Wecholderin hilft Grundschülern bei Dyskakulie

Flüssig rechnen lernen mit der Wasserglas-Methode

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Tanja Bielefeld und ihre Tochter Amelie beim Rechnen mit Wassergläsern. Die Menge an Wasser symbolisiert eine mathematische Menge, Addition und Subtraktion erfolgen durch einfaches Umschütten des zur besseren Sichtbarkeit eingefärbten Wassers.

Wechold - Von Andree Wächter. Amelie hat eine Rechenschwäche. „Sie hatte kein Mengengefühl. Sie konnte mir nicht sagen, ob die Zahl 3 oder 16 größer ist“, sagt ihre Mutter Tanja Bielefeld. Mittlerweile hat die Wecholderin einen Weg gefunden, ihrer Tochter zu helfen: mit der Wasserglas-Methode. Ihr Wissen darüber und ihre guten Erfahrungen damit möchte Tanja Bielefeld nun auch an andere Eltern weitergeben.

Der Fachausdruck für die Rechenschwäche ist Dyskalkulie. Die anerkannte Krankheit beeinträchtigt das arithmetische Denken, erschwert also die Beherrschung grundlegender Rechenarten wie Addition, Subtraktion, Multiplikation und Division.

Amelie, die im September in die vierte Klasse kommt, hat mithilfe von zehn Wassergläsern gelernt, Rechenaufgaben zu lösen. Danach folgte sie dem Matheunterricht der dritten Klasse ohne Probleme. Ihre Mutter hat die „Wasserglas-Methode“ bei einem Seminar in Heidelberg gelernt und hilft jetzt weiteren Schülern, die Probleme beim Rechnen haben.

Als Amelie in die erste Klasse ging, wurde sie von der Landesschulbehörde in Nienburg wegen ihrer Rechenschwäche getestet. Das Amt bestätigte daraufhin ihre Dyskalkulie.

Um das fehlende Mengengefühl im Schulunterricht auszugleichen, fangen die betroffenen Kinder an, mit Fingern zu rechnen. Weitere Probleme sind zum Beispiel das Lernen der Uhrzeit oder ein fehlendes Gefühl für die richtige Menge von Wechselgeld.

„Der Förderunterricht hat nichts gebracht“, sagt Tanja Bielefeld. „Er hat den Frust eher noch verstärkt. Also habe ich mich nach einer alternativen Möglichkeit umgesehen.“ So wurde sie auf die Heidelbergerin Angelika Schlotmann aufmerksam. Die Psychologin hält Rechenschwäche für heilbar und hat eine Methode entwickelt, bei der die Kinder mit Gläsern und Wasser Mathematik verstehen lernen. Auf ihrer Homepage schreibt Angelika Schlotmann: „Mit den gängigen Schul- und Therapiematerialien provozieren wir sozusagen Missinterpretationen der mathematischen Logik und fördern eher die Rechenschwäche als sie zu verhindern. Dies zeigt sich an der Vielzahl der Menschen, die mathematische Inhalte nur regelhaft und schematisch auswendig lernen.“

Wasserstand stellt die Zahlen dar

Schlotmanns Konzept visualisiert die Rechenarten. Dazu benutzt sie zehn gleich große, zylindrische Gläser und buntes Wasser. Die Zahlen werden als Wasserstand dargestellt.

Diese Methode nutzt nun auch Tanja Bielefeld. Bevor eine Übungsstunde bei ihr beginnt, färbt sie das Wasser ein. „Jedes Kind darf sich die Farbe aussuchen“, sagt sie. Im ersten Schritt lernen die Kinder, dass im vollen Glas zehn Schluck zu trinken sind. „Je nach Interesse des Kinds entwickele ich eine Geschichte. Bei einem Sportler habe ich zum Beispiel erzählt, dass wir nach dem Sport beide Durst haben, er aber ein volles Glas hat und ich ein leeres.“ Das Kind schüttete dann eine Hälfte in das leere Glas. Über diesen visuellen Weg verstehen die Kinder das Zahlenprinzip.

Mit ersten Erfolgen schwindet der Schulfrust

Eine Trainingseinheit dauert bei Tanja Bielefeld rund eine Stunde und ist Einzelunterricht. „Am Ende geht jedes Kind mit einer gelösten Aufgabe nach Hause.“

Beim Vorstellen der noch eher unbekannten Wasserglas-Methode erregt die Wecholderin Neugier und Skepsis gleichermaßen, erzählt sie. Das Wichtigste: Amelies Lehrer akzeptieren die Methode.

Nun kommt Amelie in die vierte Klasse und braucht die Gläser im Unterricht nicht mehr. „Beim Rechnen stellt sie sich die Gläser vor“, erklärt ihre Mutter. „Ein Schluck symbolisiert bei ihr nicht mehr 1, sondern 100. So sind auch größere Zahlenräume darstellbar.“ Mithilfe der Methode kann Amelie auch malnehmen, teilen und Textaufgaben lösen.

Seit rund zwei Jahren trainiert die Neunjährige mit der Wasserglas-Methode. Laut Tanja Bielefeld sind erste kleine Erfolge nach rund sechs Monaten sichtbar und der Schulfrust verschwunden.

Kontakt:

Tanja Bielefeld hilft mit der Wasserglasmethode Grundschülern mit Rechenschwäche. Zu erreichen ist sie unter Telefon 04256/982121, 0173/4164786 und per E-Mail: bifi-wechold@gmx.de.

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