Bauarbeiten starten

Umspannwerk in Mehringen: Verkehrsknoten für Strom

Ab März ist es vorbei mit der Ruhe. Dann sollen die Bauarbeiten für das Umspannwerk zwischen Mehringen und Ubbendorf beginnen, berichtet Netzbetreiber Tennet.
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Ab März ist es vorbei mit der Ruhe. Dann sollen die Bauarbeiten für das Umspannwerk zwischen Mehringen und Ubbendorf beginnen, berichtet Netzbetreiber Tennet.

„Grüner Strom“ wird immer mehr produziert. Das Problem: Der Transport ist nicht so einfach. Ein großes Projekt von Tennet verspricht Lösungen.

Mehringen – Die Energiewende zeigt sich in vielen Facetten: Solarzellen auf den Dächern oder Windräder auf dem Land gehören dazu. Doch der so produzierte Strom muss auch irgendwie transportiert werden. Und da stoßen die Stromnetze, die 50 Jahre und älter sind, an ihre Grenzen. Darum sollen einige alte Netze durch neue ersetzt werden. Ein Vorhaben betrifft die Samtgemeinde Hoya in den nächsten Monaten ganz konkret: Die Trasse von Stade nach Landesbergen.

Für die 155 Kilometer lange Strecke ist gerade ein wichtiges Bauprojekt gestartet: das Umspannwerk zwischen Mehringen und Ubbendorf. Die Vorarbeiten für das Projekt laufen bereits. Die Zufahrtsstraße ist angelegt. Dass viele Lastwagen die Baustelle ansteuern werden, ist klar. Unklar sind die Auswirkungen auf den Straßenverkehr. Dazu soll es laut Hoyas Bauamtsmitarbeiter Peter Bruns in den kommenden Tagen noch Gespräche mit dem Bauherren geben: dem Netzbetreiber Tennet.

Tennet baut Umspannwerk in Mehringen

Umgesetzt wird das komplette Vorhaben, also Leitungen, Masten und Umspannwerk, von Tennet. Beim Neubau handelt es sich um eine 380-Kilovolt-Stromleitung (380 kV) zwischen Stade und Landesbergen und den damit verbundenen Umspannwerkbau in Mehringen. Wenn die neuen Leitungen Strom führen, wird die alte 220-kV-Leitung demontiert. Nach den Planungen könnte das Ende des Jahrzehnts passieren.

Grundlage für den Neubau ist der Bundesbedarfsplan. Darauf aufbauend hat die Bundesnetzagentur für die Strecke StadeLandesbergen beschlossen: „Das Vorhaben dient der Erhöhung der Übertragungskapazität vom Raum Hamburg/Elbmündung nach Süden bis auf Höhe Hannover und ermöglicht insbesondere den Abtransport von Onshore-Windenergie aus Schleswig-Holstein.“ Ziel sei eine Erhöhung der Umspannkapazität. Versorgungssicherheit und Netzstabilität sind weitere Punkte.

Laut dem Handelsblatt mussten Deutsche 2019 im Schnitt nur rund zwölf Minuten auf Strom verzichten. Nur Kleinstaaten wie Luxemburg haben einen noch besseren Wert.

Das Stromnetz in Deutschland ist vergleichbar mit dem Straßennetz. Dort gibt es kleine Gemeindestraßen, Landstraßen und vielspurige Autobahnen. Beim Stromnetz gibt es unterschiedliche Spannungsebenen. Am Umspannwerk fließen die unterschiedlichen Ströme wie an einem Verkehrsknoten zusammen. In Mehringen soll neben dem Strom aus Stade auch die lokale Wind- und Solarenergie indirekt ins Netz eingespeist werden.

Damit die Bagger auch den Weg finden: Ein Tennet-Schild weist auf die Baustelle „Umspannwerk Mehringen“ hin.

Insgesamt vier Spannungsebenen gibt es im Stromnetz: Die Höchstspannungsebene mit 380.000 bis 200.000 Volt, die Hochspannungsebene mit 110. 000 Volt, die Mittelspannungsebene mit 35.000 bis 10.000 Volt und die Niederspannungsebene mit 400 und 230 Volt. Ein Umspannwerk verbindet diese verschiedenen Ebenen, wandelt die Spannung entsprechend um und verteilt den Strom in die Netze. Letztlich landet er dann bei den Kunden zu Hause und versorgt Fernseher, Herd und Waschmaschine.

Wie bei jedem elektrischen Gerät gibt es auch bei Umspannwerken elektrische und magnetische Felder. In Deutschland gibt es gesetzliche Grenzwerte, die im Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchV) festgelegt sind. Diese Grenzwerte liegen um den Faktor 5 bis 50 unter den Werten, bei denen laut Studien Auswirkungen auf den Menschen zu erwarten sind. Konkreter wird das Landes-Raumordnungsprogramm: Es macht die Vorgabe, dass Leitungen einen Abstand von 400 Metern zu Siedlungen und 200 Metern zu Einzelhäusern haben müssen.

Tennet schreibt zu den elektrischen und magnetischen Feldern: „Die von einem Umspannwerk ausgehenden elektrischen und magnetischen Felder liegen außerhalb des Zauns, also in dem für die Öffentlichkeit zugänglichen Bereich, deutlich unter diesen Grenzwerten. Tennet erstellt für jedes neue Umspannwerk ein Gutachten zur elektromagnetischen Umweltverträglichkeit. Dabei simuliert Tennet die Betriebssituation für den Fall der größtmöglichen Auslastung der Betriebsmittel und berechnet so die elektrische Feldstärke und die magnetische Flussdichte in direkter Umgebung (also am Anlagenzaun).

Tennet erstellt für jedes neue Umspannwerk ein Gutachten zur elektromagnetischen Umweltverträglichkeit.

Selbst unter der Annahme der Maximalauslastung betragen die errechneten Simulationswerte an einem typischen Umspannwerk nur etwa 40 Prozent des Grenzwertes für die magnetische Flussdichte und rund 50 Prozent des Grenzwertes für die elektrische Feldstärke.“ Bei den Simulationen wird ein „Worst-Case“-Szenario angenommen.

Der ausgewählte Standort war ein Vorschlag der Bürger. Tennet hatte erst andere Flächen ins Auge gefasst. Nach einer Überprüfung stimmte Tennet dem Bürgerwillen zu. Ein Grund: Die Fläche liegt weiter von Wohngebäuden entfernt. Das neue Umspannwerk muss in der Nähe zum aktuellen in Wechold entstehen. „Sonst hätten zu viele Leitungen verlegt werden müssen“, sagt Peter Bruns. Und dies wäre ein weiterer Eingriff in die Natur und hätte weitere Kosten verursacht.

Von Andree Wächter

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