Seltene Möglichkeit im Landkreis

Vier Träger, ein Angebot: Deutschkurs für Frauen mit Betreuung der Kinder

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Im evangelischen Gemeindehaus in Hoya treffen sich regelmäßig die Teilnehmerinnen eines Deutschkurses. Das Foto zeigt einige von ihnen mit (sitzend, von links) Heike Teichmann, Leiterin des Familienzentrums Grafschaft Hoya; Svenja Rüffel, Dozentin für Deutsch als Fremdsprache bei der Volkshochschule, und Ina Brendel, Koordinatorin des Familienzentrums Grafschaft Hoya.

Hoya - Von Horst Friedrichs. Das gibt’s nur zweimal: Hoya und Rodewald sind die einzigen Orte im Landkreis Nienburg, in denen Frauen an einem Deutschkurs teilnehmen können, während nebenan ihre Kinder betreut werden. Schauplatz dieses hochmotivierenden Geschehens ist in Hoya das evangelische Gemeindehaus an der Von-Staffhorst-Straße.

Dort treffen sich derzeit 21 Frauen aus sechs Ländern an vier Tagen in der Woche, um gut und konzentriert Deutsch zu lernen. Das, und das ist das Besondere an der Sache, können sie nur deshalb unbesorgt und in Ruhe tun, weil sie ihre Kinder in einem Nachbarzimmer in der Obhut erfahrener Betreuerinnen wissen.

Svenja Rüffel ist bei der Volkshochschule Nienburg Dozentin für Deutsch als Fremdsprache und überdies Heilpraktikerin für Psychotherapie. Sie leitet den Deutschkurs für Frauen in Hoya, der seit Januar dieses Jahres stattfindet und derzeit 21 Teilnehmerinnen zählt. 

„Alle sind begeistert und hochmotiviert“, erklärte Svenja Rüffel während eines Pressegesprächs. „Dieser Kurs ist etwas ganz Besonderes, weil die Kinder während des Unterrichts der Mütter betreut werden“, fügte Heike Teichmann, Leiterin des Hoyaer Familienzentrums hinzu. „Ein solches Angebot fehlte bislang.“

Während ihre Mütter nebenan Deutsch lernen, werden die Kinder betreut von (von links) Ingrid Neermann, Antje Polthier und Sylvia Beermann.

Der erste Kurs umfasst 300 Unterrichtsstunden und endet im Juni dieses Jahres. Weiter geht es nach den Sommerferien mit einem zweiten Kurs. „Dafür ist die Kinderbetreuung bereits gesichert“, teilte Ina Brendel, Koordinatorin des Familienzentrums, mit. 

„Die Zusammenarbeit aller Beteiligten ist außergewöhnlich gut“, sagt sie. Die Beteiligten, das sind neben der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde und dem Familienzentrum die Volkshochschule und das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF). Bis zu 20 Teilnehmerinnen können in einen Deutschkurs für Frauen in Hoya aufgenommen werden. Dass es zurzeit eine mehr ist, gilt als Ausnahme.

Bis zu 17 Kinder in der Betreuung

Die Teilnehmerinnen des aktuellen Kurses kommen aus dem Irak, aus Syrien und aus Afghanistan, aber auch aus Polen, Russland und Albanien.

Bis zu 17 Kinder im Alter von zwei Monaten bis zu vier Jahren können während des Kurses betreut werden. Das Außergewöhnliche an dem Kurs ist die Zusammenarbeit von vier Trägern. Die evangelische Kirchengemeinde Hoya stellt die Räumlichkeiten zur Verfügung, das evangelische Familienzentrum sorgte für die Organisation, die Einstellung der Kinderbetreuerinnen, die Einrichtung des Raums für die Kinder und letztlich den Kontakt zu den Müttern. 

Die Volkshochschule organisiert alles rund um den Sprachkurs und die Finanzierung von ursprünglich zwei Kinderbetreuerinnen. Wegen des großen Interesses an dem Deutschkurs musste eine dritte Betreuungskraft eingestellt werden; deren Finanzierung übernimmt die Samtgemeinde Grafschaft Hoya bis zum Sommer.

Als Betreuerinnen arbeiten Sylvia Beermann, Ingrid Neermann und Antje Polthier während des Kurses – montags, dienstags, donnerstags und freitags – jeweils von 8.30 bis 11.30 Uhr im Gemeindehaus. Die Ehemänner der Kursteilnehmerinnen sind währenddessen selbst als Kursteilnehmer eingebunden, und zwar in den Integrationskursen. 

Unterdessen sind die älteren Kinder in der Kita, während ihre kleinen Geschwister im Gemeindehaus betreut werden. Die Mütter, die am Deutschkurs teilnehmen, wohnen in Hoya, Bücken, Eystrup, Hassel und Hämelhausen.

Frauen werden selbstbewusster

„Die Frauen sind im Laufe des Kurses selbstbewusster geworden“, berichtet Heike Teichmann. „Sie haben jetzt eine gemeinsame Sprache, in der sie sich verständigen können, nämlich das Deutsche.“ Ina Brendel ergänzt: „Dadurch konnten sie untereinander auch neue Freundschaften schließen.“

Die Idee für den Deutschkursus mit Kinderbetreuung, so berichtet Heike Teichmann, kam aus dem Familienzentrum: „Wir haben Kontakt zur Volkshochschule aufgenommen und dann Anfang letzten Jahres mit der Organisation angefangen.“ Neben der Kostenbeteiligung für eine Kinderbetreuerin durch die Samtgemeinde Grafschaft Hoya übernimmt die Volkshochschule – und damit letztlich das BAMF – den Rest der Kosten für den Kurs.

Unterrichtet werden die Lernenden in kleinen Gruppen, aufgeteilt nach Vorbildungsniveau, das sehr unterschiedlich ist. Während sechs der Flüchtlingsfrauen unter den Teilnehmerinnen Analphabetinnen sind, haben andere bereits Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Svenja Rüffel: „Wir hören, sprechen und schreiben im Unterricht. Ziel ist die Teilnahme an der Prüfung A2.“ Das, so die Dozentin, beinhalte schon ein deutlich höheres Niveau als die Anfängerstufe A1.

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