Von Verständnis bis Wut

Auswirkungen des zweiten Lockdowns auf die Gastro-Branche in Hoya

Trotz strenger Hygienekonzepte müssen die Gastronomiebetriebe ab Montag wieder schließen.
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Trotz strenger Hygienekonzepte müssen die Gastronomiebetriebe ab Montag wieder schließen.

Samtgemeinde Grafschaft Hoya – Es steht fest, ab Montag müssen die Restaurants und Gaststätten wieder schließen. Diese Maßnahme hat die Regierung im Rahmen des „Lockdown light“ am Mittwoch beschlossen. Diese Beschränkung gilt voraussichtlich bis Ende des Monats.

Ziel ist es laut Bundeskanzlerin Angela Merkel, die Fallzahlen so abzusenken, dass das Weihnachtsfest mit der Familie gefeiert werden kann. Was sagen die Gastronomen in der Samtgemeinde Grafschaft dazu, dass sie erneut für vier Wochen lang ihre Türen schließen müssen? Welche Auswirkungen hat diese Maßnahme für ihr Geschäft? Die Kreiszeitung hat exemplarisch mit einigen von ihnen gesprochen.

Gasthaus Thöle in Bücken

Wenig Verständnis hat Sven Thöle vom Gasthaus und Hotel Thöle in Bücken. „Wir sitzen an der Basis und haben keine Probleme, alle Hygienevorschriften einzuhalten“, meint er. Dass der Restaurantbetrieb geschlossen werden müsse, habe insofern Auswirkungen, dass ein Teil der Mitarbeiter in den Urlaub oder in die Kurzarbeit geschickt werden müsse. Und das nur wenige Monate nach dem ersten Lockdown. „Wir hatten jetzt drei gute Monate, es waren beispielsweise viele Radtouristen bei uns“, schildert Thöle. Aus seiner Sicht sei die Gastronomie kein Treiber der Pandemie, sondern die Feiern und Zusammenkünfte im privaten Bereich. „Hier sind unsere Gäste unter Aufsicht, in den heimischen Wohnzimmern nicht“, sagt er.

Grundsätzlich sei sein Unternehmen wirtschaftlich aber so gut aufgestellt, dass „wir locker noch ein halbes Jahr durchhalten, ohne Kredite aufnehmen zu müssen“.

Der Lindenhof in Hoya

„Insgesamt ist ein Lockdown nur sehr, sehr schwer auszugleichen“, meint Matthias Duske vom Lindenhof Hoya. Für seinen Betrieb wäre es fatal, sollten die Lieferungen an Schulen und Kindergärten auch eingestellt werden. Es seien täglich etwa 1 000 Mahlzeiten, welche sie zu diesen Einrichtungen bringen würden. Dieser Service mache gut 50 Prozent der Einnahmen aus. „Bleibt das Restaurant zu, fallen die anderen 50 Prozent weg“, erklärt Duske. Dass alle Gastronomiebetriebe in der Bundesrepublik über einen Kamm geschert werden beim Maßnahmenkatalog der Regierung, findet er zu drastisch. „Wir haben hier in der Samtgemeinde ja quasi keine Fälle und müssen trotzdem dichtmachen“, ärgert er sich.

Landhaus Hünecke in Nordholz

Von einem immensen Umsatzeinbruch seit März spricht Dietrich Hünecke vom Landhaus Hünecke in Nordholz. Einzig die Monteure, die unter der Woche die Hotelzimmer buchen würden, seien eine zuverlässige Einnahmequelle. Die vielen Mannschaften, die ansonsten in dem Sporthotel gerade an den Wochenenden übernachten, würden ganz wegfallen.

Ihm sei bereits jetzt bange um das Weihnachtsgeschäft. Momentan sei das Gasthaus für diese Zeit ausgebucht, auch ein Silvesterbüfett sei geplant. Er hoffe deshalb, dass die Bundesregierung den zweiten Lockdown nicht noch einmal verlängert.

Der Vorteil des Familienbetriebes sei, dass es keine Verbindlichkeiten gebe, sodass er die Existenz des Landhauses noch nicht betroffen sehe. Aber ewig sei eine Schließung natürlich nicht machbar. „Wir sind ein großer Betrieb, den wir nicht ganz runterfahren können“, meint er. Die Fixkosten würden trotzdem bestehen bleiben.

Das Okelmann’s in Warpe

Zurück zum Plan B geht es für das Okelmann’s in Warpe. Ab Montag bietet das Restaurant wieder Speisen zum Abholen an. Mit diesem Konzept habe der Betrieb bereits beim ersten Lockdown seine Kunden zumindest außer Haus versorgen können, schildert Kristin Okelmann. Des Weiteren würden weiterhin Geschäftsreisende oder Menschen, die einen ruhigen Ort für das Homeoffice bräuchten, Zimmer buchen.

Allgemein zeigt Kristin Okelmann Verständnis für die Vorgaben der Bundesregierung. „Das wird schon alles seinen Sinn haben, die Gesundheit geht eben vor“, findet sie. Sie hofft darauf, dass die Kunden trotzdem treu bleiben, Essen bestellen und bei den lokalen Händlern Gutscheine kaufen.

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