Der Autor Christoph Zachariae schreibt düstere Romane

Der Weltuntergang beginnt in Hoyerhagen

Schon eine Trilogie, und bald ist Band vier fertig: Christoph Zachariae mit „Ödland“. - Foto: Bert Strebe

Hoyerhagen - Von Bert Strebe. Die Geschichte beginnt mit Asche, Staub und Ruinen. Dann kommen Düsternis, Not und Kampf, verpackt in tonnenweise Spannung. 240 Seiten später wirft jemand die Heldin namens Mega, ein Mädchen mit einem fünfzackigen blauen Stern unter dem rechten Auge, auf einen Holzkarren, und sie wird bewusstlos. Ende. Aber es kommt noch ein kleiner Hinweis: In Teil zwei geht’s weiter.

Christoph Zachariae würde, wenn er nicht gerade auf der Terrasse seiner Eltern in Hoyerhagen säße, am mittlerweile vierten Teil seiner Romanreihe schreiben. Doch so hat er Kuchen besorgt, die Mutter hat Kaffee gekocht, die Sonne scheint. Passt gar nicht zu dem Thema des Gesprächs und zum Thema von Zachariaes Büchern: Die Welt geht unter, es gibt versprengte Überlebende – und wie kommen die dann klar? „Düstere Geschichten“, sagt Christoph Zachariae und lächelt breit und gewinnend, „mochte ich schon immer.“

Er ist für ein paar Tage in seinem früheren Zuhause zu Besuch. Der Autor, 1972 geboren, Sohn eines Flugzeugingenieurs und einer Lehrerin, ist in Hoyerhagen aufgewachsen. Aber er ist nicht länger als nötig geblieben. Der Wagen in der Einfahrt trägt ein Berliner Kennzeichen.

Zachariae ist in Hoya zur Schule gegangen, hat in Verden Abitur gemacht, in Bochum Filmwissenschaft und in Ludwigsburg Filmemachen studiert. Es gibt 13 Kurzfilme von ihm (einer, „Der letzte Engel“, lief 1998 überall als Vorfilm zu „Stadt der Engel“, auch im Filmhof Hoya). Es gibt eine lange Liste von Drehbüchern, die er verfasst hat. Und eben die Romane. Die Cover zeigen dräuende Wolken und garstige Gegenden. „Ödland“ heißt die Serie.

Nicht lustig. „Nö“, sagt Zachariae. Er macht eine Bewegung hin zur Welt hinter dem Grundstück. „Norddeutsche Landschaft“, sagt er. Was für ihn bedeutet: karges, flaches Gelände, einsame Wege zwischen Feldern, dunkles Wasser in Gräben.

Zachariaes Eltern kamen aus Berlin, damals glaubte man dort an die Revolution und an die Notwendigkeit, der Landbevölkerung deren Segnungen beizubringen. Wovon die Landbevölkerung meist nichts wissen wollte. Das Ergebnis war eine gewisse Isolation im Ort. Und die hat auch Christoph Zachariae als kleiner Junge gespürt. Er fühlte sich zu Hause sicher und aufgehoben, er fühlte sich in der Schule sicher und aufgehoben. Auf dem Weg dazwischen nicht. Zwischen den Feldern nicht. Im kargen, flachen Gelände nicht. Das ist der Grund, weswegen sich Zachariaes Arbeiten, Bücher wie Filme, oft mit Überlebenskampf befassen.

Das mit den Filmen erwies sich als schwierig. Dreimal hatte er abendfüllende Werke fast produktionsreif geschrieben, Schauspieler gecastet – dann platzte die Finanzierung. „Das waren schon bittere Erfahrungen“, sagt er. 2011 zog Zachariae die Reißleine und ließ das Filmen bleiben.

Geschrieben hatte er ohnehin schon immer. Und so setzte er sich, nach ein paar ersten positiven Erfahrungen mit Kurzgeschichten, an „Ödland“ Teil eins, „Der Keller“. 2012 kam es raus. Die Leser überschlugen sich: „Ein Muss!“, „Erbarmungslos und ungemein spannend“, „Tolles Erstlingswerk“. Band zwei und drei, „Das Versteck im Moor“ und „Die Fabrik am Fluss“, folgen 2013 und 2015. Band vier wird „Viktoriastadt“ heißen und 2017 erscheinen.

Zachariae hat es erst mit normalen Verlagen versucht, das hat nicht hingehauen. Also hat er die Bücher im Selbstverlag als E-Books produziert. Inzwischen sind sie auch als Taschenbücher erschienen; beide Varianten verkauft Zachariae über den Internetversandhändler Amazon. Der Erfolg gibt ihm Recht: Der Autor kann noch nicht allein vom Schreiben leben, aber die Gemeinde der Weltunterganggeschichtenfans, die groß und eng vernetzt ist, sichert ihm bereits sein halbes Einkommen. Für den Rest arbeitet er mal hier, mal da als Kameramann.

Und? Ist er gern wieder in Hoyerhagen? „Ja“, sagt Zachariae. Frieden geschlossen mit der Vergangenheit? Der Autor zögert. „Die Erinnerungen bleiben“, sagt er dann. Aber auch, dass er Leuten und Landschaft bis zu einem gewissen Grad dankbar sei: Sie haben ihn zu dem gemacht, der er heute ist. Und er ist jemand, der sehr spannende Geschichten erzählen kann.

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