Hämelhauser Michael Cordes berichtet von seinen Erfahrungen im Meditationszentrum

Zehn Tage lang schweigen

Michael Cordes übte sich in dem Meditationszentrum im Schweigen. Foto: cordes

Hämelhausen/Neuseeland – Der gebürtige Hämelhauser Michael Cordes bereist seit mehr als zwei Jahren die Welt und hat seitdem viele Länder der Erde gesehen. In den vergangenen Monaten verbrachte er zweimal zehn Tage in einem Vipassana Meditationszentrum in Neuseeland und ist dort laut eigener Aussage an seine Grenzen gestoßen. Der Kreiszeitung berichtet er von seinen Erfahrungen während eines Kurses in der Nähe von Auckland in Neuseeland.

„Dass ich das erste Mal von diesen Kursen gehört habe, ist schon fast ein Jahrzehnt her. Mein Onkel hat damals an Weihnachten von seinen Erlebnissen in einem deutschen Zentrum berichtet. Ich war zu dem Zeitpunkt schon interessiert, habe sogar mit dem Zentrum Kontakt aufgenommen, es aber dann nicht weiter verfolgt“, erinnert sich Cordes.

Bei einem Aufenthalt in Neuseeland habe er schließlich in einer Gemeinschaft gearbeitet, in der viele diesen Kurs schon gemacht hatten. „Mir war damals nicht bewusst, dass es sich um die gleiche Meditationstechnik handelt, von der ich bereits Jahre zuvor gehört hatte“, berichtet er. Er habe sich ziemlich schnell entschlossen, dass er diese Erfahrung auch machen möchte.

Obwohl in einem Mediationsangebot rund 100 Personen teilnehmen könnten, seien die Wartelisten lang. Im Oktober 2018 war es dann soweit. „Ich hatte großen Respekt, aber auch eine enorme Vorfreude“, erinnert sich der Hämelhauser.

Während eines Kurses herrscht noble Stille. Das bedeute laut Michael Cordes, dass nur in Ausnahmefällen die Sprache gebraucht würde. Zum Beispiel bei Rückfragen an den Lehrer oder um Notwendiges mit den Helfern zu klären. „Ich habe während der zehn Tage keine 20 Worte gesprochen“, sagt Michael Cordes. Vor dem Beginn des Kurses verpflichte sich jeder Schüler, fünf Vorgaben einzuhalten: Der Verzicht darauf, andere Lebewesen zu töten, nicht zu stehlen oder zu lügen, der Verzicht auf sexuelle Handlungen sowie jeglicher Rauschmittel. „Dies bildet die moralische Grundlage“, erklärt der Hämelhauser.

Die Tage seien anschließend sehr eng getaktet. „Morgens um vier Uhr ertönt der erste Gong, eine halbe Stunde später beginnen die ersten zwei Stunden Meditation. Wahlweise in der eigenen Kammer oder in der Meditationshalle. Über den Tag verbringen die Teilnehmer circa fünf Stunden in der Halle und haben weitere sieben Stunden Zeit, zu meditieren“, schildert der 31-Jährige. Um halb sieben gebe es Frühstück und um elf Uhr Mittagessen, nachmittags gibt es ein paar Früchte.

Die ganze Organisation wird von ehemaligen Schülern (diese haben mindestens einen Kurs absolviert) durchgeführt. „Vom Management bis zu den Leuten in der Küche oder den Lehrern verdient nicht einer einen Cent, alles spielt sich ehrenamtlich ab“, erzählt Cordes.

Die Tradition der Vipassa- Meditationsart gehe mehr als 2 500 Jahre zurück und habe ihren Ursprung in Indien. Sie befasse sich mit den eingefahrenen Reaktionsmustern des Geistes. „Während der Meditation lernt man, seine Empfindungen zu beobachten. Alles was wir wahrnehmen, ruft eine Reaktion in uns hervor. Nicht nur auf emotionaler Ebene, sondern auch auf körperlicher. Diese Emotionen sind mit Empfindungen im Körper verbunden. Die Technik lernt einem, grob zusammengefasst, seine Empfindungen zu beobachten und nicht darauf zu reagieren, um seine Verhaltensmuster zu erkennen und verändern zu können“, erklärt der ehemalige Bankkaufmann. Dabei würden unter anderem körperliche Schmerzen aufkommen, die es einem nicht leicht machen, gleichmütig zu bleiben. „Ich hatte keine Probleme mit dem Schweigen, aber das Meditieren war extrem harte Arbeit, sehr kraftaufwendig. Dazu kommt, dass die meisten das lange Sitzen nicht gewohnt sind und es großer Willenskraft bedarf, dies über zehn Tage durchzuhalten“, beschreibt er weiter. Er hat es jedoch geschafft, nach zehn Tagen ging es zurück in die Zivilisation. „Es war unglaublich. Es ist enorm wichtig, die zehn Tage komplett durchzuhalten, denn es ist ein sich aufbauender Prozess. Die Meditation geht mit der Theorie einher, die jeden Abend in einem einstündigen Vortrag näher erläutert wird“, erklärt er. Abschließend sagt er, dass er vor allem Vorurteile ausräumen möchte. „Eine gewisse positive Einstellung zu Spiritualität kann nicht schaden, aber dennoch glaube ich, dass es niemanden gibt, der von den Erkenntnissen, die man dort sammelt, nicht profitieren würde. Es geht nur um einen selbst. Es ist an keine Religion gebunden, die Kurse sind kostenfrei. Am Ende kann jeder so viel spenden, wie er kann und möchte. Ohne Zwang.“

Auch in Deutschland gibt es ein Vipassana Meditationszentrum. Es liegt in Triebel, im sächsischen Vogtland.  mc/reg

Weitere Informationen im Internet unter:

www.dhamma.org/de/schedules/schdvara

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