Viele Besucher hören Vortrag über Demenzerkrankungen im Hoyaer „Lindenhof“

„Was Sie nicht vergessen sollten“

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Dr. Axel Kelm während seines Vortrags im „Lindenhof“ Hoya.

Hoya - Buchstäblich überbordend war am Mittwochabend das Interesse an einer Veranstaltung im Hoyaer „Lindenhof“: „Was Sie nicht vergessen sollten“ lautete der Titel eines Vortrags über Demenzerkrankungen. Im kleinen Saal des Gasthauses herrschte drangvolle Enge, als Dr. Axel Kelm, Demenz-Koordinator am Klinikum Bremen-Ost, das Thema vor dem Hintergrund seiner täglichen Arbeit beleuchtete. Veranstalterin war die Katholische Erwachsenen-Bildung Hoya.

Axel Kelm beschäftigt sich seit mehr als 15 Jahren mit Demenz und mit den verschiedenen Formen der Alzheimer-Erkrankung. Am Klinikum Bremen-Ost ist der Sozialpädagoge in seiner Funktion als Demenz-Koordinator seit zweieinhalb Jahren erster Ansprechpartner und Berater für Patienten, Angehörige und niedergelassene Ärzte. Überdies ist Axel Kelm Lehrbeauftragter an der Hochschule Bremen, der Alice-Solomon-Hochschule Berlin und der Technischen Universität München. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter engagiert er sich bei verschiedenen regionalen und überregionalen Forschungsprojekten. Nicht zuletzt ist er seit Jahren Gremienmitglied der Deutschen Alzheimer-Gesellschaft.

„Wenn Sie in den Keller gehen und sich nicht mehr erinnern, was Sie da wollten“, beruhigte Kelm seine Zuhörer, „dann ist das keine Demenz.“ Solange man mit Alltagsproblemen klarkomme, bestehe keine Gefahr. Allerdings könne eine in den Backofen gelegte Zeitung zum Beispiel ein ernstzunehmendes Anfangssymptom sein. „Bald werden wir alle 100“ – diese Zeitungs-Schlagzeile projizierte Kelm nach einführenden Erläuterungen auf die Leinwand und leitete damit auf die Anzeichen beginnender Demenz über.

Zu den sogenannten kognitiven Symptomen gehören die Abnahme der Gedächtnisleistung, das Nachlassen der Lernfähigkeit, die Verminderung des Urteilsvermögens sowie Sprachstörungen und Störungen bei der Handhabung von Objekten. Kelm berichtete, dass zu den affektiven, nicht kognitiven Symptomen Depressionen, das Sich-Zurückziehen sowie Interesseverlust und Apathie zählen. Mit bedrückenden Beispielen aus der Praxis verdeutlichte der Referent seine Schilderungen. So sei ein Mann auf dem Heimweg mit seinem Auto durch eine ihm unbekannte Baustelle in Bremen derart aus dem Konzept geraten, dass er auf die Autobahn geriet und erst kurz vor Münster anhielt, weil ihm das Benzin ausgegangen war.

„Das Risiko Nummer eins für eine Demenzerkrankung ist das Lebensalter“, erklärte Kelm. Daneben könnten somatische Erkrankungen wie Bluthochdruck und Diabetes eine Rolle spielen. Den Verlauf einer Demenzerkrankung teile man in die Stufen Vergessen, Verwirrtheit und Hilflosigkeit ein. Die Dauer der einzelnen Phasen sei zeitlich nicht festgelegt, insgesamt werde aber von einem Zeitraum von zehn Jahren gesprochen.

Ausführlich ging Kelm auch auf Diagnostik und Therapie ein und beantwortete während seines Vortrags Detailfragen von Zuhörern. Hilfreiche Hinweise für den Umgang mit Demenzkranken und ihre Betreuung rundeten den Vortrag ab. Ein geringeres Demenzrisiko schrieb Kelm Menschen zu, die ihre Hobbys und sozialen Kontakte pflegen.

hfr

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