Schadstoffe im Grafenschloss Hoya

Viel Schutt und ein paar Schätze

Bauingenieur Jose Serrano (links) und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer stehen im Treppenhaus des Weserflügels im Grafenschloss Hoya.
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Historisches Mauerwerk trifft 50er-Jahre-Charme: Bauingenieur Jose Serrano (links) und Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer stehen im Treppenhaus des Weserflügels im Grafenschloss Hoya.

Grafenschloss. Das ist ein klangvoller Name für das Gebäudeensemble am Weserufer in Hoya. Vom Prunk vergangener Tage und dem möglichen Glanz der Zukunft ist derzeit allerdings nicht viel zu sehen.

Hoya – Das Hoyaer Schloss ist eine einzige Baustelle. Arbeiter entkernen seit Dezember systematisch jeden Raum. Architekt Patrick Dietz hofft, bei den Abrissarbeiten noch das ein oder andere historische Zeugnisse zu finden, dass irgendwann einmal in einer hübschen Vitrine ausgestellt werden kann.

Doch statt Silberlöffeln, Krügen oder Tonscherben kamen bisher nur Bausünden vergangener Jahrzehnte ans Tageslicht: Asbest, Teer sowie die Holzschutzmittel PCP und Lindan.

Dietz überrascht das nicht, wenn er die wechselvolle Geschichte der Immobilie betrachtet. Das Schloss sei mehrfach zerstört, umgebaut oder erweitert worden. Und was heute als Gift gilt, wurde bis in die 80er-Jahre wie selbstverständlich als Baustoff verwendet: Asbest im Putz oder Kleber, um den Verbund zu stärken, Teer zur Abdichtung und Isolierung. Auch die Stadt Hoya wusste, worauf sie sich einlässt. Schon vor Jahren seien aus allen Gebäuden Materialproben entnommen und analysiert worden, um ein Schadstoffkataster zu erstellen, sagt Dietz.

Weil PCP, Asbest und Co. als krebserregend gelten, ist die Beseitigung dieser Stoffe sehr aufwendig. Die Arbeiter müssen spezielle Masken tragen, um sich vor dem giftigen Staub zu schützen. Die betroffenen Räume sind abgeriegelt und nur über eine Schleuse zu erreichen. Wenn die gefährlichen Substanzen an Wänden, Böden oder Decken entfernt sind, müssen alle Oberflächen gründlich gereinigt werden. Eine Messung der Raumluft soll abschließend darüber Auskunft geben, ob tatsächlich alle Schadstoffe beseitigt wurden.

Wie viele Kubikmeter Bauschutt und schadstoffbelastetes Material die Arbeiter bisher aus dem Schloss geholt haben, weiß Dietz nicht genau. Einige Container seien es jedenfalls gewesen. Sämtliche Böden legen die Arbeiter frei, alle abgehängten Decken kommen raus, Elektro- und Wasserleitungen ebenfalls. Wenigstens bis März sollen die Abrissarbeiten laufen. Wenigstens ist das das Ziel. Eine Verlängerung will Dietz nicht ausschließen. „Das ist schwierig zu sagen, denn es kommen immer neue Sachen hinzu“, sagt der Architekt.

Im Gewölbekeller des Weserflügels hatte sich Schimmel gebildet. „Der ist jetzt weg“, sagt Dietz. Feuchtigkeit sei vor allem in diesem Gebäude ein Problem. Schuld daran sei die Witterung, nicht etwa das Grundwasser.

„Hier hat sich jeder selbst verwirklicht“, sagt Samtgemeindebürgermeister Detlef Meyer im Treppenhaus des Weserflügels, wo altes Mauerwerk auf den zweckmäßigen Charme der Nachkriegsjahre trifft.

Die vielen Häutungen des Schlosses lassen sich auch am Boden ablesen. Bis zu vier Schichten haben die Arbeiter abgetragen. Verschüttet unter Sand, Beton und Schutt fanden sie im Erdgeschoss alte Ziegelböden oder Steinplatten. Diese Schätze lässt Dietz feinsäuberlich ausbauen, reinigen und lagern. Später sollen sie zurück an ihren angestammten Platz kommen.

Meyer ist überzeugt, dass das Grafenschloss Hoya am Ende der Sanierung wieder seinen ursprünglichen Charakter erhalten wird – nach Jahrhunderten der Flickschusterei. Er ist weiter von dem Projekt überzeugt, „auch wenn ich manchmal kalte Füße bekomme“. Ein Witz, den er gleich zweimal reißt im Schneematsch auf der Baustelle.

Denn bei der Finanzierung verlässt sich die Stadt auf ein Versprechen des Landes Niedersachsen. Eine Zusage für die erhofften Fördermillionen hat die Stadt bislang nicht.

Von Felix Gutschmidt

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