ausgesetzt wie die Christenheit. Deutsche und europäische Außenpolitik müsse sich nachhaltig für Christen in Not weltweit einsetzen.

Als letzten Punkt seiner Ansprache behielt sich McAllister die Flüchtlingspolitik insbesondere auch der Landesregierung vor. Beschleunigte und verbesserte Verfahren solle es von der Härtefallkommission geben, die Anrufung erleichtert werden. In diesem wie auch jedem anderen genannten Punkt, den er angeführt habe, müsse die Kirche einbezogen werden, bekräftigte er.

Dass er durchaus die Verknüpfung von Politik und Kirche sieht und Einmischung nicht abwegig ist, ließ auch die Rede von Ralf Meister erahnen. Die „aktuelle Gastfreundschaft“ in Deutschland sprach er an, rühmte den arbeitsfreien Sonntag und nahm sich innerhalb der Jahreslosung 2012 – „Lass dir an meiner Gnade genügen, denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“ – insbesondere des Begriffs der „Gnade“ an. „Ich fürchte mich manchmal – und ich sage das mit einem ganz kritischen Ton über die Arbeit mancher Medien und ihrer Gnadenlosigkeit – vor einer vollständig entblößten Gesellschaft, die das Gespür für die Gnade Gottes verloren hat“, sagte Meister und fügte hinzu, dass die Trennung zwischen Privat und Öffentlich zerfallen sei. Mehr Gnade war sein Plädoyer, das „Klein-Klein“ konfessioneller und parteipolitischer Auseinandersetzungen sei wenig hilfreich. Gemeinsam und in Verantwortung vor den Menschen des Landes sollten gute Zeichen für die Zukunft gesucht werden.

Dem Abt des Klosters, Horst Hirschler, blieben die Schlussworte überlassen, bevor die Gesellschaft im Kapitelsaal mit der Hora den Empfang beendete.

Die Feiern zum 850-jährigen Bestehen des Klosters im kommenden Jahr waren Horst Hirschlers Thema – nicht zum ersten und voraussichtlich auch nicht zum letzten Mal.

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