Labor legt Ergebnisse von Messungen privater Brunnen im Südkreis vor

„Grundwasser stark mit Nitraten belastet“

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Diplom-Physiker Harald Gülzow bei der Arbeit in seinem mobilen Wasserproben-Labor.

Warmsen / Uchte - 239 Milligramm Nitrat pro Liter fanden die Mitglieder des Vereins zum Schutz des Rheins (VSR Gewässerschutz) bei Messungen in einem privat genutzten Brunnen in Großenvörde.

Weitere sehr hohe Nitrat-Konzentrationen stellten die Gewässerschützer laut einer jetzt vorgelegten Pressemitteilung auch in Nordel mit 144 Milligramm, in Essern (165 Milligramm), in Bohnhorst (134 Milligramm), in Brüninghorststedt (108 Milligramm), in Warmsen (161 Milligramm), in Höfen (175 Milligramm), in Uchte (197 Milligramm) und in Hoysinghausen mit 143 Milligramm fest.

„Nicht nur, dass das Wasser bei so starker Belastung nicht mehr zum Trinken geeignet ist, beim Bewässern im Garten kann es auch zur Nitratanreicherung in verschiedenen Gemüsesorten kommen“, berichtet Harald Gülzow, der die Proben im mobilen Labor untersucht hat. Insgesamt habe er Wasser aus 30 privat genutzten Brunnen im Raum Diepenau – Warmsen – Uchte – Raddestorf analysiert. In der Hälfte der analysierten Proben lag die Nitratkonzentration oberhalb des Grenzwertes für Trinkwasser der Weltgesundheitsorganisation von 50 Milligramm pro Liter.

Das oberflächennahe Grundwasser stelle keine Reserve mehr zur Trinkwassergewinnung dar, so der Diplom-Physiker. Neben dem gesundheitlichen Aspekt der Grundwasserbelastung sei der ökologische nicht zu vernachlässigen. Das mit Nitraten belastete Grundwasser sickere den Bächen in der Region zu und fließe dann über die Große Aue und die Weser weiter zur Nordsee. Dort wirke das Nitrat als Dünger und fördere das Algenwachstum, so der Wasser-Experte. Es komme zur Eutrophierung (Überschreitung des günstigsten Nahrungsangebots). Was dabei im Großen auffalle, könnten Gartenteichbesitzer im Kleinen beobachten: „Sobald das belastete Grundwasser in ein stehendes Gewässer gelangt, führt es dort schon bei 25 Milligramm pro Liter zu einem enormen Algen- und Pflanzenwachstum. In vier Fünftel der untersuchten Brunnen wurde dieser ökologischen Wert schon überschritten“, berichtet Gülzow.

Die Nitratauswaschung ins Grundwasser steige an, je größer die Menge an Gülle aus der Tierhaltung, der Gärreste aus den Biogasanlagen oder auch aus dem zugekauften mineralischen Düngemittel seien, die auf den Feldern und Gärten ausgebracht würden. Während der Einsatz der mineralischen Düngemittel zusätzliche Kosten verursache, sehe es bei Gülle und Gärresten ganz anders aus. Die Agrarindustrie stehe vor dem Problem, dass das ganze Jahr über zu viel von diesen stickstoffhaltigen Düngern „produziert“ würden. „Die gesetzlichen Bestimmungen mit Höchstgrenzen an Stickstoff aus Gülle und Mist pro Fläche stellen daher insbesondere für Massentierhaltungen und industrielle Biogasanlagen ein Problem dar. Die Betreiber müssen Landwirte suchen, die für sie diesen großen Düngeranfall auf den Feldern verteilen. Da in vielen Regionen die Bauern bereits ihre gesetzliche Höchstgrenze erreicht oder kein Interesse an dem Dünger aus der Agrarindustrie haben, muss dieser immer weiter transportiert werden“, erklärt Gülzow.

„Großes Problem bei

den Maisfeldern“

Der VSR-Gewässerschutz fordert, dass nicht nur Höchstmengen eingehalten werden müssen, sondern eine Düngung außerhalb der Zeiten, in denen Pflanzen den Dünger benötigen, verboten wird.

Ein „besonders großes Problem“ sieht der Verein außerdem „bei den Maisfeldern“. Während bei anderen Pflanzen bei Überdüngung eine negative Wirkung im Wachstum festzustellen sei, zeige der Mais keine Nachteile. Von Maisfeldern gehe daher „eine extrem hohe Nitratauswaschung ins Grundwasser“ aus. „Allein die gängigen Berechnungen der Stickstoffaufbringungen in der Agrarindustrie seien nicht ausreichend, da sie oft nicht der Realität entsprächen und es zur unverantwortlichen Nitratbelastung des Grundwassers komme, so Susanne Bareiß-Gülzow, die Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz.

Die Gewässerschützer wollen weitere Messungen vornehmen. Bürger, die sich an den Untersuchungen beteiligen möchten, können sich an die Umweltschützer wenden. Diese beraten immer freitags am Vormittag (Telefon 0 28 31 / 97 65 23) interessierte Brunnenbesitzer.

Weitere Infos auch unter

http://www.VSR-Gewaesserschutz.de

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