Wegen Metaboliten: Bau einer Filteranlage im Wasserwerk Hoya beschlossen

Nicht nur sauber,sondern rein

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Die für die Metaboliten-Belastung verantwortlichen Mittel waren für eine Verwendung im Wasserschutzgebiet erlaubt.

Von Michael Wendt. Die Samtgemeinde Hoya baut 2016 eine Aktivkohle-Filteranlage in ihrem Hoyaer Wasserwerk und will die Bürger westlich der Weser danach wieder komplett mit selbst gefördertem Wasser versorgen. Das entschied der Samtgemeinderat in seiner jüngsten Sitzung im Gasthaus Hünecke in Nordholz. Die Investitionskosten betragen rund 775000 Euro. Die jährlichen Betriebskosten liegen zwischen 130000 und 150000 Euro. Dennoch könnte der Wasserpreis stabil bleiben. Die Gemeinden rechts der Weser werden wie gehabt vom Trinkwasserverband Verden beliefert.

„Wir standen vor drei Möglichkeiten“, erläuterte Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer dem Rat:

1. zu 100 Prozent unbelastetes Wasser der Harzwasserwerke auszuliefern,

2. sich einem Trinkwasserverband (zum Beispiel Verden) anzuschließen,

3. eine Filteranlage zu bauen.

„Wir haben ein tolles Wasserwerk, und es macht durchaus Sinn, die eigenen Ressourcen, die wir haben, auch zu nutzen“, sagte Detlef Meyer und sprach sich damit für den Bau der Filteranlage aus. Zudem schieden die anderen Alternativen aus Kostengründen und wasserrechtlichen Gründen aus.

Detlef Meyer unterstrich, dass die Landwirte im Wasserschutzgebiet freiwillig auf die für die Metaboliten-Belastung verantwortlichen Mittel verzichten. Er betonte aber ebenso: Eine Filteranlage soll kein Freibrief dafür sein, dass sie ihre Felder wieder so bewirtschaften können wie früher.

Ratsmitglied Frank Lange (Grüne) aus Bücken dankte den Landwirten dafür, dass sie in den vergangenen Jahren auf freiwilliger Basis auf Spritzmittel verzichtet haben und stellte klar: „Ich unterstelle keinem Landwirt, dass er rechtswidrig Mittel eingesetzt hat.“ Diesbezüglich hatte unsere Zeitung Frank Lange im Oktober falsch zitiert, wofür wir um Entschuldigung bitten.

Alexander Sporleder (CDU) erklärte dem Rat: „Aktivkohle ist zurzeit das Mittel der Wahl für unsere Zwecke.“ Der Bücker ist Vorsitzender des für das Wasserwerk zuständigen Betriebsausschusses. „Unsere Entgelte sind nach wie vor günstig“, sagte Sporleder. „Nach dem Bau der Aktivkohle-Filteranlage ist die Wirtschaftlichkeit des Wasserwerks hergestellt, und 2019 müssen eventuell nicht die Entgelte erhöht werden.“ Bis 2019 reicht der Wirtschaftsplan für das Wasserwerk, in dem aktuell keine Wasserpreis-Änderungen vorgesehen sind.

Seit Januar kostet der Kubikmeter Wasser 1,23 Euro, davor war er im März 2013 von 72 auf 91 Cent erhöht worden.

Hintergrund:

Grund für den Bau einer Filteranlage ist die seit 2011 festgestellte Belastung des geförderten Grundwassers mit Metaboliten. Das sind Abbauprodukte von Pflanzengiften. Dass die Rückstände überhaupt entdeckt worden waren, ist verbesserten Analyse-möglichkeiten zu verdanken. Die Landwirte, die Äcker im Wasserschutzgebiet zwischen Hoya und Bücken bewirtschaften, verzichten mittlerweile freiwillig auf den Einsatz eines Spritzmittels, dass die Metaboliten-Belastung verursacht hat (obwohl es für die Ausbringung in Wasserschutzgebieten erlaubt war).

Um die Belastung des Wassers mit Metaboliten unter den vom Bundesgesundheitsamt empfohlenen Richtwert zu drücken, wird dem Hoyaer Wasser seit einigen Jahren Fremdwasser der Harzwasserwerke beigemischt.

mwe

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