Schwarzwild mitten in der Stadt

Hoya hat Schwein gehabt

Ein Wildsschwein blickt in die Kamerra
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Borstenvieh statt Osterhase: Die Sichtung eines Wildschweins hat Hoya am Sonntagnachmittag in Atem gehalten. Jäger Erhard Uhlig kann sich an so einen Fall nicht erinnern. Woher das Tier kam und wie es ins Stadtzentrum gelangte, bleibt unklar.

Dass an Ostersonntag die Hasenpopulation sprunghaft ansteigt, wundert niemanden. Aber in Hoya hat ein anderes Tier für Aufsehen gesorgt: Ein Wildschwein lief mitten durch die Stadt.

Hoya – Schneeflocken sind in diesen Tagen nicht die einzigen ungewöhnlichen Gäste in Hoya. Am Ostersonntag ist ein Wildschwein durch die Grafenstadt gelaufen. Das bestätigte gestern auf Nachfrage die Polizei. Zuvor hatte das Tier bereits in den sozialen Netzwerken für Aufsehen gesorgt.

Nach Angaben der Polizei erhielten die Beamten gegen 17 Uhr einen Anruf wegen eines Wildunfalls auf der Straße „Auf dem Kuhkamp“ – nicht gerade ein Ort, an dem Wildschweine, Rehe oder Wölfe zu erwarten sind. Viel passiert ist bei dem Zusammenstoß offenbar nicht. Die Polizei spricht von einem „leichten Sachschaden“. Das Auto sei noch fahrtüchtig gewesen. Die Beamten gingen aber zunächst davon aus, dass das Tier verletzt sein könnte, fanden aber keine Spuren von dem Schwein. „Wir haben es gesucht, aber nicht gefunden“, sagt eine Sprecherin.

Erhard Uhlig fährt gerade die Rampe der Weserbrücke herab, als das Wildschwein seinen Weg kreuzt. „Ungefähr 60 Kilo schwer“ sei es gewesen, schätzt er. Als Jäger hat der Hoyaer einen Blick für so etwas. Ob es ein Eber oder eine Bache war, kann aber selbst er nicht auf die Schnelle erkennen. Von dem Unfall erfährt Uhlig erst später. Er habe aber nicht den Eindruck gehabt, dass das Tier verletzt gewesen sei. Der Überläufer – so bezeichnen Jäger Schwarzwild im zweiten Lebensjahr – sei aus der Philipp-Schwarze-Straße gekommen, über die Hauptstraße auf das Gelände der Verkehrsbetriebe Grafschaft Hoya gelaufen und hinter den Schienen verschwunden.

Zu Hause, erzählt Uhlig, habe er dann Anrufe von Anwohnern erhalten, die das Schwein am Ziegeleisee gesehen hatten. Er rät zur Gelassenheit, einfach nichts tun. Dann werde das Tier schon wieder seinen Weg aus dem Stadtgebiet finden.

Bei der Rekonstruktion, welchen Weg das Wildschwein an Ostern genommen hat, helfen auch Einträge aus sozialen Netzwerken. „Vorsicht, in Hoya läuft ein Wildschwein rum. Vom Jugendzentrum ,Conexxxx‘ zur Apotheke“, heißt es dort.

Wie es überhaupt in die Grafenstadt gelangt ist, wissen weder Polizei noch Jäger. Möglicherweise sei es aus Hoyerhagen gekommen, vermutet Uhlig. Es könne aber auch über die Weser geschwommen sein. Ein einzelnes Wildschwein anzutreffen, sei für die im Verbund lebenden Tiere nicht ungewöhnlich. „Es kann sich auch mal eines absondern“, sagt Uhlig. Eine Rotte könne etwa beim Überqueren einer Straße getrennt werden. Letztlich bleibt es Spekulation, was das Tier aufgescheucht hat.

Eine Ursache schließt Klaus Twietmeyer, Kreisjägermeister aus Mehringen, allerdings aus. Eine Treibjagd am Ostersonntag habe es seines Wissens im Großraum Hoya nicht gegeben. Für ihn ist das verirrte Wildschwein einfach nur Zufall. Genau wie Uhlig hält Twietmeyer in so einem Fall Nichtstun für den besten Weg. Wenn das Tier sich erst einmal beruhigt habe, werde es schon wieder den Weg zurück finden.

Wildschweine sind eigentlich Waldbewohner. Im Sommer suchen sie mitunter auch den Schutz zwischen den Halmen der Mais- und Getreidefelder. Doch weder große Waldflächen noch dicht bewachsene Felder sind derzeit rund um die Stadt Hoya zu finden. Den Besuch des Wildschweins stuft Twietmeyer daher auch als durchaus ungewöhnlich ein.

Jäger Uhlig kann zwar von einem Hirsch berichten, der einmal durch Hoya spazierte, aber von einem Wildschwein in der Stadt hat er bis Sonntag auch noch nicht gehört. Dennoch sagt er: „Das ist nichts Besonderes. Das kann passieren.“ Wildschweine würden an einem Tag mehrere Kilometer zurücklegen. Aber anders als Hunde könnten sie nicht ihre eigene Fährte zurückverfolgen, falls sie sich verlaufen. Das Tier wisse nicht, wo der Wald ist, sagt Uhlig. „Also läuft es immer weiter, bis es etwas findet.“

Wer einem Wildschwein in der Stadt begegne, solle am besten einfach stehen bleiben. „Ein einzelnes Schwein ist froh, wenn es weg ist“, sagt Uhlig. Eine Gefahr gehe von den Tieren nicht aus. „Da braucht keiner Angst haben.“

Anders ist die Situation, wenn eine Bache im Frühjahr mit ihren Frischlingen unterwegs ist. Das Muttertier ist bereit, seinen Nachwuchs mit dem Leben zu Verteidigen, wenn es sich bedroht fühlt.

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