Aufwendiger Nachbau einer alten Presse

Wecholder Michael Linke druckt wie einst Gutenberg

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Michael Linke mit ersten Druckergebnissen.

Wechold - Von Michael Wendt. „Das war ganz schön schwer“, sagt Michael Linke und meint damit nicht das Gewicht von rund 500 Kilogramm, das seine neueste und zugleich älteste Druckmaschine wiegt. 

Vielmehr spricht der Wecholder über die Herausforderung, die es war, die Druckpresse von Johannes Gutenberg nachzubauen, mit dessen Entwicklung der 1468 gestorbene Mainzer die Welt veränderte. Letztendlich ist es Michael Linke gelungen. Aber selbst als jetzt alles fertig schien, musste er noch länger an Details feilen, um ein gutes Druckergebnis zu bekommen und die Presse ruhigen Gewissens zu einer Ausstellung nach Verden zu bringen.

Michael Linke ist Drucker aus Leidenschaft. Der pensionierte Lehrer betreibt in Hoya das Druckereimuseum an der Kirchstraße und hat auch auf seinem Hof in Wechold unzählige Druckutensilien. Sie dienen dem Drucken selbst oder der Herstellung von einzelnen Lettern. Mit diesen revolutionierte Johannes Gutenberg den Buchdruck. 

Es waren seine in Blei gegossenen Einzelbuchstaben, die das Drucken wirtschaftlich machten und sehr erleichterten. Obwohl man von „erleichtern“ kaum sprechen mag, wenn man Michael Linke seinen schweren Druckrahmen auf den Drucktisch wuchten sieht. Mit der Überschrift „Die schwarze Zunft“ hat er für einen Probedruck auf der nachgebauten Presse ein paar Zeilen über die Anfänge des Buchdrucks gesetzt.

Spindel in Frankreich gefunden

„Der Drucktisch muss total in der Waage sein, sonst ist der Druck schlecht“, erklärt er. Mit der Waagerechten ist das so eine Sache, stellt sich schnell heraus. Die auf dem Papier oben gedruckten Buchstaben sind knackscharf, die darunter undeutlich. Michael Linke legt ein paar Papierschnipsel unter eine Ecke des Setzrahmens. Aber das reicht nicht. Also greift Linke zum Schraubenschlüssel und richtet den Tiegel, der den Druck aufs Papier überträgt, neu aus. Er besteht aus einer Bongossiplatte, die einst die Arbeitsplatte eines befreundeten Schlachters war.

Die nachgebaute Gutenbergpresse in ihrer ganzen Pracht. Auf dem Tisch liegt der Druckrahmen mit den Lettern. Diese werden mit Druckerfarbe bestrichen, und es wird Papier auf sie gelegt. Dann werden Lettern und Papier unter den Tiegel geschoben, der beim Drehen der Spindel gegen das Papier drückt.

Die Spindel seiner Druckerpresse hat Michael Linke bei einem Frankreich-Urlaub aufgetan. Sie stammt aus einer Weinpresse. Auch Johannes Gutenberg soll bei seiner Erfindung auf solche Spindeln zurückgegriffen haben. Die waren im 15. Jahrhundert allerdings noch aus Holz. Das Gewinde musste per Hand eingeschliffen werden.

Da hat es Michael Linke einfacher. Dennoch: Trotz fertiger Spindel und moderner Werkzeuge hat er ein halbes Jahr an der Druckpresse gearbeitet. Nun probiert er sich konzentriert an der Feinjustierung. Das nasskalte Wetter scheint ihn bei der Arbeit draußen vor seinem Schuppen nichts auszumachen. In ihm glüht die Leidenschaft fürs Drucken.

„Man kriegt Respekt vor damaliger Arbeit“

Beim Bau der Presse hatte der Wecholder zahlreiche Unterstützer. „Ohne ihre Hilfe wäre dieses Projekt nicht möglich gewesen“, sagt er. Bei der Planung und bei technischen Problemen half Wolfgang Frenzel vom Museum der Arbeit in Hamburg. Die Wecholder Firma „Fach & Werk“ bearbeitete die alten Eichenholzbalken für den Rahmen, das mobile Sägewerk Allhusen (Hoyerhagen) half beim Aufsägen des Holzes, der Wecholder Schmied Jürgen Hahnfeld machte die alte Spindel wieder gängig, und der Martfelder Schmied Albert Till fertigte die für die Presse benötigten Eisenteile.

Michael Linke an der Presse.

„Wenn man an der Maschine arbeitet, kriegt man schon Respekt vor dem, was die früher geleistet haben“, sagt Michael Linke. Mit seiner Druckvorlage hat er es sich nicht einfach gemacht. Die Lettern sind aus einer feinen gotischen Schriftart. Da muss der Druck genau sitzen.

Vielmehr spricht der Wecholder über die Herausforderung, die es war, die Druckpresse von Johannes Gutenberg nachzubauen, mit dessen Entwicklung der 1468 gestorbene Mainzer die Welt veränderte. Letztendlich ist es Michael Linke gelungen. Aber selbst als jetzt alles fertig schien, musste er noch länger an Details feilen, um ein gutes Druckergebnis zu bekommen und die Presse ruhigen Gewissens zu einer Ausstellung nach Verden zu bringen.

Nachtschicht für die Justierung

Michael Linke feilt geduldig an der Einstellung. Mit einer Kneifzange kann er den an vier Gewindestangen aufgehängten Tiegel verstellen – so einfach ging das bei Johannes Gutenbergs Originalpresse sicher nicht. Dennoch kostet es Michael Linke einige Mühe. Immer wieder streicht er die Lettern mit Druckerfarbe ein, legt Papier nach und macht einen Probedruck, verstellt die Gewindestangen, streicht die Lettern ein, macht einen Probedruck.

Per Hand wird die Tinte auf die Druckplatte gebracht.

Als ihm klar wird, dass er noch eine ganze Weile an der Justierung arbeiten muss, scheint Michael Linke die Kälte dann doch wahrzunehmen. „Nun gehen wir erst mal rein und trinken einen Kaffee“, sagt er und ist dabei kein bisschen frustriert. Drinnen erklärt er zunächst seinem Freund, dass es heute nichts mehr wird mit der geplanten Verladung der Druckmaschine für den Transport nach Verden. Dann meldet er sich bei seiner Frau ab. „Ich hol’ gleich einen Strahler, und dann lege ich eine Nachtschicht ein“, freut er sich.

Mittlerweile hat Michael Linke seine Druckmaschine richtig justiert. Noch bis 1. Dezember ist sie in der Sparkasse an der Ostertorstraße 16 in Verden zu sehen. Deren Ausstellung „ReformArtion“ zeigt auch das „Bilder95Thesen“-Kunstwerk des Hasselers Henning Diers in voller Größe.

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